Eilmeldung
Dieser Inhalt ist in Ihrer Region nicht verfügbar

Historischer Wendepunkt? Biden spricht von Völkermord

euronews_icons_loading
Historischer Wendepunkt? Biden spricht von Völkermord
Copyright  Davit Abrahamyan/PAN Photo
Schriftgrösse Aa Aa

Bereits als Präsidentschaftskandidat hatte Joe Biden beim Gedenktag vor einem Jahr vom "Genozid an den Armeniern gesprochen und eine Anerkennung als solchen angekündigt.

Nun hat Biden das Versprechen wahr gemacht - allen Warnungen der Türkei zum Trotz - und als erster US-Präsident das Massaker an der armenischen Bevölkerung im Osmanischen Reich als Völkermord bezeichnet.

In einer vom Weißen Haus verbreiteten Mitteilung Bidens zum Gedenktag an diesem Samstag hieß es, man gedenke all derer, die beim Völkermord an den Armeniern ums Leben kamen und verpflichte sich zu verhindern, dass sich eine solche Gräueltat jemals wiederhole.

Die Antwort aus Ankara kam prompt. Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu sagte, sein Land weise diese Einstufung vollständig zurück. Die Türkei habe sich von niemandem über ihre Geschichte belehren zu lassen. Auch der Sprecher des türkischen Präsidenten Erdogan verurteilte die Erklärung scharf und empfahl den USA, auf ihre eigene Geschichte und Gegenwart zu schauen.

"Mächtiger Schritt auf dem Weg der Wahrheit"

Spürbar war hingegen die Erleichterung auf armenischer Seite am Tag des Gedenkens in Jerewan. Für viele ein historischer Wendepunkt.

Drauf habe man seit Jahren gewartet, schon lange vor Biden, sagt diese Frau. Viele hätten Versprechungen gemacht, Trump und seine Vorgänger. Sie denke, dass dies der Türkei Angst machen werde, weil früher oder später alle anderen Länder darüber nachdenken und nachziehen würden.

Armeniens Regierungschef Nikol Paschinjan begrüßte Bidens Worte und sprach von einem mächtigen Schritt auf dem Weg der Wahrheit und der historischen Gerechtigkeit sowie von einer "unschätzbaren Unterstützung für die Nachkommen der Opfer des Völkermords".

Während des Ersten Weltkrieges waren Armenier systematisch verfolgt worden. Schätzungen zufolge kamen 1915/1916 im damaligen Osmanischen Reich bis zu 1,5 Millionen Armenier ums Leben.

Nicht nur Armenien, sondern auch in Frankreich und anderen Ländern gab es an diesem Samstag Gedenkveranstaltungen.