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Hausangestellte versklavt: Gefängnis für vier der reichsten Briten

Die Verteidiger Nicolas Jeandin (links) und Robert Assael (rechts), verlassen das Gerichtsgebäude in Genf. 22. Juni 2024
Die Verteidiger Nicolas Jeandin (links) und Robert Assael (rechts), verlassen das Gerichtsgebäude in Genf. 22. Juni 2024 Copyright Martial Trezzini/' KEYSTONE / MARTIAL TREZZINI
Copyright Martial Trezzini/' KEYSTONE / MARTIAL TREZZINI
Von Christoph Debetseuronews english mit AP
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Ein Genfer Strafgericht hat vier Mitglieder der britisch-indischen Milliardärsfamilie Hinduja wegen Ausbeutung von Hausangestellten zu mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt.

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Die Familie wurde für schuldig befunden, ihren Arbeitern die Pässe abgenommen, ihnen das Ausgehen verboten und sie gezwungen zu haben, bis zu 18 Stunden am Tag zu arbeiten.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft beschrieben die Arbeiter ein „Klima der Angst“, das von Kamal Hinduja geschaffen worden sei. Sie wurden gezwungen, mit wenig oder gar keinem Urlaub zu arbeiten. Sie schliefen im Keller, manchmal auf einer Matratze auf dem Boden.

Das Genfer Strafgericht wies jedoch schwerwiegendere Anklagen wegen Menschenhandels gegen den 79-jährigen Tycoon Prakash Hinduja, seine Frau Kamal, seinen Sohn Ajay und seine Schwiegertochter Namrata mit der Begründung ab, dass die Arbeiter zumindest teilweise verstanden hätten, worauf sie sich einließen.

Die vier Angeklagten wurden zu vier bis viereinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Außerdem müssen sie Schadenersatz in Höhe von 850 000 Franken zahlen.

Die Arbeiter waren größtenteils ungebildete Inder, die nicht in Schweizer Franken, sondern in indischen Rupien entlohnt wurden, die auf indische Bankkonten überwiesen wurden, auf die sie keinen Zugriff hatten.

Die Verteidiger erklärten, sie würden Berufung einlegen.

Robert Assael, ein Anwalt von Kamal Hinduja, sagte, er sei „erleichtert“, dass das Gericht die Anklage wegen Menschenhandels fallen ließ, nannte das Urteil jedoch übertrieben.

„Der Gesundheitszustand unserer Klienten ist sehr schlecht, es sind ältere Menschen“, sagte er und erklärte, warum die Familie nicht vor Gericht erschienen war: Hindujas 75-jährige Frau liege auf der Intensivstation und die Familie sei bei ihr.

Ein fünfter Angeklagter – Najib Ziazi, der Verwalter der Familiengeschäfte – erhielt eine 18-monatige Bewährungsstrafe.

Eine indische Abgeordnete kommentierte den Fall mit den Worten: „Was wir in Indien nicht haben, aber dringend brauchen: Gleichheit vor dem Gesetz.“

Letzte Woche wurde vor Gericht bekannt, dass die Familie mit den Klägern einen Vergleich geschlossen hatte, dessen Einzelheiten nicht genannt wurden. Die Schweizer Behörden haben Diamanten, Rubine, eine Platinkette und anderen Schmuck und andere Vermögenswerte beschlagnahmt, um damit Anwaltskosten und mögliche Strafen zu bezahlen.

Prakash Hinduja leitet zusammen mit drei Brüdern einen Industriekonzern in den Bereichen Informationstechnologie, Medien, Energie, Immobilien und Gesundheitswesen. Das Forbes-Magazin schätzt das Nettovermögen der Familie Hinduja auf rund 18,6 Milliarden Euro. Für die Londoner Sunday Times sind die Hindujas die reichste Familie Grossbritanniens.

Die Familie ließ sich in den 1980er Jahren in der Schweiz nieder, und Hinduja wurde 2007 wegen ähnlicher Anklagen verurteilt. Gegen Hinduja, der im Jahr 2000 die Schweizer Staatsbürgerschaft erhielt, ist ein separates Steuerverfahren der Schweizer Behörden anhängig.

In seiner Urteilsbegründung stellte das Gericht fest, dass die Angeklagten ihre Angestellten ausgebeutet und illegal beschäftigt hatten, ihnen kaum oder gar keine Krankenversicherungsleistungen gewährten und Löhne zahlten, die weniger als ein Zehntel des Lohns für solche Jobs in der Schweiz betrugen.

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