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Doppel-Mutante B.1.617 aus Indien: Lauterbach warnt vor Katastrophe

Hunderte Wanderarbeiter warten an einem Busbahnhof auf die Abfahrt in ihre Dörfer, in Neu-Delhi, Indien, Montag, 19. April 2021.
Hunderte Wanderarbeiter warten an einem Busbahnhof auf die Abfahrt in ihre Dörfer, in Neu-Delhi, Indien, Montag, 19. April 2021.   -   Copyright  AP/Copyright 2021 The Associated Press. All rights reserved.
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In Indien sind die Corona-Fallzahlen in den vergangenen Tagen explodiert, mit mehr als 200.000 registrierten Neuinfektionen pro Tag. Verantwortlich dafür ist unter anderem die Ausbreitung der Virus-Variante B.1.617, aber auch Massenveranstaltungen und eine verbreitete Sorglosigkeit.

Indien hat den sechsten Tag in Folge mehr als 200.000 Corona-Neuinfektionen registriert. In dem Land mit mehr als 1,3 Milliarden Einwohner:innen wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums binnen 24 Stunden insgesamt 259.000 neue Corona-Fälle erfasst. Zudem starben an einem Tag 1.761 Menschen im Zusammenhang mit Covid-19.

In sozialen Netzwerken suchen Menschen verzweifelt nach Krankenhausbetten

Zuletzt gab es viel Betrieb an Bahnhöfen und Busstationen der Hauptstadt Neu Delhi. Wanderarbeiter:innen wollen von dort in ihre Dörfer zurückkehren. In Neu Delhi gilt diese Woche eine Ausgangssperre. Dort und auch in anderen Teilen des Landes ist das Gesundheitssystem am Limit.

In sozialen Netzwerken suchen Menschen verzweifelt nach Krankenhausbetten, medizinischem Sauerstoff, Arzneimitteln und Plasma von Genesenen. Aus mehreren Gebieten gibt es Berichte, wonach Krematorien überlastet sind. Am Montagabend hatte die Regierung angekündet, dass sich ab Mai alle Menschen ab 18 Jahren impfen lassen können. Allerdings ist der Impfstoff weiterhin knapp.

Indische Doppel-Mutante B.1.617: Lauterbach warnt vor „Covid-Katastrophe“

Verantwortlich für die starke Ausbreitung des Coronavirus in Indien ist wohl unter anderem die Virus-Variante B.1.617. Das indische Gesundheitsministerium hatte Ende März über die sogenannte Doppelmutante berichtet.

Das mutierte Virus aus Indien trägt zwei Mutationen an einem Oberflächenprotein, erklärt das Robert-Koch-Institut (RKI). Diese zwei Mutationen seien von anderen unter Beobachtung stehenden Linien bekannt. Beide würden „mit einer reduzierten Neutralisierbarkeit durch Antikörper oder T-Zellen in Verbindung gebracht, deren Umfang nicht eindeutig ist“.

Das heißt, dass Geimpfte und Genesene möglicherweise vor einer Ansteckung mit dieser Variante weniger gut geschützt sein könnten.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO), das Robert Koch-Institut (RKI) und andere Experten bewerten die Variante B.1.617 derzeit noch zurückhaltend, die Variante stehe unter Beobachtung - als "Variant of Interest", sagt die WHO. Als "besorgniserregend" gilt eine Variante laut WHO, wenn bekannt ist, dass sie sich leichter ausbreitet, schwerere Krankheiten verursacht, dem Immunsystem entgeht, das klinische Erscheinungsbild verändert oder die Wirksamkeit der bekannten Instrumente verringert.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnt hinsichtlich einer Ausbreitung der Variante B.1.617 vor einer „Covid-Katastrophe“:

Länder raten von Reisen nach Indien ab

Das US-amerikanische Centers for Disease Control and Prevention hat seinen Bürger:innen von Reisen nach Indien abgeraten - selbst wenn sie ganz geimpft sind. Hongkong hat ab Dienstag alle Flüge aus Indien für zwei Wochen gestrichen, nachdem inzwischen mindestens 49 Passagiere von einem Flug von Neu Delhi nach Hongkong am 4. April positiv auf das Virus getestet worden sind.

Die Coronazahlen nehmen in Indien seit Wochen immer schneller zu. Auch eine verbreitete Sorglosigkeit sehen Experten als einen Grund dafür. Hinzu kommen Massenveranstaltungen für anstehende Regionalwahlen, bei denen Menschen keine Masken tragen und keinen Abstand halten. Weitere Infektionstreiber sind religiöse Feste sowie Virusmutationen.

In absoluten Zahlen ist Indien mit mehr als 15 Millionen erfassten Infektionen nach den USA am schlimmsten von der Pandemie betroffen. Mehr als 180.000 Menschen starben in Verbindung mit dem Coronavirus.