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Piksen im Stadion im 6-Minuten-Takt: "Wir impfen hier 3.900 Leute pro Tag"

Impfen statt Fußball im Stadion in Lyon
Impfen statt Fußball im Stadion in Lyon   -   Copyright  Euronews
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Am mulmigsten habe ich mich in der U-Bahn gefühlt, denn eigentlich bin ich in Lyon seit Beginn der Corona-Pandemie fast nur mit dem Fahrrad oder zu Fuß unterwegs. Aber das Impfzentrum im Groupama Stadion, dem Fußball-Tempel von Olympique Lyonnais, liegt etwa 12 Kilometer außerhalb der Stadt - direkt an der Autobahn. In der Metro ist es teilweise richtig voll. Und dann war da dieser etwa 20-Jährige, der sich laufend mit beiden Händen die Haare nach hinten gekämmt hat - er hatte gar keine Maske auf. Vielleicht sogar gar keine dabei. Zwei junge Frauen trugen den Mund-Nasen-Schutz nur über dem Mund - nicht über der Nase. Alle anderen hatten brav ihre Masken auf, denn in Frankreich sind die in allen öffentlichen Verkehrsmitteln Pflicht - schon seit einem Jahr.

Impfen statt Fußball - BioNTech im Stadion des Olympique Lyon

Entspannter war es dann in der fast leeren Tram, die zum Stadion führt. An der Endstation gibt es erst mal keinen Hinweis darauf, wo es zum Impfen geht. Mit fünf anderen Impfwilligen gehe ich auf Erkundungstour - ein paar hundert Meter in die falsche Richtung -, bis wir auf einen jungen Mann stoßen, der weiß, wo der Eingang zum Impfzentrum ist. Gegenüber vom Parkplatz, die meisten Leute kommen mit dem Auto, einige ganz sportlich mit dem Fahrrad, andere mit dem Motorrad. Eigentlich werden zur Zeit in Frankreich vor allem Menschen geimpft, die über 50 Jahre alt sind oder vorerkrankt oder die in besonderen Berufen arbeiten - alle Jüngeren können sich für Restbestände anmelden. Viele Euronews-Journalist:innen unter 50 sind schon geimpft.

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Warten auf den Impftermin im Fußballstadion in LyonEuronews

Bei der Anmeldung steht dabei, welches Vakzin verimpft wird. Im Groupama Stadion ist das BioNTech/Pfizer. In Hausarztpraxen, bei der Arbeitsmedizin und in Apotheken gibt es vor allem AstraZeneca. Einige Impfzentren haben Moderna im Angebot.

Regierungschef Jean Castex hat alle Leute in Frankreich über 55 dazu aufgerufen, sich mit AstraZeneca impfen zu lassen. Vor allem, wer den langen Weg in ein außerhalb liegendes Impfzentrum scheut, entscheidet sich für AstraZeneca.

Die freundliche Feuerwehrfrau ist richtig stolz auf den Rekord

Im Stadion organisieren Feuerwehrleute den Impf-Parcours. In Frankreich bei der Feuerwehr zu arbeiten, ist ein Beruf und eine Berufung. Es sind besonders freundliche Zeitgenoss:innen, die sich für ihre Mitmenschen engagieren. Eine Ärztin oder einen Arzt habe ich nicht getroffen - nur von Weitem waren die Kabinen zu sehen, in denen die Impflinge beraten wurden, die angekreuzt hatten, dass sie unter Allergien leiden oder gerinnungshemmende Medikamente einnehmen.

"Sie sind hier im größten Impfzentrum in Frankreich", sagt die sehr freundliche junge Frau von der Feuerwehr, von der ich geimpft werde. Etwas skeptisch frage ich, ob nicht im Stade de France in St. Denis bei Paris mehr Leute geimpft werden. Schließlich werden dort 10.000 Impfungen pro Woche verabreicht.

"Nein", meint die Feuerwehrfrau richtig stolz. "Wir impfen hier mehr als 3.900 Leute pro Tag."

Die Impf-Termine werden im 6-Minuten-Takt vergeben. In den Betonfluren des 2016 eingeweihten Sport-Tempels stehen die Impfwilligen in langen Schlangen. An manchen Stellen gibt es Stühle - und allzu lange dauert das Warten dann aber doch nicht. Eine Stadionbesichtigung kostet eigentlich 15 Euro - aber da das ein Gruppen-Event ist, finden die Rundgänge während der Pandemie ohnehin nicht statt.

Richtig zum Impfzentrum wird das Stadion in Lyon erst am 7. Juni, wenn die Saison der Ligue 1 zu Ende ist. Zur Zeit spielt OL auch zu Hause Fußball - allerdings ohne Zuschauer. Zuletzt waren aber so viele Fans vor dem Stadion versammelt, dass sie drinnen zu hören waren. Am 7. September soll in Lyon das Länderspiel Frankreich gegen Finnland stattfinden - dann hoffentlich wieder mit Publikum.

Am Ende des Parcours hat mir eine junge Frau im Computer ein Blatt mit einem QR-Code als Bescheinigung der Erstimpfung ausgestellt.

Die Party-Zone vor dem Stadion ist verwaist

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In der Party-Zone ist nichts losEuronews

Vor dem Stadion stehen noch die Rattan-Möbel. Eigentlich können Fußball-Fans hier trinken und feiern. Hinter dem Rahmen, der für Selfies in der Party-Zone gedacht ist, laufen jetzt die Impflinge - mit Abstand.

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Kein Andrang im Impfzentrum von Caluire, einem Vorort von LyonEuronews

Die Kolleginnen und Kollegen, die in kleineren Impfzentren ihre erste Dosis verabreicht bekamen, haben zum Teil überhaupt nicht gewartet. Inzwischen gibt es auch Termine um 23 Uhr 10 - trotz Ausgangssperre ab 19 Uhr.