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Italien lockerer: "Es ist wie der erste Schultag"

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Italien lockerer: "Es ist wie der erste Schultag"
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Italien hat Anfang der Woche begonnen, die Corona-Sperren zu lockern. In mehr als der Hälfte der 20 Regionen Italiens, die als „gelbe Zonen“ mit geringerem Risiko eingestuft sind, dürfen Restaurants und Bars mittags und abends Gäste bedienen, an Tischen im Freien.

Pünktlich zur Ausgangssperre um 22.00 Uhr muss alles wieder zu sein.

Nicht wesentliche Reisen zwischen gelben Zonen sind wieder möglich.

Kunstgalerien und Museen dürfen öffnen. Zum ersten Mal seit 6 Monaten können Kinos und Theater in Innenräumen mit begrenzter Kapazität ihr Programm zeigen.

DRAUSSEN ODER GAR NICHT

Tische im Freien lohnen sich, nicht nur wegen des guten Wetters. Nur Restaurants mit Terrassen dürfen öffnen.

Obwohl Leonardos Trattoria am ersten Tag nicht voll ausgelastet war, spricht er von einem Erfolg. Die Lage abseits der üblichen Touristen-Trampelpfade Roms habe sein Geschäft vor dem Scheitern bewahrt.

Leonardo Starace, Manager “Trattoria Oio”:

„Wenn nicht all die Stamm-Kunden gewesen wären, die seit Jahren hierher kommen und uns schon sehr lange kennen, hätten wir es nicht geschafft...und würden wir immer noch auf Touristen warten… Glück gehabt!"

Und die Stammkunden freuen sich, wieder bei ihm einzukehren, obwohl sie gewisse Bedenken nicht verbergen können.

Stefano Pappa, Restaurantkunde:

„Wir fürchten, Restaurants könnten wieder schließen, und das macht uns Sorgen. Es geht nicht nur um uns Kunden. Es ist auch für die Betreiber sehr stressig, sie geraten in Panik."

Und viele Bar-Manager sind überzeugt, dass manche Beriebe in der Krise schlechter wegkommen als andere.

Melissa Massetti, Manager “Bar Bellone”:

„Ich sympathisiere mit meinen Kollegen, ich habe bei ihren jüngsten Protesten mitgemacht. Obwohl ich hier eine Terrasse habe, sind meine Gedanken bei denen, die ihre Läden nicht wieder aufmachen konnten oder die keinen Essbereich im Freien einrichten konnten, weil das zu teuer ist."

Ob nun zum Mittagessen oder nur als Ausrede zum Ausgehen, viele Italiener möchten die Gelegenheit nicht verpassen.

Angesichts der Touristen-Flaute haben die Betriebe im historischen Zentrum der Hauptstadt am meisten zu kämpfen. Einige sind noch zu.

Giorgia Orlandi, Euronews:

„Wenn man raus kann, um etwas zu trinken und unter Leuten ist, hat man das Gefühl, dass sich das Leben normalisiert. Die Wiedereröffnung von Theatern und Kinos nach all diesen Monaten spielt dabei eine entscheidende Rolle.“

Von der ersten Vorstellung in diesem Kino in Rom wurden allerdings nur 30 Plätze verkauft – von 150. Viele meinen, weil viele Leute noch nicht voll geimpft sind. Wer gekommen ist, freut sich nach eigenen Angaben riesig.

Ich könnte heulen, so viele Gefühle löst das aus
Elena Catozzi
Kinofan

Elena Catozzi, Kinofan:

“Ich könnte heulen, so viele Gefühle löst das aus. Das war eine so schwere Zeit für mich und all die Leute, die Woche für Woche im Kino waren. Es ist wie der erste Schultag nach den Ferien, aber ohne Angst. Wir sind einfach nur happy.“

Für den Betreiber des Familien-Kinos geht es auch darum, die kulturelle Kluft zu schließen, die die Pandemie aufgerissen hat.

Fabio Amadei, Kinobetreiber “Farnese”:

“Kinos, Theater und Konzertsäle leisten alle ihren Beitrag und können nicht abgehängt werden. Wir müssen weiter darüber sprechen und hart arbeiten.“

Ob und wie die Impfkampagne wirkt, ist noch´ nicht greifbar. Als die schrittweise Lockerung angekündigt wurde, sprach Italiens Gesundheitsminister von einem „kalkulierten Risiko“. Aber diesmal hoffen die Italiener, dass sie aus dem Gröbsten raus sind – ohne Rückfahrkarte.

GELB, ORANGE, ROT

Im Zonen-System teilt Italien die 20 Regionen des Landes je nach Inzidenz-Werten in vier Risikozonen ein ("reisereporter.de"). Auf der Webseite des italienischen Gesundheitsministeriums zeigt eine Karte die Einteilung der Regionen.

Rot: Es gelten Ausgangssperren. Die Wohnung darf nur aus beruflichen oder gesundheitlichen Gründen verlassen werden. Ein- und Ausreise sind grundsätzlich verboten. Es herrscht ein touristisches Beherbergungsverbot. Gastronomie und Geschäfte, die keine lebenswichtigen Produkte anbieten, haben zu.

Orange: Bürger sollen zuhause bleiben, Ausgangssperre nachts. To-Go-Verkäufe sind erlaubt.

Gelb: Gastronomie darf von 5 bis 18 Uhr öffnen – bis 22 Uhr To-Go-Verkäufe. Museen dürfen von Montag bis Freitag öffnen.

Weiß: Fast keine Beschränkungen.

Giorgia Orlandi, su