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Afghanistan: Demonstrierende trotzen Taliban mit Nationalflagge - Chaos am Flughafen

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Von euronews
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Afghanistan: Demonstrierende trotzen Taliban mit Nationalflagge - Chaos am Flughafen
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In Afghanistan hat es erneut Proteste gegeben. Am zweiten Tag in Folge schwenkten Menschen in mehreren Provinzen öffentlich die Nationalflagge - eine Provokation gegenüber den Taliban, da diese ihre eigene Fahne haben. Auf Videos in sozialen Netzwerken war zu sehen, wie Taliban-Kämpfer mit Schüssen gegen die Demonstrierenden vorgingen. Bei Protesten am Mittwoch gab es mindestens einen Toten.

Es war der zweite Tag in Folge mit Demonstrationen dieser Art, an einem besonderen Datum: Am 19. August vor 102 Jahren wurde Afghanistan von Großbritannien unabhängig.

Hilfsorganisationen appellieren an Geberländer

Unterdessen warnen die Vereinten Nationen wenige Tage nach der Machtübernahme durch die Taliban vor Lebensmittelengpässen im Land. Hilfsorganisationen appellierten an die Geberländer, das afghanische Volk nicht im Stich zu lassen. Schlechte Ernten und gestiegene Lebensmittelpreisen trügen zu einer Verschlechterung der humanitären Situation bei.

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Taliban gehen mit Gewalt gegen Fliehende vor

Die Lage am Flughafen in Kabul ist weiter chaotisch. Auf Aufnahmen aus sozialen Medien sind Schüsse zu hören, während die Menschen versuchen, in den inneren Bereich des Flughafens vorzudringen. Berichten zufolge sind die Taliban mit Peitschen und Waffen unterwegs, um die Fliehenden zurückzuhalten.

Unterdessen werden die Evakuierungen ausländischer Staatsangehöriger und deren afghanischer MitarbeiterInnen fortgesetzt. In Rom landete ein Flugzeug mit 202 Afghan:innen an Bord. Die Bundeswehr brachte mittlerweile laut dem deutschen Außenminister über 1000 Menschen in Sicherheit. 

In Warschau landete ein Flieger mit 18 Evakuierten, die meisten Mitarbeiter:innen des polnischen Militärs oder der polnischen Diplomatie. US-Präsident Joe Biden versicherte, notfalls würden die US-Truppen in Kabul auch über den geplanten Abzugstermin am 31. August bleiben, um die noch rund 15.000 verbliebenen US-Bürger:innen aus dem Land zu holen.

Im Flughafen warten nach Angaben des US-Außenministeriums derzeit rund 6000 Menschen, die alle Voraussetzungen für die Ausreise erfüllen und bald ausgeflogen werden dürften. "Ich kann bestätigen, dass sich derzeit 6000 Personen am Flughafen befinden, die von unserem Konsularteam vollständig abgefertigt wurden und bald an Bord der Flugzeuge gehen werden", sagte der Sprecher des Ministeriums, Ned Price am Donnerstag. Es handele sich um US-Amerikaner:innen, Afghan:innen und Menschen aus anderen Staaten. "Wir erwarten, dass heute Nacht etwa 20 Flüge starten werden", sagte er weiter.