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Mo Ibrahim: "Niemand kann die Pandemie allein bezwingen"

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Mo Ibrahim: "Niemand kann die Pandemie allein bezwingen"
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An diesem Mittwoch kommen die Spitzen der EU und der Afrikanischen Union zu einer Videokonferenz zusammen. Dabei geht es vor allem um Covid-19-Impfungen und eine Reduzierung der öffentlichen Schulden afrikanischer Staaten. Die Videokonferenz dient der Fortführung des Dialogs und der Vorbereitung des Gipfeltreffens der Staats- und Regierungschefs beider Organisationen, das wegen der Pandemie auf das kommende Jahr verschoben wurde. Euronews sprach darüber mit dem Unternehmer, Philanthropen und Präsidenten der gleichnamigen Stiftung, Mo Ibrahim.

Ibrahim: Covid ist eine globale Pandemie, und niemand kann sie allein bezwingen. Wir brauchen einen globalen Sieg über Covid. Wenn die Krankheit nicht in Afrika verschwindet, verschwindet sie auch nicht in Europa.

Euronews: Mit Blick auf die sozialen und wirtschaftlichen Folgen der Pandemie in Afrika, welche europäischen Finanzmaßnahmen würden am besten helfen?

Ibrahim: Die afrikanischen Schulden beliefen sich 2020 auf 44 Milliarden Dollar. Wir hatten ein Moratorium von einigen Monaten, aber wir brauchen ein Moratorium bis 2021 oder 2022. Ein Teil der Finanzhilfen sollte eingesetzt werden, um das Risiko von Investitionen zu managen - das könnte einen ungeahnten Effekt haben.

Euronews: Die EU sieht im Grünen Umweltpakt und der digitalen Agenda Säulen für den eigenen Aufschwung und will in diesen Bereichen Partnerschaften mit Afrika. Was sind Ihre Erwartungen?

Ibrahim: Es ist wichtig, die Energieversorgung in Afrika zu entwickeln. Etwa die Hälfte der Bevölkerung hat keinen Strom. Man kann aber keine Wirtschaft und keine stabile Gesellschaft schaffen ohne Elektrizität. Dann muss das afrikanische Bildungssystem verbessert werden, denn es sind die jungen Menschen, die für die Jobs des 21. Jahrhunderts fit gemacht werden müssen.

Euronews: Der Vorschlag für den neuen EU-Migrations- und Asylpakt sieht ein Gleichgewicht zwischen legaler Einwanderung und der Rückführung abgelehnter Bewerber vor. Sehen Sie darin eine Respektierung der Menschenrechte und der afrikanischen Interessen?

Ibrahim: Migranten aus Afrika machen nicht einmal als 14 Prozent aller Flüchtlinge auf der Welt aus. Wenn wir den Menschen Chancen bieten dort wo sie sind, dann werden die Menschen auch dort bleiben. Dies ist wirklich entscheidend, um Konflikte zu beenden. Und deswegen ist es wichtig, dass sich die afrikanischen Regierungen darauf verständigen. Wir brauchen Frieden.

Das Gespräch führte Isabel Marques da Silva

Journalist • Stefan Grobe