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Drama vorm Kap der guten Hoffnung: Vendée-Globe-Skipper von Konkurrent gerettet

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Drama vorm Kap der guten Hoffnung: Vendée-Globe-Skipper von Konkurrent gerettet
Copyright  JEAN-FRANCOIS MONIER/AFP
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Es ging um Leben und Tod: Der französische Einhandsegler Kevin Escoffier hat sich nach einem Wassereinbruch vor Südafrika in letzter Minute von seiner Jacht gerettet.

Bei starkem Wind und bis zu fünf Meter hohem Wellengang gelang es dem Franzosen, in eine Rettungsinsel umzusteigen. Damit war das Drama aber noch lange nicht zu Ende.

Zwar konnte sein Konkurrent Jean Le Cam kurz Sichtkontakt zu seinem Landsmann aufnehmen, doch dann brach die Dunkelheit herein. Telefonischen Kontakt zu Escoffier gab es nicht.

Die Rennleitung der Einhandregatta Vendée Globe alarmierte drei weitere Teilnehmer, darunter den Hamburger Boris Herrmann, damit sie die Region der Havarie anpeilen konnten. Auch Seenotrettungsleitstellen in Frankreich und Südafrika wurden informiert.

Schließlich gelang es Jean Le Cam im Alleingang, den nur mit seinem Überlebensanzug ausgestatteten Escoffier aus der Rettungsinsel in sein Boot zu hieven. Dies geschah gegen 2 Uhr in der Nacht zu diesem Dienstag.

Escoffier schilderte die brisante Situation im Video-Interview: "Kennt Ihr die Filme über Schiffsuntergänge? So war das, aber viel schlimmer. Innerhalb von vier Sekunden hat sich mein Boot in die Welle gebohrt und der Bug kippte um 90 Grad nach oben. Ich habe meinen Kopf eingezogen, als die Welle kam. Ich konnte noch eine SMS absetzen. Dann war die Elektronik lahmgelegt. Es war total verrückt."

Eine Rettungsaktion, die in die Geschichte der Einhandregatta Vendée Globe eingehen dürfte. Noch offen ist, wie Ex´scoffier jetzt von Bord gehen kann. Eine Möglichkeit wäre ein Zwischenstopp in Kapstadt.

Damit Le Cam durch seinen lebensrettenden Einsatz nicht ins sportliche Hintertreffen gerät, bekommen der Franzose und die anderen umdirigierten Skipper Zeitgutschriften angerechnet.

Das Schicksal von Escoffiers Jacht "PRB" dürfte auf dem Grund des Südpolarmeers besiegelt sein.

Das Drama ereignete sich wenige hundert Seemeilen südwestlich vom berüchtigten Kap der guten Hoffnung in Südafrika. Mittlerweile haben es sich die beiden Skipper an Bord von Jean Le Cams "Yes We Cam!" gemütlich gemacht. Er (Escoffier) befinde sich jetzt in guten Händen, twitterte Le Cam und veröffentlichte ein Video seines Konkurrenten, auf dem er bereits wieder lächelte.

Jean Le Cam ist kein unbeschriebenes Blatt bei der Vendée Globe. Er nimmt bereits zum fünften Mal an der Solo-Weltumseglung teil. Im Januar 2009 war er ebenfalls in der Region um Kap Hoorn schiffbrüchig geworden. Damals rettete ihn Vincent Riou aus den Wellen. Jetzt hatte Le Cam Gelegenheit, sich zu revanchieren.

Herrmann auf Platz sechs

Und sportlich? Da ist die Rangfolge durch die Rettungsversuche etwas durcheinander gewürfelt worden. Auf perfektem Kurs liegt derzeit Charlie Darlin mit seiner "Apivia". Er hat das Kap Hoorn bereits umrundet. Rund 200 Seemeilen dahinter befindet sich Thomas Ruyant auf der "LinkedOut".

Über 400 Seemeilen hinter dem Spitzenreiter ist Herrmann auf Platz sechs positioniert. Ein Katzensprung angesichts der Gesamtdistanz von über 40.000 Seemeilen. Unmittelbar hinter Herrmann liegt die Jacht von Le Cam, der nun nicht mehr allein an Bord ist.