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Nach Sex-Party: József Szájer zieht Spott auf sich und verlässt Fidesz-Partei

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Nach Sex-Party: József Szájer zieht Spott auf sich und verlässt Fidesz-Partei
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József Szájer als nacktes Legomännchen

József Szájer als nacktes Legomännchen oder als "Szájerman", der neue ungarische Superheld. Der Skandal um den ungarischen Europaabgeordneten, der nach einer Schwulen-Party in Brüssel versuchte, über eine Regenrinne abzuhauen, ist ein gefundenes Fressen für das Netz, das sich mit allerhand Memes über den konservativen Politiker lustig macht.

Die Party selbst war wegen der Corona-Auflagen in Belgien illegal. Maximal dürfen sich vier Menschen treffen, auf der Veranstaltung waren aber um die 20 Personen, dem Vernehmen nach hauptsächlich oder ausschließlich Männer. Die Polizei hatte das Fest gesprengt, nachdem sie wegen Lärmbelästigung gerufen worden war.

Regierungsnahe ungarische Medien verstecken die Causa hinter Soros

In den regierungsnahen Medien Ungarns war die ganze Sache an diesem Mittwoch eher kein großes Thema. Hier ging es wieder einmal um George Soros, den Lieblingsgegner von Regierungschef Viktor Orbán, Szájer kam nur am Rande vor.

Am Mittwochabend sprach Orbán die Sache um seinen Fidesz-Parteifreund dann an. Szájers Handeln sei inakzeptabel für die Partei. Er werde sie verlassen. Mit Blick auf den Umstand, dass Szájer zu den Gründern von Fidesz gehört, sagte Orbán aber auch, 30 Jahre Arbeit würden nicht vergessen werden.

Skandal hat besondere Bedeutung für LGBT-Gemeinschaft

Der Skandal ist insbesondere wichtig für die LGBT-Gemeinschaft. Immer wieder haben sich Szájer und andere Mitglieder der Regierungspartei abfällig über homo- oder transsexuelle Menschen geäußert.

Szájer selbst gehört zu den Verfassern der neuen Verfassung und ist unter anderem mitverantwortlich für den Abschnitt, in dem die Ehe als eine ausschließlich zwischen Mann und Frau bestehende Verbindung definiert wird. Szájer ist zwar mit der Richterin Tünde Handó verheiratet, soll aber selbst schwul sein.

Der LGBT-Aktivist Tamás Dombos sagte gegenüber Euronews: "Man kann nicht einfach Leute aus der Nation oder der Gesellschaft ausstoßen, deren sexuelle Lebensweise oder sexuelle Orientierung von der der Mehrheit abweicht. Wir hoffen, dass die Regierung realisiert, dass LGBTQI-Menschen ein integraler Bestandteil der Gesellschaft sind und sie keinen Hass gegen sie verbreiten darf."

Szájers Fidesz-Austritt ist ein weiterer Schlag für die Partei. Vor anderthalb Jahren war ihre Mitgliedschaft in der EVP suspendiert worden, dann verlor Orbán mit Peter Gottfried einen seiner wichtigsten Berater zur EU-Politik. Nun Szájer-Gate. Szájer selbst räumte die Teilnahme an der Party ein und verzichtet auf sein Mandat als EU-Abgeordneter.

Auch Diplomat aus Estland unter Gästen der Party

Inzwischen wurde auch bekannt, dass neben dem Ungarn auch ein Diplomat aus Estland an der Party teilgenommen hat. Das Außenamt in Tallinn bestätigte estnischen Medien am Mittwoch, dass der Staatsvertreter nach eigenen Angaben bei der Feier am vergangenen Freitagabend gewesen war und wegen eines Verstoßes gegen Corona-Auflagen festgenommen worden war.

Obgleich der Diplomat als Privatperson an der Versammlung teilgenommen habe, sei es "bedauerlich", dass die Person nicht die geltenden Beschränkungen in Belgien eingehalten habe, sagte Ministeriumssprecherin Aari Lemmik. Nähere Angaben zu dem Vorfall machte sie nicht.