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39 "rechtswidrige Törungen" in Afghanistan: Militärbericht beschuldigt australische Soldaten

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39 "rechtswidrige Törungen" in Afghanistan: Militärbericht beschuldigt australische Soldaten
Copyright  Mick Tsikas/AP
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Australische SoldatInnen sollen bei ihrem Einsatz in Afghanistan Kriegsverbrechen an Gefangenen und ZivilistInnen begangen haben. Zu diesem Schluss kommt ein Untersuchungsbericht des australischen Miliärs. Demnach töteten Mitglieder einer Sondereinheit zwischen 2009 und 2013 mindestens 39 Menschen, der Großteil der Vebrechen fand 2012 und 2013 statt. 25 derzeitige oder ehemalige SoldatInnen seien daran beteiligt gewesen.

Der Bericht sei eine "beschämende Bilanz" einer "egozentrischen Kriegerkultur", so der Chef der Streitkräfte, Angus Campbell. So seien jüngere SoldatInnen gezwungen worden, Gefangene zu erschießen, um ihre erste Tötung im Dienst zu absolvieren. "Ich entschuldige mich im Namen der Australischen Verteidiungsstreitkraft ernsthaft und uneingeschränkt beim afghanischen Volk für jede Art von Fehlverhalten durch australische SoldatInnen", so Campbell. "Einige Truppen haben mutmaßlich eigenmächtig Regeln gebrochen, Geschichten und Lügen erfunden und Gefangene getötet."

Es sei richtig, dass die australischen Streitkräfte zur Rechenschaft gezogen würden, so der Armeechef.

Folteropfer: "Wir wollen Zeugen sein"

Für den Bericht wurden mehr als 400 ZeugInnen wie Abdul Manan angehört. Der Stammesführer aus Urusgan sagt, er wurde mehrere Male von australischen Truppen festgenommen und beschuldigt, Helfer der Taliban gewesen zu sein. "Ich wurde gefoltert", so der 58-Jährige. "Man hat mir nicht erlaubt zu schlafen. Immer wenn ich einschlief, hat mich einE SoldatIn in den Kopf getreten."

"Wir wollen ein faires Verfahren, wir wollen Zeugen sein, denn sie waren so grausam zu uns", so Abdul Malik aus Trinkot. "Wir wollen beim Prozess dabei sein."

Bericht spricht von "toxischem Konkurrenzdenken"

Im Bericht werde eine Kultur "toxischen Konkurrenzdenkens" innerhalb der Sondereinheit skizziert, die dazu geführt habe, dass einige SoldatInnen Verfahren abgekürzt, Regeln ignoriert und gebeugt hätten, sagte Campbell. Keine dieser "unrechtmäßigen Tötungen" sei "in der Hitze des Gefechts" passiert. "Jede Person, mit der während dieser Untersuchung gesprochen wurde, verstand das Kriegsvölkerrecht und die Einsatzregeln, unter denen sie im Einsatz war." Damit gebe es "glaubwürdige Informationen" zur Untermauerung der Behauptung, dass australische SoldatInnen "unrechtmäßig" getötet hätten.

Campbell sagte, einige der 25 verdächtigen SoldatInnen dienten noch immer bei den Streitkräften. Es seien auch Beweise gefunden worden, die zeigten, dass SoldatInnen versucht hätten, die Verbrechen zu vertuschen. Sie hätten Waffen, Funkgeräte und Granaten neben den Leichen afghanischer ZivilistInnen platziert, um es so aussehen zu lassen, als seien sie "im Kampf getötete Feinde".

Regierung will Sonderermittler

36 Angelegenheiten, an denen 19 SoldatInnen beteiligt gewesen sein sollen, sollen nun von der Bundespolizei und einem oder einer SonderermittlerIn untersucht werden. Zudem sollen Opfer und Angehörige entschädigt werden.