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Tanzbiennale in Lyon: Von der Dringlichkeit zu leben

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Tanzbiennale in Lyon: Von der Dringlichkeit zu leben
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Lyon tanzt aus der Reihe: Die Tanzbiennale „Biennale de la danse de Lyon" ist im ihr eigentlich zugedachten „geraden“ Jahr 2020 ausgefallen – also nahmen die Tänzer eben das ungerade 2021.

Im Mittelpunkt stehen diesmal Afrika und junge Leute mit Künstlern aus 16 afrikanischen Ländern, darunter der nigerianische Choreograph Qudus Onikeku und seine Tänzer.

Er hat einen Auszug aus ihrer Show mit 16 jungen Amateurtänzern aus der Gegend der Stadt im Südosten Frankreichs zusammengestellt für die traditionelle Eröffnungsparade (le défilé) - dieses Jahr auf der Bühne (Théâtre Romain, Fourvière) und nicht wie sonst auf der Straße.

KÖRPERGEDÄCHTNIS

Re: INCARNATION ist eine Hommage an die nigerianische Musik, die Energie von Lagos, die Idee der Neuerfindung und des Körpergedächtnisses.

Qudus Onikeku, Tänzer und Choreograph:

“Mich hat auch interessiert, wie die Tänzer der jüngeren Generation Wissen und Forschung der Vergangenheit auf zeitgemäße Weise verkörpern, auch wenn sie keine direkte Ausbildung oder Übermittlung bekommen haben, aber es gibt eine Möglichkeit, wie sich der Körper selbst regeneriert und erinnert.”

Das Festival stand bis zur letzten Minute Spitz auf Knopf, aber die nervenaufreibenden Monate haben sich für Künstler und Organisatoren ausgezahlt.

Dominique Hervieu, künstlerische Direktorin:

"Es sind wirklich die neuen Generationen, die selbst was erfinden wollen und sich selbst herausfordern, und das spürt man in ihrem Tanz - der ist echt sehr, sehr energiegeladen."

NOTSTAND

Eine der Eröffnungsshows ist Urgence – Notstand – aufgeführt von fünf jungen Männern, die durch ihr lokales Sozialzentrum auf den Tanz gekommen sind – eine Aufführung von Tanz und Sprache, die vor Wut und Leidenschaft knistert.

Antoine Colnot, Compagnie HKC - Leiter der Tanzgruppe:

"Der Notstand, das ist die Dringlichkeit zu leben, es ist diese Dringlichkeit, die uns auf die Straße bringt, die uns losreisen lässt, die uns Beine macht. Wir haben junge Leute getroffen, die schon alles aufgegeben hatten, und dann diese fünf, die wollten ihren Weg finden und gehen, sich losreißen, ihre Fesseln sprengen".

PUPPEN TANZEN

Und dann tanzen riesige Puppen. Sie sind fast 4 Meter hoch und wiegen bis zu 30 Kilo. Die Tänzer stecken drin und mussten ihre Bewegungen überdenken, um die Anmut und Persönlichkeit der Puppen herauszuarbeiten.

Bouba Landrille Tchouda, Choreograph:

"Die Puppen machen nicht alles mit, aber sie können viele Dinge machen und ich versuche, sie wie Tänzer zu behandeln, das heißt, ich arbeite mit den Möglichkeiten, den Stärken, die sie haben.“

Andrea Bolitho, Euronews:

"Die Franzosen sagen zu 2020 'année blanche' - ein verlorenes Jahr für die Kultur. Hier auf der Biennale de la Danse machen sie die verlorene Zeit wieder gut. Die Kultur ist zurück – im großen Rahmen."

Andrea Bolitho, su mit AFP