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Das "nächste Mariupol" schon unter Beschuss? - "Wir leben nicht in Odessa, Odessa lebt in uns"

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Von Anelise Borges, su  mit dpa
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Bei russischen Raketenangriffen auf die ukrainischeHafenstadt Odessa sind in der Nacht zum Dienstag mindestens ein Mensch getötet und fünf verletzt worden, so Medienberichte (Agentur „Unian“) unter Berufung auf die örtliche Militärführung. Am Montagabend hatte die russische Luftwaffe nach Darstellung des
ukrainischen Militärs mehrere Hyperschallraketen vom Typ Kinschal auf Odessa abgefeuert. Dabei seien «touristische Objekte» getroffen und mindestens fünf Gebäude zerstört worden, berichtete die «Ukrajinska
Prawda».

Die Hafenstadt im Süden der Ukraine ist seit Sonntagabend Ziel verstärkter russischer Raketenangriffe, unter anderem während des Besuchs von EU-Ratspräsident Charles Michel am Montag.

Hennadij Truchanow, Bürgermeister von Odessa:

„Sie trafen ein Einkaufszentrum, das bei den Einwohnern von Odessa sehr beliebt ist. Wo Leute mit Kindern reinkommen, die spielen dort. Es gibt Restaurants, Cafés, Spielplätze. Da schlug heute die zweite Rakete ein. Das ist ein Paradebeispiel dafür, was und wie die Besetzer unser Land bombardieren.“

Der Bürgermeister von Odessa wirft Russland den wahllosen Beschuss ziviler Gebiete vor.

Und warnt davor, dass seine Stadt das nächste Mariupol werden könnte – die andere große Hafenstadt im Süden gilt als bisher am stärksten betroffen vom Konflikt – aber da sind ja noch seine Bewohner mit ihrem Widerstand.

Hennadij Truchanow, Bürgermeister von Odessa:

„Wir sagen oft, wir leben nicht in Odessa, Odessa lebt in uns. Ich möchte allen Zivilisten von Odessa für ihren Mut danken. Sie sind Helden.“

"HELDEN VON ODESSA"

Zu den Helden von Odessa gehört auch Daniel Salem, Schauspieler und Fernsehmoderator, der als Freiwilliger zur Nationalgarde ging und uns am Montag zu einem weiteren Viertel führte, das von einer russischen Rakete getroffen wurde. Dabei starben im vergangenen Monat eine Mutter und ihr drei Monate altes Kind.

Anelise Borges, Euronews:

„Wie fühlen Sie sich hier? Wenn Sie diesen Grad an Zerstörung sehen?“

Daniel Salem, Freiwilliger der ukrainischen Nationalgarde:

"Wütend. Wütend, weil man weiß, dass dagegen kein Kraut gewachsen ist. Und über die Feigheit dieses Krieges.“

Daniel ist überzeugt, dass die Treffer auf zivile Infrastruktur wie Wohnblocks – wie auch auf den Hafen von Odessa am Montag – kein Zufall ist.

Daniel Salem, Freiwilliger der ukrainischen Nationalgarde:

„Sie wussten, was sie taten. Das ist das Schrecklichste. Diese Leute sagen, dass sie nur Befehle befolgen, nein – sie wissen, was sie tun. Es sind keine Jungs, die in den Krieg gezogen sind, weil irgendein Typ es ihnen angeschafft hat. Nein – sie machen das schon eine Weile."

Und sie werden weitermachen, meint Daniel, er und seine Kameraden seien auf einen langen Krieg eingestellt.

Anelise Borges, su mit dpa