Flutkatastrophe in Libyen: Dämme wurden 45 Jahre nicht gewartet

Libysche Mittelmeerstadt Darna.
Libysche Mittelmeerstadt Darna. Copyright Ricardo Garcia Vilanova/Copyright 2023 The AP. All rights reserved.
Von Euronews mit AFP, AP, dpa
Diesen Artikel teilenKommentare
Diesen Artikel teilenClose Button
Den Link zum Einbetten des Videos kopierenCopy to clipboardCopied

Die libysche Staatsanwaltschaft sucht nach Verantwortlichen für die Flutkatastrophe durch zwei gebrochene Dämme in Libyen.

WERBUNG

Während die Rettungsteams in der verwüsteten libyschen Stadt Derna weiter nach Überlebenden suchen, versuchen die Menschen, die Leichen ihrer Angehörigen selbst zu bergen.

Die Zahl der Todesopfer ist auf 11.300 gestiegen, weitere 10.100 Menschen werden in der Mittelmeerstadt vermisst. Ungezählte könnten unter Schlamm und Trümmern begraben sein, unter umgestürzten Autos und Betonbrocken, die bis zu 4 Meter hoch aufragen.

Ein Mann gräbt mit einer einfachen Schaufel im Geröll. "Es gibt keine Hilfe. Es gibt niemanden, der hilft. Es gibt keine Regierung", sagt er. "Sie sind hier seit fünf Tagen begraben". Er gräbt nach seinen Familienangehörigen.

Die Dämme aus den 1970ern wurden nicht gewartet

Die libysche Staatsanwaltschaft sucht nach Verantwortlichen für die Katastrophe. Die massiven Überschwemmungen wurden durch den Bruch von zwei Dämmen bei starkem Regen ausgelöst. 

Staatsanwalt Al-Siddiq Al-Sour hat eine strafrechtliche Verfolgung derjenigen angekündigt, die für die Fehler oder Versäumnisse verantwortlich sind, "wer auch immer das sein mag."

Die beiden Dämme außerhalb von Darna wurden in den 1970er Jahren gebaut. Ein Bericht einer staatlichen Prüfstelle aus dem Jahr 2021 zeigte, dass die Dämme nicht gewartet wurden, obwohl in den Jahren 2012 und 2013 mehr als 2 Millionen Euro für diesen Zweck bereitgestellt worden waren.

Sky News berichtet, dass die Bewohner von Darna glauben, dass die Behörden die  Risiken der Dämme kannten und dass sie angewiesen wurden, zusätzliche Dämme zu bauen, aber nicht gehandelt haben.

Ingenieur Gandi Mohammed Hammoud bestätigt: "In diesen 45 Jahren hätten wir etwa 10 Dämme hinter dem zweiten Damm bauen sollen, um zu helfen."

Sorgen vor Cholera-Ausbruch

In Darna wächst die Sorge vor dem Ausbruch von Krankheiten wie der Magen-Darm-Krankheit Cholera. Rund 30.000 Menschen sind hier obdachlos geworden. 

In Darna seien bereits Dutzende Kinder durch verschmutztes Wasser erkrankt, sagte der Leiter des Nationalen Zentrums für Krankheitsbekämpfung der Nachrichtenseite "Al-Wasat" am Freitag. Die 55 Kinder stammten aus Familien, die durch die zerstörerischen Wassermassen vertrieben wurden, hieß es.

Internationale Helfer sprechen von einer "katastrophalen humanitären Lage" und chaotischen Zuständen in der teils zerstörten Stadt Darna im Osten des nordafrikanischen Landes. "Es ist dringend eine Koordination der Hilfe nötig", berichtete die Organisation Ärzte ohne Grenzen am Freitagabend. Ihr erstes Nothilfeteam ist seit Donnerstag vor Ort. 

Die Überlebenden benötigten jetzt vorrangig Unterkünfte, Nahrung und medizinische Grundversorgung wegen der Sorge vor Cholera und Mangel an sauberem Wasser, erklärte UN-Nothilfekoordinator Martin Griffiths in Genf.

Das Gesundheitsministerium in der Hauptstadt Tripolis im Westen des Landes warnte laut der Zeitung "Arab News", in Darna gebe es Grundwasser, das mit Leichen, Tierkadavern, Müll und chemischen Substanzen verschmutzt sei. "Wir bitten die Menschen dringend, sich den Brunnen in Darna nicht zu näher", wurde Gesundheitsminister Ibrahim Al-Arabi zitiert.

Diesen Artikel teilenKommentare

Zum selben Thema

Mehr als 11.000 Tote nach Flutkatastrophe in Darna

Libyen: Einsatzkräfte bergen weitere Leichen

Derna: Wütende Menge wirft Behörden Versagen vor