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"Nie habe ich so einen Horror erlebt" - geflohener Afghane berichtet

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Von Laurence Alexandrowicz
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"Nie habe ich so einen Horror erlebt" - geflohener Afghane berichtet
Copyright  AFP
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Rund 2600 Personen konnten Kabul an Bord französischer Evakuierungsflüge verlassen. Einige von ihnen sind in einem Vorort von Lyon untergekommen, 86 sind es, Männer, Frauen und Kinder. Offen will sich niemand zeigen, auch Namen sollen nicht genannt werden.

Mit einem der Männer haben wir gesprochen, wir nennen ihn Amid. Auch er sorgt sich um seine Familie, die noch in Afghanistan ist: seine Frau, seine drei Kinder, darunter ein wenige Wochen altes Baby. Amid arbeitete als Agrarwissenschaftler für ein französisches Unternehmen. Er erzählt:

"Die Kämpfe begannen bei uns in der Provinz Helmand und hielten zwanzig Tage an. Danach waren die Gebäude meiner Farm zerstört. Sie töteten Tausende Menschen, haben die Universität zerstört und die Moschee... Ich bin 34 Jahre alt. Nie zuvor habe ich so einen Horror erlebt, wie in den vergangenen zwei Wochen. Die afghanische Regierung sagte uns: Wenn bei Euch Taliban sind, müsst ihr fort, denn dann werden wir die Gegend bombarideren. Jetzt sind es die Taliban, die alles kontrollieren. Und die sagen: Du bist ein Spion für das Ausland, für die Franzosen, Du bringst anderen Englisch bei, damit sie für die Amerikaner und Franzosen arbeiten können."

Amid muss weinen. Er atmet durch und setzt hinzu:

"Meine größte Hoffnung ist, dass mir die französische Regierung hilft."

Besuch beim Verband "Forum Réfugiés", der sich um Afghaninnen und Aghanen kümmert, die neu in Frankfreich ankommen. Die Evakuierung aus Kabul wird ihnen immer im Gedächtnis bleiben, beschreibt der Direktor des Verbands, Jean-François Ploquin:

"Wir haben das Gefühl, dass unsere alltägliche Arbeit hier auf Weltpolitik getroffen ist. Wir müssen uns immer wieder daran erinnern, was es bedeutet, ein Flüchtling zu sein. Man sagt ja, dass das Recht auf Asyl das einzige ist, was bleibt, wenn man alles verloren hat. Die Menschen kommen in extremer Armut, manche nur mit ihren Kleidern am Leib."

Die Flüchtlinge in Lyon werden noch eine Woche bleiben. Fast alle wollen wohl Asyl in Frankreich beantragen und stehen dann unter der Obhut der französischen Behörden. Danach ist es an ihnen, sich ein Leben in Europa aufzubauen - fern der Heimat und wieder ganz von vorn.