Feuerpause im Gaza-Krieg hat offiziell begonnen - wird sie halten?

Israelische Soldaten im Gazastreifen
Israelische Soldaten im Gazastreifen Copyright Victor R. Caivano/AP Photo
Von Euronews mit dpa
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Für die Geiseln aus Israel, ihre Angehörigen und die Zivilbevölkerung im Gazastreifen ist es ein banges Warten. Die Einigung auf eine Feuerpause und die Freilassung von Geiseln steht - offiziell hat sie heute Morgen begonnen. Halten sich die Kriegsparteien daran?

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Die angekündigte Feuerpause zwischen Israel und der islamistischen Hamas hat offiziell begonnen. Nach Angaben des Vermittlers aus Katar startete sie an diesem Freitag um 7.00 Uhr Ortszeit (6.00 Uhr MEZ). Diese sei auf vier Tage ausgelegt und könne verlängert werden, sagte Madschid al-Ansari, Sprecher des katarischen Außenministeriums, am Donnerstag in Doha. Die ersten 13 der von der Hamas verschleppten Geiseln sollen demnach um 16.00 Uhr Ortszeit (15.00 Uhr MEZ) freigelassen werden. Es handele sich um Kinder und Frauen, die dem Roten Kreuz übergeben werden sollen.

Katar: "Kommunikation abgeschlossen"

Al-Ansari sagte vor laufenden Kameras in Katar: "Wir haben soeben die Kommunikation mit allen Parteien abgeschlossen, um die Listen der Zivilisten zu erstellen, die im Rahmen der von beiden Seiten beschlossenen Vereinbarung freigelassen werden. Die Listen sind beiden Seiten übergeben worden. Und schließlich wurde die Liste soeben dem israelischen Geheimdienst Mossad übergeben, um die Umsetzung zu erleichtern."

Für die Angehörigen der Hamas-Geiseln geht die emotionale Achterbahnfahrt vorerst weiter. Zunächst sollen 13 festgehaltene Frauen und Kinder in die Obhut des Roten Kreuzes gegeben werden. Dann folgt die Rückkehr in die Heimat. Das hoffen die Angehörigen in Israel.

Angehöriger: "Wechselbad der Gefühle"

Eyal Kalderon ist der Cousin einer israelischen Geisel. Er sagte gegenüber einem Reporter: "Wir befinden uns bereits seit 47 Tagen in einem Wechselbad der Gefühle. Heute ist es nicht anders. Wir hoffen, dass wenigstens die Kinder so schnell wie möglich nach Hause kommen, denn ihnen läuft die Zeit davon. "

Im Gegenzug sollen als Teil einer am Mittwoch bekanntgemachten Vereinbarung zwischen Israel und der Hamas palästinensische Häftlinge aus israelischen Gefängnissen entlassen werden. Mit der Waffenruhe soll es auch mehr Hilfslieferungen für die Zivilbevölkerung im Gazastreifen geben.

Der militärische Arm der Hamas bestätigte den Beginn der Feuerpause am Freitagmorgen und die Dauer von vier Tagen. In dieser Zeit würden alle Seiten ihre militärischen Aktivitäten einstellen, teilte ein Sprecher der Kassam-Brigaden mit.

Zivilbevölkerung benötigt dringend Hilfsgüter

Die Hamas und Israels Regierung haben sich mit der Vereinbarung auf eine maximal zehntägige Feuerpause geeinigt, die für den abgeriegelten Gazastreifen und Israel gelten. Teil des Deals ist ein Austausch von bis zu 100 Geiseln aus Israel gegen bis zu 300 palästinensische Insassen israelischer Gefängnisse.

Mit der Feuerpause gibt es auch etwas Hoffnung für die notleidenden Menschen im Gazastreifen. Das UN-Palästinenserhilfswerk UNRWA will die Kampfpause nutzen, um dringend benötigte Hilfsgüter an die Zivilbevölkerung zu verteilen. Essen, Wasser und Arzneimittel sind sehr knapp, ärztliche Behandlungen kaum oder überhaupt nicht möglich. Nach UN-Angaben wurden 1,7 Millionen Menschen durch Kämpfe vertrieben.

Gaza: Zahl der Todesopfer steigt auf fast 15 000

Laut des dortigen von der Hamas kontrollierten palästinensischen Gesundheitsministeriums sind inzwischen fast 15 000 Palästinenserinnen und Palästinenser während des Krieges ums Leben gekommen.

Terroristen der Hamas und anderer Gruppierungen hatten am 7. Oktober im Süden von Israel beispiellose Massaker verübt, rund 1200 Menschen getötet und etwa 240 Geiseln nach Gaza verschleppt - darunter auch Deutsche. Von den 240 Verschleppten wurden bislang vier weibliche Geiseln von der Hamas freigelassen. Eine junge Soldatin konnte vom Militär befreit werden. Die Armee fand zudem die Leichen zweier Frauen. Wie viele insgesamt noch am Leben sind, ist unklar.

Katar in der Vermittlerrolle

Israels Militär flog ab dem 7. Oktober Luftangriffe auf den Gazastreifen und rückte mit Bodentruppen in das Küstengebiet ein. Nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums wurden dabei mehr als 14.500 Menschen getötet. Bei Israels Luftangriffen wurden auch viele Zivilisten getötet. Israels Armee hat erklärt, dass die Hamas zivile Orte für militärische Zwecke nutzt, darunter Krankenwagen und Krankenhäuser. Die Hamas bestreitet dies.

Katar sowie Ägypten hatten in Absprache mit den USA in den vergangenen Wochen zwischen Israel und der Hamas vermittelt. Vor allem Katar hat sehr gute Kontakte zur Hamas, in dem Emirat am Golf lebt auch die Hamas-Führungsspitze.

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