Eilmeldung
Dieser Inhalt ist in Ihrer Region nicht verfügbar

Ungarn schließt LGBTI-Paare als Adoptiveltern aus

euronews_icons_loading
Ungarn schließt LGBTI-Paare als Adoptiveltern aus
Copyright  photo grab from euronews video
Schriftgrösse Aa Aa

Der Satz mag banal klingen, alarmiert jedoch Menschenrechtler weit über Ungarn hinaus: "Die Mutter ist eine Frau, der Vater ist ein Mann" soll dort künftig in der Verfassung stehen, die ungarische Justizministerin hat eine Änderung der Verfassung eingeleitet.

Adoptionswünsche gleichgeschlechtlicher Paare würden dadurch erschwert, wenn nicht unmöglich.

Andrew zum Beispiel ist 4 Jahre alt und wurde vor zwei Jahren von seinen Pflegeeltern - Márton und Ádám - adoptiert. Sie befürchten, dass das mit ihrem zweiten Kind schwieriger wird - wenn sie überhaupt die Möglichkeit bekommen, eines zu adoptieren.

Ádám, Adoptivvater von Andrew:

"Das Thema sticht in der öffentlichen Diskussion bereits so raus. Jedes Mal, wenn man den Fernseher einschaltet, hört man, dass wir keine gute Familie sind und es nicht verdienen, so glücklich zu leben, wie wir es jetzt tun."

Der Kanzleramtsminister begründete den in der Nacht des beginnenden Corona-Ausnahmezustands vorgelegten Änderungsantrag mit der Erhaltung der körperlichen und geistigen Entwicklung der Kinder. Adoptieren sollen damit hauptsächlich verheiratete Paare unterschiedlichen Geschlechts.

Gergely Gulyás, Kanzleramtsminister:

„Im Allgemeinen wird die körperliche und geistige Entwicklung eines Kindes durch die Tatsache gefördert, dass es eine Mutter und einen Vater hat - aber es kann Ausnahmefälle geben. Ich meine, das ist eine vernünftige Regelung im besten Interesse des Kindes. “

Die Mutter ist eine Frau, der Vater ein Mann
Ungerns Verfassung
nach geplanter Änderung

Andrews Eltern fühlen sich wie in einer parallelen Wirklichkeit: Sie kennen keine Ablehnung in ihrem Umfeld.

Márton, Adoptivvater von Andrew:

"Freunde, Nachbarn, Familie, selbst rund um das Haus auf dem Land, akzeptieren uns sehr und jeder kennt unsere Geschichte, obwohl wir nie eine große Sache daraus gemacht haben."

Laut Vertretern der LGBT-Vereinigung ergreift die Regierung diskriminierende Maßnahmen, indem sie die Gleichbehandlungsbehörde abschafft, das Adoptionsgesetz ändert und die Verfassung.

Die Menschenrechtskommissarin des Europarats, Dunja Mijatovic, hat sich aus dem Anlass besorgt über die Lage von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender und intergeschlechtlichen Menschen (LGBTI) in Ungarn gezeigt. Als Beispiel nannte sie das Gesetzesvorhaben, mit dem die Adoption von Kindern durch Singles und gleichgeschlechtliche Paare nur noch mit Ausnahmegenehmigung möglich wäre.

Tamás Dombos, LGBT-Vereinigung:

"Was dies genau in der Praxis bedeutet, ist nicht vollständig klar, aber wenn den Satz in Verbindung mit den vorgeschlagenen Adoptionsregeln liest, geht es darum, dass Menschen gleichen Geschlechts unter keinen Umständen in Ungarn adoptieren können."

Schwule Paare wie Márton und Adam konnten sich bisher als alleinerziehende Adoptiveltern bewerben. Laut dem Änderungsantrag kann der "Minister für Familienangelegenheiten" die Eignung feststellen, wenn jemand als Einzelperson adoptieren möchte.

Die Familienministerin Katalin Novák erklärte in einem Facebook-Beitrag, Ziel sei, dass alle Kinder in einer Familie aufwachsen, die geplanten Änderungen sollten die Interessen der Kinder wahren:

„Ein kleiner Junge muss in Ungarn das Recht haben, als Junge aufzuwachsen und ein kleines Mädchen als Mädchen. Das ist heute notwendig geworden. “

Olivia Harangozó, Euronews:

„Da es bei diesem Thema um elementare Menschenrechte geht, muss die Verfassung geändert werden. Dies erfordert eine Zweidrittelmehrheit im Parlament - was in den letzten zehn Jahren eher eine Formalität war, da die Vertreter der Regierungsparteien die verfassungsändernde Mehrheit im Parlament haben - und davon, wenn erforderlich, auch Gebrauch machten.“

Olivia Harangozó, su mit dpa