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Entsorgen ins Meer? Japan weiß nicht wohin mit verseuchtem Fukushima-Wasser

Wassertanks auf dem Gelände des AKW Daiichi Fukushima, 25.Januar 2019
Wassertanks auf dem Gelände des AKW Daiichi Fukushima, 25.Januar 2019   -   Copyright  AP via Kyodo News
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Japans Regierung will offenbar Millionen Tonnen verseuchtes Wasser aus dem havarierten Atomkraftwerk Fukushima ins Meer einleiten, trotz Protesten von Fischern aus der Gegend. Sie befürchten die Zerstörung ihrer Lebensgrundlage.

Mehr als 1000 Tanks mit "strahlendem" Wasser

Bislang hatte Tepco das zur Kühlung der Brennstäbe benötigte Wasser in riesigen Tanks auf dem Gelände des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi gelagert. Insgesamt gibt es 1000 dieser Behälter, oder anders ausgedrückt: 1,2 Millionen Tonnen Wasser. Doch neuneinhalb Jahre nach dem schweren Erdbeben und anschließendem Tsunami wird der Platz nun knapp.

Eine Entscheidung, was mit dem verseuchten Wasser passieren soll, könnte noch diesen Monat fallen, berichtet die japanische Nachrichtenagneutr Kyodo. Seit mehr als sieben Jahren wird diskutiert, was mit dem Wasser geschehen soll - Verdampfung des Wasser oder der Bau weiterer Tanks an einem anderen Ort waren im Gespräch.

Die Uhr tickt: Nur noch wenig Zeit

Unterdessen tickt die Uhr: täglich kommen 170 Tonnen Wasser hinzu, dass benötigt wird, um die Reaktoren zu kühlen. Spätestens im Sommer 2022 geht der Platz auf dem Gelände aus. Bis dahin muss eine Entscheidung gefällt werden. Doch selbst wenn die Entscheidung nun fällt, dauert es noch bis zu zwei Jahre, bevor das Wasser ins Meer geleitet werden darf. Dazu sind neben Baukonstruktionen auch ein Urteil der Atomaufsicht nötig.

Neben dem eingeleiteten Wasser sickert auch Grundwasser in die tiefer gelegenen Geschosse des AKW ein. Ein Teil des radioaktiv belasteten Wassers wird durch das sogeannte "Advanced Liquid Processing System" (ALPS)-System gefiltert. Das System entfernt hochradioaktive Substanzen aus dem Wasser, ist aber nicht in der Lage, Tritium herauszufiltern. Tritium ist ein radioaktives Isotop des Wasserstoffs, das Kernkraftwerke routinemäßig "verdünnen" und zusammen mit Wasser in den Ozean ablassen. Doch japanischen Medienberichten zufolge musste jüngst Betreiber Tepco die Reinigungsprozesse wiederholen, da die Radioaktivität teilweise noch über den Grenzwerten lag.

Japans Regierung befürwortet Einleiten des Wassers

Die japanische Regierung hat immer wieder angedeutet, dass sie die Entsorgung in den Pazifik als beste Möglichkeit ansieht - gegen den Widerstand von ortsansässigen Fischern, die seit Jahren für ihren guten Ruf arbeiten, damit die Menschen die Fisch aus Fukushima nicht länger verschmähen. Japans Regierung will den Fischern entgegen kommen und hat ihre Unterstützung zugesichert, sollte das verseuchte Wasser ins Meer geleitet werden.

Auch Umweltverbände übten Kritik an dem Vorhaben der Regierung. Nachbarland Südkorea verbietet dem Import von Meeresfrüchten aus der Präfektur Fukushima und hat wiederholt seine Bedenken geäußert, dass die Einleitung des radioaktiv verseuchten Wassers eine "ernsthafte Bedrohung" für das Leben im Meer darstelle. Regierungschef Yoshihide Suga erklärte, er wolle "so bald wie möglich" eine Entscheidung zu der Wasser-Problematik treffen.

Am 11. März 2011 hatte ein Erdbeben Japan erschüttert. Ein darauffolgender Tsunami überrollte den Nordosten des Landes und führte zu einem Supergau im Kernkraftwerk Fukushima-Daiichi. Es kam zu einer Kernschmelze in drei Reaktoren. Rund 160.000 Anwohner mussten die Sperrzone verlassen. Der atomare Unfall gilt als der schlimmste seit der Atomkatastrophe von Tschernobyl am 26. April 1986.