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Berlin reagiert auf die Lage in Venezuela: Krisenstab im Außenministerium

Demonstranten in Venezuela
Demonstranten in Venezuela Copyright  Copyright 2026 The Associated Press. All rights reserved
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Von Sonja Issel
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Nach den von US-Präsident Donald Trump bestätigten Angriffen auf Venezuela haben internationale Reaktionen von scharfer Kritik bis zu diplomatischer Zurückhaltung gereicht. Beobachter warnen vor einer Eskalation und einer weiteren Schwächung des Völkerrechts.

In Deutschland ist am Samstag der Krisenstab der Bundesregierung zusammentreten. Das Auswärtige Amt erklärte, man beobachte die Entwicklungen in Venezuela "sehr aufmerksam" und verfolge die Berichte "mit größter Sorge".

Nach dem Treffen hat das Auswärtige Amt eine Reisewarnung für das gesamte südamerikanische Land erlassen. Deutsche Staatsangehörige in Venezuela seien aufgerufen, an einem sicheren Ort zu bleiben.

Berlin stehe zudem weiterhin in engem Kontakt mit der deutschen Botschaft in Caracas und stimme sich eng mit internationalen Partnern ab.

Merz gibt sich zurückhaltend

Bundeskanzler Friedrich Merz hat sich zurückhaltend zum US-Angriff auf Venezuela und zum Sturz von Staatschef Nicolás Maduro geäußert. Er warnte vor möglichen Folgen für die politische Stabilität des Landes.

"Es gilt, einen geordneten Übergang hin zu einer durch Wahlen legitimierten Regierung zu gewährleisten", erklärte Merz auf X. Zugleich betonte er, die rechtliche Bewertung des US-Einsatzes sei "komplex". Die Bundesregierung werde sich hierfür die notwendige Zeit nehmen.

Mit Blick auf den gestürzten venezolanischen Präsidenten sagte Merz, Maduro habe sein Land "ins Verderben geführt". Die letzte Präsidentschaftswahl sei gefälscht gewesen und daher nicht anerkannt worden - ebenso wenig wie seine Präsidentschaft, erklärte der Kanzler. Zudem habe Maduro durch problematische internationale Allianzen und die Verstrickung Venezuelas in den Drogenhandel eine negative Rolle in der Region gespielt.

Scharfe Kritik aus Parteien

Aus den Parteien kam deutliche Kritik am Vorgehen der USA. Der CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter sprach von einem "Putsch" und warf den Vereinigten Staaten vor, unter Präsident Trump die regelbasierte internationale Ordnung zu verlassen. Venezuela sei zwar ein Unrechtsstaat, stelle jedoch keine unmittelbare Bedrohung für Nachbarländer dar, sagte Kiesewetter der BILD .

Auch der außenpolitische Sprecher der SPD, Adis Ahmetovic, kritisierte den US-Angriff scharf. Er sprach von einer "hochgefährlichen Verschiebung der internationalen Ordnung", so das Nachrichtenportal Reuters. Der Einsatz militärischer Gewalt ohne UN-Mandat und offener Regimewechsel untergrabe das Völkerrecht und ersetze zunehmend "die Stärke des Rechts durch das Recht des Stärkeren" .

Noch weiter ging der Vorsitzende der Linken, Jan van Aken. Er bezeichnete das Vorgehen der USA im Gespräch mit T-Online als "brutalen Staatsterrorismus" und forderte Sanktionen gegen Trump nach dem Vorbild der Maßnahmen gegen Russland wegen des Kriegs gegen die Ukraine .

Die Co-Vorsitzende der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Katharina Dröge, hat von der Bundesregierung eine klare Haltung gefordert. Im Gespräch mit dem RND erklärte sie, dass sich Deutschland nun "für Deeskalation, die Einhaltung des Völkerrechts und die Achtung staatlicher Souveränität" einsetzen müsse.

EU ruft zur Zurückhaltung auf

Auf europäischer Ebene rief die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas nach einem Gespräch mit US-Außenminister Marco Rubio zur Zurückhaltung auf. Zwar habe die EU wiederholt erklärt, dass Maduro die demokratische Legitimität fehle, doch müssten unter allen Umständen die Prinzipien des Völkerrechts und der UN-Charta eingehalten werden, schrieb Kallas auf X. Die Sicherheit europäischer Bürger in Venezuela habe oberste Priorität .

Dieser Einschätzung schloss sich auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen an. Sie erklärte, die Europäische Union verfolge die Lage in Venezuela sehr aufmerksam, stehe an der Seite der venezolanischen Bevölkerung und unterstütze eine friedliche und demokratische Lösung. Jede Lösung müsse im Einklang mit internationalem Recht und der UN-Charta stehen. In enger Abstimmung mit Kallas und den EU-Mitgliedstaaten stelle die Kommission sicher, dass EU-Bürger in Venezuela auf umfassende Unterstützung zählen könnten.

Marie-Agnes Strack-Zimmermann, die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Europäischen Parlament erklärte, US-Präsident Donald Trump und Russlands Präsident Wladimir Putin würden derzeit ihre jeweiligen Einflusszonen manifestieren - unter Missachtung des Völkerrechts.

Trump habe vor dem Angriff auf Venezuela nicht einmal den US-Senat informiert, sagte sie. Putin wiederum führe in "besonders grausamer und blutiger Weise" Krieg gegen die Ukraine. Beide träten das Völkerrecht mit Füßen und ließen sich dabei offenkundig gegenseitig den Raum für ihr Vorgehen.

Zugleich wertete sie das Vorgehen Washingtons als Warnsignal auch an andere Staaten. Es sei eine Botschaft Trumps etwa an Dänemark und Grönland, was er bereit sei zu tun, wenn er seine Interessen nicht auf freiwilligem Weg durchsetzen könne.

Zwar sei Nicolás Maduro ein Diktator, und es sei für Venezuela das Beste, von ihm befreit zu werden. Diese Befreiung müsse jedoch von innen erfolgen, betonte die FDP-Politikerin.

Forderung nach Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats

Auch Russland meldete sich zu Wort. Der Kreml verurteilte den US-Angriff scharf als "bewaffnete Aggression" gegen Venezuela. Das russische Außenministerium forderte zudem einen Dialog zur Verhinderung weiterer Eskalation und sprach sich für eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats aus .

Eine solche Sitzung beantragte auch die venezolanische Regierung selbst. Außenminister Yván Gil erklärte, der Sicherheitsrat müsse im Angesicht der "kriminellen Aggression" seiner Verantwortung gerecht werden und das Völkerrecht verteidigen .

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