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"Women20": Warum die Coronakrise für Frauen in Italien schlimmer ist

Von Giorgia Orlandi  & Euronews
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Auftaktveranstaltung der W20 in Rom
Auftaktveranstaltung der W20 in Rom   -   Copyright  Giorgia Orlandi, euronews
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Mehr Geschlechtergerechtigkeit - das ist das Hauptziel von "Women20", einer Dialoggruppe der G20-Länder. Im Jahr 2021 hat Italien den Vorsitz, was ein glücklicher Zufall ist. Denn durch die Corona-Pandemie haben in dem südeuropäischen Land viele Frauen ihren Job verloren.

In der Hauptstadt Rom findet die Auftaktveranstaltung der W20 statt. Die Vorsitzende und Direktorin des nationalen Statistik-Instituts Linda Laura Sabbadini erklärt, wie wichtig Zahlen sind: "So etwas gab es in der Vergangenheit noch nicht. In früheren Krisen war vor allem der Industrie-Sektor betroffen, wo überwiegend Männer tätig sind. Jetzt sind andere Bereiche betroffen, wie etwa der Tourismus, die Gastronomie, aber auch das Hotelgewerbe. Hier sind viele Frauen tätig. Sie haben meist keine sicheren Arbeitsverträge."

Italien hat besonders stark mit der Pandemie zu kämpfen. In Geschlechterfragen müsse jetzt unbedingt etwas getan werden, denn hier ist das Land Schlusslicht in Europa, sagt Beraterin Martina Rogato: "In Italien ist die Arbeitslosenquote sehr hoch, besonders bei jungen Frauen. Unter den Folgen der Pandemie leiden Frauen am meisten. Wir versprechen uns davon jetzt einen positiven Effekt für die angespannte Situation."

Die W20 widmet sich in diesem Jahr der Gewalt gegen Frauen und der Förderung von mehr Nachhaltigkeit.

Wenn wir die Krise in den Griff kriegen wollen, müssen wir anfangen, das richtige Mittel zu finden. Die Pandemie fällt in eine Zeit des technologischen Wandels, der die Zukunft der Arbeit verändern wird, aber auch in die Zeit der Klimakrise. Wir müssen also die richtige Strategie in Bezug auf diese drei Aspekte finden.
Linda Laura Sabbadini
W20-Vorsitzende

In Italien sind Frauen auf politischer Ebene stark unterrepräsentiert. Eine Gruppe, die sich "Die Hälfte davon" nennt, schrieb einen offenen Brief an die Regierung des damaligen Präsidenten Giuseppe Conte. Ihre Forderung: mehr Frauen in den Entscheidungsprozess bei der Ausgabe von EU-Geldern einzubeziehen.

Francesca Bettio von der Denkfabrik "Ingenere" und Professorin für politische Ökonomie an der Universität Siena will, dass die Regierung endlich konkrete Schritte unternimmt: "Priorität sollte sein, die geringe Beschäftigungsquote von Frauen anzugehen. Das ist natürlich nicht das einzige Problem, aber klar ist, dass die Verbesserung der Arbeitssituation enorme Bedeutung hat, wenn es darum geht, das Land wirtschaftlich wieder stabiler zu gestalten."

Die Diskussion über die Gleichstellung der Geschlechter geht weiter. Gleichzeitig ist die Botschaft, die immer mehr Frauen, einschließlich der W20-Gruppe, vermitteln wollen, klar: In einer Welt, in der Frauen die Hälfte der Bevölkerung ausmachen, ist es an der Zeit, ihnen endlich mehr Entscheidungsgewalt zu geben.