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Angst, Ohnmacht und Schuld: "Charlie Hebdo"-Überlebende berichten

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Corinne Rey
Corinne Rey   -   Copyright  THOMAS SAMSON/AFP or licensors
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Im Prozess um den islamistischen Terroranschlag auf das französische Satiremagazin "Charlie Hebdo" kamen am Dienstag die Überlebenden des Attentats zu Wort.

Sie waren Mitarbeiter der Redaktion, Anwohner oder standen ganz einfach im Weg, als die Kouachy-Brüder am 7. Januar 2015 das Gebäude, in dem Charlie Hebdo untergebracht ist, stürmten.

Ein Trauma, das bis heute anhält

Die Karikaturistin Corinne Rey, die mit einer Kalaschnikow bedroht, den Attentätern die Tür zur Redaktion öffnen musste, spricht von einem Gefühl der Ohnmacht und der Verzweiflung.

Davon überzeugt, dass sie sterben würde, sei sie in die Knie gegangen, die Hände über dem Kopf. Danach begann das Morden. Sie habe sich lange schuldig gefühlt, sagt die Zeichnerin.

Ihre Aussage sei äußerst erschütternd gewesen, meint die Anwältin von Corinne Rey. Es sei ihr gelungen, das Unaussprechliche in Worte fassen. Zum ersten Mal habe sie über das Erlebte sprechen können, mehrere Jahre sei das nicht möglich gewesen.

Man hätte die Schüsse zählen können

Virginie Chapel arbeitete in einem Büro ein Stockwerk tiefer, das die Terroristen auf der Suche nach Charlie Hebdo zunächst betraten. Ich sah Chérif Kouachi vor stehen, der sich immer mehr aufregte und fragte, ob das hier Charlie ist. Als mehrere von uns das verneinten hier sei, wurde er wütend und schoss.

Ich habe SMS-Nachrichten an meinen Sohn und meinen Ehemann geschickt, weil ich dachte, dass wir sterben würden. Danach haben wir die Schüsse gehört. Das war fruchtbar, man hätte sie zählen können."

Im Prozess geht es um die Anschlagsserie auf "Charlie Hebdo" und einen koscheren Supermarkt im Januar 2015 mit insgesamt 17 Toten. Die drei islamistischen Täter wurden damals von Sicherheitskräften erschossen.

In dem Verfahren vor einem besonders zusammengesetzten Gericht für Terrorfälle sind 14 mutmaßliche Helfer angeklagt - drei davon in Abwesenheit.