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83 Tote auf Corona-Station: "Wären sie hier, wenn sie Geld hätten?"

Von su mit dpa
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83 Tote auf Corona-Station: "Wären sie hier, wenn sie Geld hätten?"
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Wieder sind bei einem Brand in der Corona-Station eines irakischen Krankenhauses Dutzende Menschen ums Leben gekommen. Mindestens 83 Menschen starben bei dem nächtlichen Brand, so Ammar Baschar, Sprecher der lokalen Gesundheitsbehörde. Viele Menschen suchten laut Augenzeugen noch nach Angehörigen. Die Staatsagentur
INA berichtete zudem von rund 50 Verletzten, medizinische Kreise von 100.

Das Feuer war am späten Montagabend in einer Isolationsstation für Covid-19-Patienten im Krankenhaus Imam al-Hussein in Nassirija im Südirak ausgebrochen. Die Stadt liegt dreieinhalb Autostunden südlich der Hauptstadt Bagdad.

Haidar al-Askari aus Nassirija:

"Das Staatssystem insgesamt ist zusammengebrochen, und wer zahlt dafür? Die Leute hier drinnen. Diese Leute haben den Preis bezahlt, Dutzende Menschen. Wenn sie Geld hätten, wären sie für eine Behandlung an diesem elenden Ort gekommen?"

KLINIK-BRAND IN BAGDAD

Eine offizielle Erklärung zur Ursache des Feuers gab es zunächst nicht. Augenzeugen sagten („dpa“), eine Sauerstoffflasche sei explodiert. Dies war Berichten zufolge auch Auslöser für einen ähnlich verheerenden Brand in einem Krankenhaus in Bagdad im April, bei dem 82 Menschen ums Leben kamen.

Für die staatliche Infrastruktur im Irak – darunter auch Krankenhäuser - fehlt es nach jahrzehntelangen Konflikten an Geld. Ausufernde Korruption und Verwahrlosung gelten auch im Gesundheitssystem als Problem. Vorschriften etwa zur Arbeitssicherheit werden häufig nur unzureichend umgesetzt. Beide Krankenhausbrände seien Ergebnis «anhaltender Korruption und Misswirtschaft», schrieb der irakische Präsident Barham Salih auf Twitter.

Viele Ärzte und andere Mitarbeiter des Gesundheitswesens haben das Land verlassen. Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge gab der Irak im Jahr 2018 für jeden Bürger nur 239 Dollar (201 Euro) für Gesundheitsleistungen aus. In den Nachbarländern Jordanien und Iran waren es für jeden Bürger 330 Dollar (278 Euro) beziehungsweise 484 Dollar (408 Euro).)

su mit dpa