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Womöglich 5G? Ein schriller Ton macht Menschen in Nordfrankreich kirre

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Von Euronews  mit FrancTV/Voix du Nord/BFMTV
Analoge Dachantennen in Philadelphia, Pennsylvania (Illustrationsfoto)
Analoge Dachantennen in Philadelphia, Pennsylvania (Illustrationsfoto)   -   Copyright  AP Photo/Matt Rourke

Für die Wissenschaft ist es ein Rätsel, für die Einwohnerinnen und Einwohner von Wizernes, einer Gemeinde im nordfranzösische Departement Pas-de-Calais, die reinste Folter.

Seit Ende Oktober piept es! Ein schrilles Pfeifen schwingt plötzlich in der Luft, ähnlich wie ein Messton im Radio. Nicht immerzu, aber immer wieder, manchmal nur ein paar Sekunden, dann wieder eine halbe Stunde. Das Phänomen tritt unregelmäßig auf, tags aber auch nachts.

Ursache: bislang unbekannt. Die Forschung spricht von einem "bruit non identifié" (kurz NIB), einem nicht identifizierten Geräusch.

"Es ist sehr störend, ja sogar unerträglich"

Kein Wunder, dass das Thema fasziniert. Diverse französische Medien haben in den vergangenen Tagen Teams nach Nordfrankreich geschickt, um die das geheimnisvolle Geräusch zu erkunden - und auf Band festzuhalten. Das Pfeifen von Wizernes schaffte es am Wochenende schließlich in Abendnachrichten des staatlichen Fernsehsenders France Television.

In der Reportage berichten die Betroffenen, und sie sind zahlreich, von ihrem Leid. Manche haben das Geräusch auf dem Handy aufgenommen, andere notieren akribisch die Uhrzeiten, zu denen das Pfeifen auftritt.

"Es ist sehr störend, ja sogar unerträglich. Denn wenn das Pfeifen aufhört, hat man immer noch das Gefühl, es zu hören", erklärt Aurélie Lurette, eine Anwohnerin.

Das Schrillen bahne sich zu jeder Tages- und Nachtzeit seinen Weg durch die Luft."Wenn man draußen ist, weiß man nicht, woher der Lärm kommt", berichten Mauricette Bécue und ihr Mann Roger. Das Ehepaar lebt seit zehn Jahren in dem betroffenen Gebiet, ihre Nachbarn Serge Dubois und Franck Poly seit 52 Jahren bzw. 20 Jahren.

Für alle ist es "das erste Mal", dass sie mit einem solchen Phänomen konfrontiert werden. Und niemand habe das Gefühl, sich "grundlos zu beschweren".

Womöglich der 5G-Sendemast?

Ein erster Verdächtiger war schnell ausgemacht: Der neue 5G-Sendemast, der am 29. Oktober im Ort aufgestellt wurde. "Das passt genau mit dem Beginn der Belästigung zusammen", berichtet Sandrine Lalau, eine Anwohnerin, dem TV-Team. Anschuldigungen, die von der Stadtverwaltung jedoch zurückgewiesen werden.

Selbst wenn es 5G wäre, könnte man es nicht hören, meint der von der Zeitung "Voix du Nord" befragte Experte Nicolas Fiolet, Astrophysiker und Leiter des Planetariums La Coupole im Nachbarort Helfaut. "Die 5G-Frequenz von 3,5 GHz liegt weit jenseits dessen, was das Ohr wahrnehmen kann. Es handelt sich um sehr hochfrequente Wellen im Vergleich zu dem, was das Ohr hören kann."

Die 5G-Theorie rückt damit in weite Ferne, zumal laut Orange, dem Netzbetreiber und Eigentümer der Sendemasten, Letzterer gar kein Signal aussendet: "Er ist noch nicht in Betrieb genommen worden!" Man habe der Vorsicht halber einen Techniker geschickt. Er habe die Anlage überprüft und nichts Ungewöhnliches festgestellt.

Das Rätsel von Wizernes bleibt bestehen

Nicht identifizierte Geräusche seien ein Mysterium, über das überall in der Welt schon mal berichtet wurde, meint der Experte Nicolas Fiolet. "Ich habe schon davon gehört, aber noch nie in Wizernes."

François Segura, der stellvertretende Bürgermeister, der die Ermittlungen leitet, will, um das Rätsel zu lösen, alle Unternehmen in der Gegend aufsuchen. "Das Betonwerk arbeitet nicht nachts, also sind sie es nicht. Es gibt auch eine Firma, die Abwasser aufbereitet, sie werden wie diese Woche besuchen. Und es gibt noch eine andere Fabrik, etwas weiter weg, die vielleicht eine defekte Maschine hat".

Das Rätsel von Wizernes bleibt bestehen - und wird immer größer. Einwohner:innen anderer Gemeinden, in Longuenesse und Blendecques, berichten, dass sie mit demselben Phänomen konfrontiert sind.