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State of the Union: Gleiche Bezahlung von Mann und Frau - ein Wunsch

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State of the Union: Gleiche Bezahlung von Mann und Frau - ein Wunsch
Copyright  Panayiotis Tzamaros/ European Union 2012 - EP
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Noch immer ringen EU-Politiker um die Verabschiedung des Coronavirus-Wiederaufbaupakets, auf das sich die Staats- und Regierungschefs bei ihrem Gipfel im Juli (!) geeinigt hatten.

Man kann nur hoffen, dass das Paket nicht das Schicksal einea Gleichstellungsvorschlaga erleidet, der von den Mitgliedstaaten seit fast acht Jahren zum Schmoren verurteilt ist.

Es ist ein Plan, der börsennotierte Unternehmen zwingt, mindestens 40 Prozent weibliche Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder zu haben.

Ein Aspekt der ungleichen Bezahlung von Mann und Frau, der in Europa immer noch existiert.

Jüngste Studien haben gezeigt, dass diese Unterschiede nicht vor dem nächsten Jahrhundert (!) verschwunden sein werden.

Dazu das folgende Interview mit der Vorsitzenden des Ausschusses für die Rechte der Frau und Gleichstellung der Geschlechter im Europäischen Parlament, Evelyn Regner, Sozialdemokratin aus Österreich.

Euronews: Sie sind eine der Hauptstreiterinnen für die #WomenOnBoards- Direktive, die seit fast acht Jahren in der gesetzgeberischen Bürokratie festsitzt. Gegen wen kämpfen Sie eigentlich?

Regner: Es ist der Rat. Enige Mitgliedsländer sagen, 'WomenOnBoard ist sehr wichtig, aber wir tun dies zu Hause, auf nationaler und nicht auf europäischer Ebene'. Leider tun sie überhaupt nichts zu Hause, und deswegen sitzt die Initiative fest.

Euronews: Warum sind Konzernleitungen noch immer eine männliche Bastion, die sich Veränderungen widersetzt, die sich überall sonst in der Gesellschaft durchgesetzt haben?

Regner: Es geht um Macht und darum, nichts vom Kuchen abzugeben. Und es geht um Geschlechter-Blindheit. Wenn Unternehmen an neue Vorstände und Aufsichtsratsmitglieder denken, erweitern sie nicht ihren Horizont. Denn das würde heißen, Frauen zu suchen. Doch mit Frauen in Top-Positionen sind Unternehmen erfolgreicher. Ich denke, dass ist eine gute Erklärung.

Euronews: Es gibt das Argument, auch von Feministinnen vorgebracht, dass es wichtiger ist, für gleiche Bezahlung in unteren Einkommensgruppen zu kämpfen als in der ohnehin privilegierten Welt der Konzernspitzen. Was sagen sie zu dieser Kritik?

Regner: Wir brauchen beides, Gleichheit ganz unten und an der Spitze. Natürlich ist es notwendig, mit gesetzlichen Maßnahmen ein gleiches Gehaltsniveau auch auf unterer Ebene zu haben. Doch ist es ebenso wichtig, die Politik auf den Führungsetagen der Unternehmen zu verändern.

Euronews: Die jüngste EU-Studie zur Bezahlung von Mann und Frau hat einige unglaubliche Erkenntnisse hervor gebracht, etwa die, dass Frankreich die gleiche Bezahlung erst in tausend Jahren erreichen wird. Kämpfen Sie hier gegen Windmühlen?

Regner: Nein, wir kämpfen nicht gegen Windmühlen, aber es geht alles im Schneckentempo. Der Fortschritt ist so langsam. In was für Zeiten leben wir? Wir müssen einfach die Leute wachrufen, denn Fortschritt fällt nicht vom Himmel.