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Dramatische Corona-Lage in Indien: Wie konnte es so weit kommen?

Krankentransport in Mumbai
Krankentransport in Mumbai Copyright Rafiq Maqbool/ Associated Press
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Von Rachael Kennedy
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Indien meldet seit Tagen über 300.000 tägliche Neuinfektionen. Dabei sah es noch zu Beginn des Jahres so aus, als sei die Pandemie unter Kontrolle.

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Täglich über 300.000 Neuinfektionen: In keinem Land auf der Welt infizieren sich derzeit so viele Menschen mit dem Coronavirus wie in Indien. In der vergangenen Woche überschritt die Zahl der täglichen Fälle die 300.000er-Marke. Zuletzt wurden 323.144 neue Fälle und 2772 Tote gemeldet. Am Montag waren es sogar fast 353.000. ExpertInnen gehen davon aus, dass die Dunkelziffer bei den Infektionen und Corona-Toten höher liegt.

ÄrztInnen in der am schlimmsten betroffenen Stadt Neu-Delhi beschrieben, wie PatientInnen in kritischem Zustand auf der Straße starben, weil es an Krankenhausbetten oder medizinischem Sauerstoff fehlte. Die WHO nannte die Situation in dem 1,3-Milliarden-EinwohnerInnen-Land "mehr als herzzerreißend".

Virologe: Indien hat sich "zu früh gefreut"

Wie konnte es zu dieser Situation kommen? Noch zu Beginn des Jahres schien sich die Pandemie-Lage in Indien zu bessern. "Indien hat sich nach Monaten mit sinkenden Infektionszahlen und einer hohen Impfkapazität zu früh gefreut", so der Virologe Shahid Jameel gegenüber euronews. "Wir wurden unvorbereitet getroffen."

Für die drastische Verschlechterung der Lage sieht der Direktor der "Trivedi School of Biosciences" an der privaten Ashoka Universität in Sonipat mehrere Gründe: Nachlässigkeit auf individueller und öffentlicher Ebene, Virusmutationen und große Veranstaltungen, bei denen das Virus verbreitet wurde.

Die Virusmutationen könnten sogar bereits immunisierte Menschen bedrohen. Bei den Varianten handelt es sich um die britische Variante B.1.1.7. und die indische Variante B.1.617. Bei letzterer ist derzeit noch nicht bekannt, ob sie auch für Geimpfte oder Genese ansteckend ist.

Zu den Spreader-Events zählt Jameel Hochzeiten, Cricket-Spiele, Wahlen in Bundesstaaten und religiöse Festivals. So versammelten sich seit März Millionen Hindus in und am Ganges um Kumbh Mela zu feiern. Selten wurde dabei Abstand gehalten und Maske getragen.

Pandemielage könnte sich noch verschlimmern

Jameel und andere ExpertInnen gehen davon aus, dass Indien das Schlimmste noch bevor steht. Im Mai könnten die Zahl der täglichen Neuinfektionen auf zwischen 500.000 und 900.000 steigen. "Am schlimmsten ist, dass das Gesundheitssystem überfordert ist", so der Virologe. "Es gibt zu wenig Krankenhausbetten, Sauerstoff, Intensivbetten und vor allem Pflegepersonal." Das führe zu höheren Todeszahlen.

Die Lösung seien neben Impfungen lokale Lockdowns und das Halten an die Hygieneregeln, so Jameel. In einem bevölkerungsreichen Land wie Indien seien diese Maßnahmen jedoch schwer durchzusetzen.

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