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Nie von Tschernobyl gehört? Offenbar Soldaten aus Russland verstrahlt und nach Belarus gebracht

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Von Kirsten Ripper  & Euronews  mit AP, AFP, UNIAN
Im verlassenen Pripyat bei Tschernobyl in der Ukraine - ARCHIV
Im verlassenen Pripyat bei Tschernobyl in der Ukraine - ARCHIV   -   Copyright  Sergei Chuzavkov/Copyright 2016 The Associated Press. All rights reserved.

Kurz nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine am 24. Februar hatten russische Streitkräfte die Kontrolle über die Gegend von Tschernobyl übernommen. Die Internationale Atomenergiebehörde stellte daraufhin eine erhöhte Radioaktivität in der Gegend fest. Doch Expertinnen und Experten gaben rasch Entwarnung und erklärten, die russischen Panzer und anderen Fahrzeuge hätten nur radioaktiven Staub aufgewirbelt.

Jetzt berichten Journalisten der Agentur UNIAN aus der Ukraine, dass russische Soldaten in sieben Bussen über die nahe Grenze nach Belarus gebracht wurden, weil sie unter der Strahlenkrankheit leiden. Sie sollen laut belarussischem TV in Homel im Zentrum für radiologische Medizin behandelt werden.

Ukrainische Behörden gehen davon aus, dass mehrere Hundert russische Soldaten verstrahlt wurden, weil sie ohne Schutzausrüstung Gräben ausgehoben hatten. Inzwischen sollen die Truppen die Gegend um Tschernobyl panikartig verlassen haben.

Mittelschwere radioaktive Verstrahlungen können u.a. Hautprobleme sowie Übelkeit und Veränderungen des Blutbildes auslösen.

Offenbar hatten die Soldaten auch im "Roten Wald" campiert, dem Waldgebiet bei der Geisterstadt Pripjat (engl.: Pripyat). Das Gebiet hat durch die Explosion des AKW Tschernobyl 1986 so viel Strahlung aufgenommen, dass sich die Bäume Rotbraun verfärbten. Der "Rote Wald" gilt als einer der am stärksten radioaktiv belasteten Orte der Erde. Die Stadt Pripjat in der Oblast Kiew - in der 1986 fast 50.000 Menschen lebten - ist bis heute abgesperrt.

Auch Marina Weisband schreibt auf Twitter, dass die 19-Jährigen Russen offenbar nicht wussten, was Tschernobyl ist, als sie im Wald in der Nähe der 1986 havarierten Atomanlage campierten. Dass die russischen Soldaten teilweise noch nie von Tschernobyl gehört hattten, hatten ukrainische Beschäftige der stillgelegten Atomanlage berichtet.

Die Mitarbeiter von Tschernobyl waren tagelang nicht ersetzt worden, nachdem Russlands Truppen die Kontrolle übernommen hatten. Dies hatte bei der IAEO (Internationale Atomenergie Organsation) in Wien für Besorgnis gesorgt.

Anfang Februar hatten ukrainische Streitkräfte Militärübungen in Pripyat in der Nähe von Tschernobyl abgehalten.

Mykola Tymchenko/Copyright 2022 The Associated Press. All rights reserved.
Spezialeinheiten der ukrainischen Streitkräfte im Wald bei Tschernobyl am 4. Februar 2022Mykola Tymchenko/Copyright 2022 The Associated Press. All rights reserved.

Rückzug der russischen Truppen aus der Gegend von Tschernobyl

Vom Pentagon war am 30. März gemeldet worden, dass sich die russischen Truppen aus der Gegend um Tschernobyl zurückgezogen haben. Das ist laut AFP auch auf US-Satellitenbildern zu sehen.

Das Pentagon und das Weiße Haus gehen davon aus, dass die Angriffe in der Ukraine trotz der russischen Truppenbewegungen weitergehen werden.

Russland beabsichtigt, "diese Truppen umzurüsten, sie neu zu versorgen und sie wahrscheinlich an anderer Stelle in der Ukraine einzusetzen", so Pentagon-Sprecher John Kirby laut dem Washington Examiner. "Sie sollten sie nach Hause schicken", sagte Kirby über die russischen Streitkräften. "Aber das tun sie nicht, zumindest noch nicht."

"Niemand sollte sich von Russlands Ankündigungen täuschen lassen", sagte die Kommunikationsdirektorin des Weißen Hauses, Kate Bedingfield, am Dienstag. "Wir glauben, dass jede Verlegung von Truppen aus der Umgebung von Kiew eine Verlagerung und kein Rückzug ist (...) Jeder sollte sich darauf einstellen, dass wir weiterhin Angriffe in der gesamten Ukraine erleben werden."

Seit ihrem Einmarsch in die Ukraine am 24. Februar haben Russlands Truppen die Kontrolle über zwei Atomanlagen in der Ukraine übernommen - das 1986 havarierte Tschernobyl und Saporischschja, das größte Kernkraftwerk Europas.

Russische Streitkräfte haben laut ukrainischen Angaben in der Nähe von Tschernobyl "Zehntausende Tonnen" Munition gelagert, was eine "große" Bedrohung für die Sicherheit der Anlage darstelle.