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Wer steckt sich wo mit Covid-19 an? Studie zeigt, was Lockdown bringt

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Von Kirsten Ripper mit Nature, New York Times
Restaurant in Kalifornien im Sommer 2020
Restaurant in Kalifornien im Sommer 2020   -   Copyright  Marcio Jose Sanchez/Copyright 2020 The Associated Press. All rights reserved.
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Eine Studie der Universität Standford hat die Handy-Daten von 98 Millionen Menschen in Metropolen in den USA ausgewertet, um herauszufinden, wo sich die meisten mit dem Coronavirus anstecken. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift NATURE veröffentlicht. Dabei haben die InformatikerInnen um Serina Chang und Luke Luskovec herausgefunden, dass gezielte Beschränkungen effektiver sind als generelle Lockdowns. Mit ihrem Modell, das es erlauben soll, die Wahrscheinlichkeit von Infektionen zu prognostizieren, wollen sie den Politikern Entscheidungshilfen geben.

Restaurants sind Superspreader-Orte

Die Stanford-Studie kommt zu dem Ergebnis, dass sich 8 von 10 Infizierten in Restaurants, Fitnesscentern, Cafés oder bei Veranstaltungen mit vielen Menschen in Innenräumen angesteckt haben. Die ForscherInnen sprechen von "Superspreader Orten". Untersucht wurde die Mobilität der Handy-Nutzer zwischen März und Mai 2020 in Atlanta, Chicago, Dallas, Houston, Los Angeles, Miami, New York, Philadelphia, San Francisco und Washington DC.

"Restaurants waren bei weitem die gefährlichsten Orte, etwa viermal so riskant wie Fitnessstudios und Cafés, gefolgt von Hotels", erklärt Jure Leskovec, Informatiker an der Stanford University in der New York Times.

Einschränkungen der Auslastung laut Studie effekiver als komplette Lockdowns

Die ForscherInnen haben ein Modell entwickelt, das das Risiko, sich mit dem Coronavirus zu infizieren, in Prozentzahlen vorhersagt. So würde eine Beschränkung der Gäste in Restaurants auf ein Fünftel der Kapazität die Neuinfektionen dort um 80 Prozent reduzieren, während etwa 60 Prozent der Kunden erhalten bleiben könnten.

Laut Studie ist eine Beschränkung der maximalen Auslastung an jedem sogenannten POI (place of interest) - also in Restaurants und bei Veranstaltungen - wirksamer als eine einheitliche Reduzierung der Mobilität.

Jure Leskovic meint, dass es wichtig sei, Kompromisse zu finden. "Unsere Arbeit unterstreicht, dass es bei der Umsetzung von Beschränkungen nicht alles oder nichts sein muss".

Soziale Ungleichheit bei den Infektionen

Die Studie erklärt auch, warum sich ärmere Menschen und Minderheiten häufiger mit SARS-CoV-2 anstecken - nämlich weil sozioökonomoisch benachteiligte Gruppen ihre Mobilität weniger stark einschränken konnten. Die Orte, die sie besuchen sind "überfüllter und daher riskoreicher" schreiben Chang und Leskovec.

Dabei bleibt nachzuprüfen, inwieweit die Erkenntnisse aus den USA, wo viele Benachteiligte mehrere Jobs haben, auf Europa übertragen werden können. Doch auch in europäischen Staaten stellt die Pandemie die weniger Privilegierten vor ungleich größere Probleme.

DieInformatikerInnen der Uni Stanford meinen: "Indem wir erfassen, wer an welchen Orten infiziert wurde, gibt unser Modell detaillierte Analysen, die zu wirksameren und gerechteren politischen Reaktionen auf COVID-19 führen können."