Newsletter Newsletters Events Veranstaltungen Podcasts Videos Africanews
Loader
Finden Sie uns
Werbung

Nach Tanker-Kaperung: USA wollen Venezuelas Ölverkäufe „diktieren“

Ein Ölpumpenheber steht unbenutzt in Cabimas, 7. Januar 2026
Ein Ölpumpenheber steht unbenutzt in Cabimas, 7. Januar 2026 Copyright  AP Photo
Copyright AP Photo
Von Euronews
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
Teilen Kommentare
Teilen Close Button
Den Link zum Einbetten des Videos kopieren Copy to clipboard Link kopiert!

Nach der Festnahme von Nicolás Maduro und der Kaperung zweier Tanker kündigen die USA an, venezolanische Ölverkäufe zu kontrollieren. Exporte sollen nur noch über genehmigte Kanäle laufen, die Erlöse werden auf US-kontrollierten Konten verwahrt.

Das Weiße Haus erklärte am Mittwoch, die Entscheidungen der venezolanischen Übergangsregierung würden „von den Vereinigten Staaten diktiert“. Die Reaktion folgt auf die Beschlagnahmung von zwei Öltankern und auf Washingtons Ankündigung, nach der Festnahme von Nicolás Maduro künftig alle Erdölverkäufe des Landes zu kontrollieren.

Pressesprecherin Karoline Leavitt sagte, die Trump-Administration habe nach der Militäroperation, bei der Maduro festgenommen wurde, „maximalen Einfluss“ auf Venezuelas Behörden.

„Wir stehen weiterhin in enger Abstimmung mit den Übergangsbehörden, und ihre Entscheidungen werden weiterhin von den Vereinigten Staaten von Amerika diktiert werden“, sagte Leavitt gegenüber Reportern.

Die US-Streitkräfte beschlagnahmten am Mittwoch nach wochenlanger Verfolgung zwei Schiffe: die Marinera (früher Bella 1) im Nordatlantik und die M Sophia in der Karibik. Beiden Tankern wird vorgeworfen, sanktioniertes venezolanisches Rohöl transportiert zu haben.

Das US-Energieministerium erklärte, Washington werde venezolanische Öltransporte weltweit überwachen. Ausfuhren sollen nur noch über genehmigte Kanäle möglich sein. Der Verkauf von 30 bis 50 Millionen Barrel soll umgehend beginnen. Die Erlöse würden auf von den USA kontrollierten Konten bei internationalen Banken verwahrt.

US-Vizepräsident J.D. Vance sagte, die Kontrolle über das venezolanische Öl ermögliche es Washington, Druck auszuüben, „ohne ein einziges amerikanisches Leben zu verschwenden“.

„Wir kontrollieren die Energieressourcen, und wir sagen dem Regime, dass ihr das Öl verkaufen dürft, solange ihr Amerikas nationalem Interesse dient“, sagte Vance gegenüber Fox News.

Öl als Druckmittel der Trump-Regierung

Die Küstenwache verfolgte die Marinera auf Grundlage einer bundesgerichtlichen Anordnung. Zuvor soll das Schiff geflohen sein, als Beamte am 15. Dezember versucht hatten, es zu entern.

Nach Angaben eines US-Beamten wurde der Tanker danach umbenannt und auf Russland umgeflaggt. Die Besatzung soll zudem eine russische Flagge auf den Rumpf gemalt haben.

Das russische Außenministerium forderte eine rasche Heimkehr der Besatzung. Moskau warf Washington vor, gegen internationales Seerecht zu verstoßen.

Vor der Kaperung sollen ein russisches U-Boot und weitere Schiffe den Tanker eskortiert haben. Die Begleitung habe die Flucht aus der Karibik in Richtung Nordatlantik abgesichert.

Ermittlungen gegen Besatzung laufen

US-Generalstaatsanwältin Pam Bondi sagte, das Justizministerium ermittle gegen Besatzungsmitglieder. Hintergrund sei die Missachtung von Anweisungen der Küstenwache.

Washington hatte die Marinera im vergangenen Jahr auf eine Sanktionsliste gesetzt. Begründet wurde das mit dem Vorwurf, das Schiff habe Fracht für eine mit der Hisbollah verbundene Organisation transportiert.

Das britische Verteidigungsministerium erklärte, britische Streitkräfte hätten die Operation mit Aufklärungsflugzeugen unterstützt. Verteidigungsminister John Healey beschuldigte das Schiff, eine „russisch-iranische Achse der Sanktionsumgehung“ zu unterstützen. Diese Achse finanziere Konflikte in mehreren Regionen.

Die M Sophia hat im Juli aufgehört, ihren Standort zu übermitteln. Analysten von Windward schätzten, dass der Tanker etwa 1,8 Millionen Barrel an Bord hatte, als er Ende vergangenen Monats das Jose-Terminal in Venezuela verließ. Der Wert der Ladung habe zu aktuellen Preisen bei rund 108 Millionen Dollar gelegen.

Heimatschutzministerin Kristi Noem sagte, beide Schiffe gehörten zu einer Schattenflotte alternder Tanker. Diese würde Öl für sanktionierte Länder schmuggeln.

Zusammenarbeit mit den USA "der einzige Weg"

Nach der Militäraktion vom Samstag verließen mindestens 16 Tanker venezolanische Gewässer. Das berichtet die Schiffsverfolgungsorganisation TankerTrackers.com.

Außenminister Marco Rubio sagte, die venezolanischen Übergangsbehörden hätten darum gebeten, das Rohöl der gekaperten Schiffe in das von Trump angekündigte Öltransferabkommen aufzunehmen.

„Die venezolanische Regierung hat verstanden, dass sie nur dann Öl transportieren und Einnahmen erzielen kann, wenn sie mit den Vereinigten Staaten kooperiert und zusammenarbeitet“, sagte Rubio nach einer Unterrichtung von Gesetzgebern vor Reportern.

Die Trump-Administration plant, die Einfuhr von Ölfeldausrüstungen und Dienstleistungen zu genehmigen. Damit solle Venezuelas Produktion auf etwa 1 Million Barrel pro Tag steigen. Beamte sagten, es seien auch Investitionen in das Stromnetz geplant, um die Förderung abzusichern.

Die staatliche Ölgesellschaft PDVSA erklärte, die Verhandlungen mit Washington würden sich an bestehenden Handelsvereinbarungen orientieren. Als Beispiele wurden Kooperationen mit Unternehmen wie Chevron genannt.

Die amtierende Präsidentin Delcy Rodríguez sagte, Venezuela werde Wirtschaftsbeziehungen auf mehreren Kontinenten pflegen. Das Engagement der USA bezeichnete sie als normale diplomatische Praxis.

US-Senator Chris Murphy kritisierte die Strategie nach einer geheimen Unterrichtung am Capitol Hill scharf. Er nannte sie „verrückt“ und warf der Regierung vor, eine gewaltsame Beschlagnahme venezolanischen Erdöls zu planen. Zugleich wolle Washington das Land aus der Ferne steuern.

Leavitt zufolge will sich Trump am Freitag mit US-Erdölmanagern treffen. Thema seien Pläne für den venezolanischen Erdölsektor.

Weitere Quellen • AP

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare

Zum selben Thema

Venezuela: Trump macht Folterknast El Helicoide dicht

Venezuela bewältigt die Folgen der US-Angriffe auf Catia La Mar

Berlin reagiert auf die Lage in Venezuela: Krisenstab im Außenministerium