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Künstliche Intelligenz im Gesundheitswesen: Mehr handeln statt behandelt werden

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Loubna Bouarfa
Loubna Bouarfa   -   Copyright  euronews
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Es kommt nicht oft vor, dass man einen Mensch trifft, dessen Ausstrahlung den ganzen Raum erfüllt. Und jetzt stellen Sie sich vor, wie es ist, wenn die Ausstrahlung dieses Menschen auch aus der Ferne wirkt, wenn diese Person hunderte Kilometer entfernt ist und sich in einem anderen Land befindet. So fühlte es sich an, als ich mit Dr. Loubna Bouarfa sprach. Bouarfa ist die Chefin des Unternehmens Okra, das sich mit künstlicher Intelligenz im Gesundheitswesen befasst.

Regeln und Normen, welche die Gesellschaft uns auferlegt, sind nur allgemeine Wahrnehmungen
Loubna Bouarfa
Expertin für Künstliche Intelligenz im Gesundheitswesen und Chefin von Okra

Die Reisebeschränkungen aufgrund der Coronavirus-Pandemie hatten zur Folge, dass ich nicht nach Großbritannien reisen konnte, um persönlich mit ihr zu sprechen. Aber per E-Mail und sozialen Medien bereiteten wir alles vor. Als der Tag unseres Gesprächs gekommen war, für das Bouarfa von Cambridge nach London gefahren war und ich im Studio in Lyon bereit war, hatte ich den Eindruck, als würde ich mit einer langjährigen Freundin plaudern.

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Gespräch zwischen Isabelle Kumar und Loubna Bouarfaeuronews

Ein Teil der Erklärung dafür, dass wir uns gleich gut verstanden, war das erste Gespräch, das wir über künstliche Intelligenz führten. Ich frage sie, was sie inspiriere. Ihre Antwort war überraschend, sorgte aber auch gleich für eine Verbindung. Ihr jüngerer Bruder ist wie mein Sohn autistisch. Ihre Worte berührten mich. Während des Gesprächs erzählte sie mir, dass das Aufwachsen mit ihrem Bruder ihr bei der Erkenntnis geholfen habe, „dass Regeln und Normen, welche die Gesellschaft uns auferlegt, nur allgemeine Wahrnehmungen sind und nicht die gesamte Lebensvielfalt umfassen. Meine Faszination für künstliche Intelligenz rührt daher", so Bouarfa.

Vorsorgemöglichkeiten in der Medizin erhöhen

Künstliche Intelligenz ist eine Technologie, die nicht an Regeln gebunden ist, sondern „sie ahmt die Lernweise des Menschen durch Beobachtung nach, passt sich an und lernt von ihrer Umgebung", sagte sie. Wenn künstliche Intelligenz in das Gesundheitswesen eingegliedert werden würde, würde das die Vorsorgemöglichkeiten in der Medizin erhöhen, erläuterte Bouarfa. „Also muss man nicht darauf warten, dass Menschen krank werden. Unser Gesundheitswesen könnte mit künstlicher Intelligenz mehr aus sich heraus handeln und diese Daten einsetzen, um Patientenempfehlungen auszusprechen und für ihre Gesundheit zu sorgen", sagte sie.

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Loubna Bouarfaeuronews

Aufwachsen mit Algorithmen

Loubna Bouarfa hat für uns in die Zukunft geschaut und erläuterte, wie das künftige Gesundheitswesen aussehen könnte. „Wir schreiben das Jahr 2050, und ein Mensch kommt zur Welt", erläuterte sie. „Sobald der Säugling da ist, werden Routineuntersuchungen durchgeführt. Stellen Sie sich vor, dass eine ernsthafte genetische Veränderung vorliegt. Wenn diese erkannt wird, wird Alarm ausgelöst. Die Eltern werden über die folgenden Vorgänge und die Pflege, die sie ihrem Kind zukommen lassen müssen, in Kenntnis gesetzt. Stellen Sie sich vor, dass das Kind gut aufwächst und die Algorithmen, die alles überwachen, keine Schwierigkeiten anzeigen. Es besteht für viele Krankheiten keine Gefahr. Aber eines Tages springt die Ampel auf orange oder rot, es wird Lungenkrebsgefahr angezeigt. Dann geht ein Schreiben ein, in dem es heißt, dass eine Vorsorgeuntersuchung durchgeführt werden muss. Sobald die gemacht wurde, werden andere Algorithmen einschätzen, ob das Untersuchungsergebnis positiv oder negativ ausgefallen ist. Ist es positiv, kommt der Arzt zum Zuge, denn man will nicht, dass der Algorithmus einem Patienten einen Krebsbefund mitteilt. Es braucht den Menschen, um diese moralischen Werte zu übertragen. Während der Arzt das tut, laufen im Hintergrund Algorithmen und berechnen, was die beste Behandlung für diesen Patienten ist. Und nach der Behandlung laufen immer noch Algorithmen, die vorhersagen, ob es einen Rückfall gibt. Der ganze Vorgang wird automatisiert", so Bouarfa.

Künstliche Intelligenz vielfältiger und noch schöner machen
Loubna Bouarfa
Expertin für Künstliche Intelligenz im Gesundheitswesen und Chefin von Okra

Aus der Sicht Loubna Bouarfas ist künstliche Intelligenz nicht nur etwas für Technikfreunde. „Folgen Sie Ihrer Leidenschaft, das kann Ihre Laufbahn im Bereich künstlicher Intelligenz leiten, denn wir brauchen alle genialen Köpfe und Fachleute, die ihre Werte einbringen und künstliche Intelligenz vielfältiger und noch schöner machen", sagte sie.