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Frankreichs Präsident Emmanuel Macron kassiert Ohrfeige

Von Julika Herzog
Emmanuel Macron bei einem Besuch im Süden des Landes
Emmanuel Macron bei einem Besuch im Süden des Landes   -   Copyright  Lionel Bonaventure/AP
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Der französische Präsident Emmanuel Macron ist bei einem Besuch in Südfrankreich von einem Mann geohrfeigt worden. Macron, der eine Hotelfachschule im Département Drôme besucht hatte, wurde während er die Hände von einigen Bürgern vor Ort schüttelte, von einem der Besucher ins Gesicht geschlagen.

Video von dem Angriff verbreitet sich in sozialen Netzwerken

Das Video von dem Vorfall in Tain-l'Hermitage, rund 90 Kilometer südlich von Lyon wurde über die sozialen Medien verbreitet.

Zwei Personen in Polizeigewahrsam - bis zu drei Jahre Haft

Zwei Personen sind in Zusammenhang mit dem Vorfall verhaftet worden. Die Zeitung "Le Monde" und andere französische Medien berichten mit Berufung auf die Staatsanwaltschaft von Valence, dass es sich dabei um zwei 28-jährige Männer handelt – darunter der, der auf dem Video zu sehen ist und ein anderer, der ihn begleitet hatte. Ihnen drohen bis zu 3 Jahre Gefängnis und eine Strafe von 45.000 Euro.

Macron setzt "Tour de France" durch das ländliche Frankreich fort

Der Präsidentenpalast Elysée nannte keine Details zu den Hintergründen und erklärte, dass der Präsident seine Reise fortgesetzt habe.

Nach zwei Tagen im Departement Lot in der vergangenen Woche, wo der Präsident mit Rentnern diskutierte hat, ist der französische Staatschef zur Zeit im Département Drôme für die zweite Etappe seiner "Tour de France", mit der er "die Stimmung im Land fühlen will", so die Elysee . Seine politischen Gegner bezeichnen es als Wahlkampf-Reise, zwei Wochen vor den Regionalwahlen und weniger als ein Jahr vor den Präsidentschaftswahlen in Frankreich.

Angriff scharf verurteilt: "Die Demokratie wurde ins Visier genommen"

Unterdessen verurteilen Politiker aller Couleur den Angriff auf den französischen Präsidenten.

Premierminister Jean-Castex und Parteifreund von Macron erklärte vor der Nationalversammlung dass mit dem Staatsoberhaupt die Demokratie ins Visier genommen wurde; „Demokratie ist Debatte, ist Dialog, ist die Konfrontation von Ideen, es ist der Ausdruck legitimer Meinungsverschiedenheiten, aber Demokratie kann niemals Gewalt, verbale Aggression und noch weniger körperliche Aggression sein“, fuhr er unter dem Beifall der Abgeordneten fort. Und um hinzuzufügen: "Ich fordere einen republikanischen Aufschrei, das betrifft uns alle."

Gemeinsame Front: Alle Parteien stehen hinter dem Staatsoberhaupt

Eine Botschaft der Einheit, die Politiker aller Parteien aufnehmen. Weniger als ein Jahr vor der Präsidentschaftswahl bilden sie eine gemeinsame Front hinter dem Staatsoberhaupt.

Der Vorsitzende der kommunistischen Partei La France Insoumise Jean-Luc Mélenchon schreibt auf Twitter, dass er solidarisch hinter dem Präsidenten stehe und weiter: " Versteht ihr dieses Mal endlich, dass die Gewaltbereiten zur Tat schreiten?"

Jede Gewalt ist inakzeptabel. Den Präsidenten der Republik zu ohrfeigen ist eine Beleidigung unserer Demokratie", der Abgeordnete Matthieu Orphelin von der grünen Partei EELV.

Laurent Wauquiez, LR-Kandidat (gemäßigte Rechte) für die Region Auvergne-Rhône-Alpes, verurteilt den Agriff als "unerträgliche Geste. Wir können nicht akzeptieren, dass sich in unserem Land Gewalt und Respektlosigkeit breit machen." Für die Ministerin Marlène Schiappa ist ein Angriff gegen den Präsidenten ein Angriff auf jeden Franzosen.

Selbst "Härsteste Gegnerin" Marine Le Pen solidarisch mit dem Präsidenten

Und selbst Marine Le Pen von der extremen Rechten stellt sich auf die Seite des Präsidenten. „Ich bin der härsteste Gegner von Emmanuel Macron, aber er ist der Präsident der Republik. Und als solcher können wir ihn politisch bekämpfen, aber wir können uns nicht die kleinste Geste der Gewalt gegen ihn erlauben“, sagt die Vorsitzende der rechtspopulistischen Partei RN während einer Pressekonferenz zu einer Reise in den Osten Frankreichs.

Rechtsradikaler Hintergrund des Angriff?

Der Angreifer hatte kurz bevor er den Staatschef geohrfeigt hatte einen augenscheinlich rechstradikalen Slogan geschrien: "Montjoie Saint-Denis ! À bas la macronie!" (Montjoie Saint-Denis ! Nieder mit der Macronie!)

Bei dem Ausruf "Montjoie Saint-Denis!" handelt es sich um eine royalistische Anspielung, einen Kriegsruf der Kapetinger des Königreichs Frankreich aus dem 12. Jahrhundert, der auch in dem französischen Kult-Film "Les Visiteurs" von Jean Reno verwendet wird und den sich heute die extreme Rechte zu eigen gemacht hat.

Kurz nach dem Vorfall erinnerte sich der Abgeordnete von "La France insoumise" Eric Coquerel daran, dass derselbe Slogan von Aktivisten der rechtsextremen Gruppierung "Action francaise" verwendet wurde, die ihm während einer Veranstaltung 2018 einen mit Rasierschaum gefüllten „Kuchen“ ins Gesicht geworfen hatten.