Geheime Dokumente im Internet- wie konnten die USA das zulassen?

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Ist dieser Fall ein Zeichen der Schwäche der US-Geheimdienste? Wir haben diese Frage Dan Lomas, einem Experten für Geheimdienste und Sicherheit, gestellt.

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Die Veröffentlichung von Geheimdokumenten hat die Vereinigten Staaten erschüttert und wirft nun die Frage auf, wie die amerikanischen Behörden das haben übersehen können. Das Leck scheint in einem kleinen privaten Chatroom auf der bei Videospielern beliebten Social-Media-Plattform Discord entstanden zu sein. Die Dokumente enthalten offenbar Details über den Verlauf von Waffenlieferungen in die Ukraine und scheinen US-Spionagetaktiken in aller Welt zu enthüllen.

Laut einer Untersuchung von Bellingcat, einer Gruppe von Journalisten mit Sitz in den Niederlanden, wurden Bilder der streng geheimen Akten bereits im Januar geteilt, aber erst Anfang April erregten sie die Aufmerksamkeit der Regierung.

Es ist immer noch unklar, wann das ursprüngliche Leck entstanden ist und wer genau dafür verantwortlich ist. Laut der Washington Post scheint der Informant auf einer Militärbasis gearbeitet zu haben und wird als Einzelgänger und Waffennarr beschrieben. Bis zum Donnerstagabend wurde noch keine Verhaftung vorgenommen.

Experte: ein ganz außergewöhnlicher Fall

Die Dokumente sind normalerweise nur für Beamte mit der höchsten Sicherheitsfreigabe zugänglich. Ist dieser Fall also ein Zeichen der Schwäche US-Geheimdienste im Umgang mit sensiblen Informationen? Wir haben diese Frage Dan Lomas, einem Experten für Geheimdienste und Sicherheit an der Brunel University, gestellt. Der Universtitätsdozent dazu: 

"Ich würde sagen, dass das Problem des Internetzeitalters darin besteht, dass es so viele Möglichkeiten für Menschen gibt, Informationen nach außen dringen zu lassen. Die Tatsache, dass es so viele Online-Chatrooms gibt, die Tatsache, dass man sich anonymisieren und Informationen weitergeben kann, stellt meiner Meinung nach ein echtes Problem dar. Aber der Kern der Geschichte ist, glaube ich, dass jemand diese Dokumente tatsächlich ausdruckt und scheinbar mit nach Hause nimmt, um sie dann zu kopieren, zu vervielfältigen und online zu stellen. Das ist, glaube ich, das eigentliche Problem hier. Ich denke, es gibt auch potenzielle Probleme bei der Überprüfung von Personen, aber hauptsächlich geht es um die Sicherheit von Dokumenten und darum, wer Zugang zu diesen Dokumenten hat. Und ich vermute, dass wir, wenn überhaupt, eine Verschärfung der Verfahren zur Handhabung von Dokumenten sehen werden."

Was war das Motiv des Verantwortlichen?

Die US-Behörden bemühen sich nun, auf dieses äußerst heikle Leck zu reagieren. Aber das Rätsel ist nicht nur, wer die Dokumente weitergegeben hat, sondern auch, warum? Das Motiv für das Leck bleibt unklar, und auch die Art und Weise, wie es geschah, ist sehr ungewöhnlich

"Dies ist ein einzigartiger Fall", so Lomas weiter. "Wir haben hier jemanden, der Informationen weitergibt, nicht aus politischen Gründen, nicht als Informant, sondern aus dem seltsamen Grund, sich Freunde machen zu wollen... Wenn die Washington Post Recht hat und die Person, die sie identifiziert hat, der tatsächliche Verräter ist, haben wir es mit jemandem zu tun, der eine ganz andere Motivation hat."

Im Zuge der Ermittlungen machen sich die Beamten darauf gefasst, dass möglicherweise noch mehr geheime Informationen im Internet kursieren könnten.

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