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Wer ist umstrittener Mediziner Stöcker, der "beste Impfung gegen Covid-19" getestet haben will?

Impfzentrum in Hamburg
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Auf seinem Blog pestet Dr. Winfried Stöcker gegen Politiker:innen und Pharmakonzerne - und er lobt seine eigene Errungenschaft. So schreibt der 74-jährige Mediziner, er habe den "besten Impfstoff gegen Covid-19" entwickelt. Diesen hat er bereits im Frühjahr 2020 in der Nähe von Lübeck an sich selbst und dann auch an seiner Familie ausprobiert - seinen Berichten nach mit Erfolg.

Anders als die bereits zugelassenen mRNA-Impfstoffe wie BioNTech-Pfizer und Moderna nutzt Winfried Stöcker, Gründer des Unternehmens EUROIMMUN Medizinische Labordiagnostika AG, ein technisch hergestelltes Antigen, er spricht von einem Totimpfstoff.

Laut einem Artikel im SPIEGEL ermittelt jetzt das Landeskriminalamt Schleswig-Holstein gegen den Labormediziner wegen der Tests an dessen Familie.

Auf seiner Internetseite schreibt Stöcker in einem Artikel vom 5. Februar 2021, er habe seinen Impfstoff dem Paul-Ehrlich-Institut angeboten: "Ich habe das Paul-Ehrlich-Institut um die Genehmigung gebeten, diese bagatellartige Immunisierung umgehend mit einer größeren Zahl Freiwilliger nachvollziehen zu dürfen, um festzustellen, ob sie ebenso gut funktioniert wie bei mir und meiner Familie. (...) Anstelle auf meinen Vorschlag einzugehen, hat mich das Paul-Ehrlich-Institut kaltschnäuzig verklagt. Vielleicht weil man sich in seiner göttlichen Funktion übergangen fühlte – ich hatte ja bereits einen Versuch bei fünf (!) Personen durchgeführt."

Auch an die Virologen Christian Drosten und Hendrik Streeck hat Winfried Stöcker seinen Impfstoff geschickt - seinen Aussagen zufolge hätten sie die Wirksamkeit bestätigt.

Seit Wochen versucht der Unternehmer, seinen Impfstoff der Öffentlichtkeit zur Verfügung zu stellen. Stöcker schreibt: "Die Not rechtfertigt unkonventionelle Mittel – bei dieser Pandemie kann man nicht zwei Jahre warten, bis wie bei anderen Impfstoffen letzte Zweifel über mögliche Nebenwirkungen beseitigt sind, sondern hier muss schnell gehandelt werden. In diesem Punkte muss man dem Paul-Ehrlich-Institut völliges Versagen vorwerfen."

In Sachsen ist Stöcker auch als Besitzer des Görlitzer Kaufhauses bekannt, in dem 2014 der Film "Grand Budapest Hotel" gedreht wurde.

Im Gespräch mit Nordbayern.de hatte der unkonventionelle Mediziner seine Selbstversuche mit Spritzen in den Oberschenkel geschildert. Dabei präsentierte er sich auch mit einer elastischen Binde plus Pflaster um Mund und Nase statt Maske.

In die Kritik geraten war Winfried Stöcker wegen seiner hetzerischen Aussagen gegen Angela Merkel, gegen Geflüchtete und gegen die MeToo-Bewegung. Die Lübecker Bürgerschaft beschloss deshalb 2018, keine Spenden des Unternehmers mehr anzunehmen.