Syriens Verteidigungsministerium hat in drei Bezirken Aleppos eine Waffenruhe ausgerufen, doch die Feuerpause ist befristet. Während bewaffnete Gruppen die Viertel verlassen sollen, ringen Damaskus und die kurdisch geführten SDF um ein Integrationsabkommen.
Das syrische Verteidigungsministerium hat am Freitag im Morgengrauen in drei Bezirken von Aleppo eine Waffenruhe ausgerufen. Dies könnte ein Ende der seit Tagen andauernden Kämpfe zwischen der Zentralregierung und den kurdisch geführten Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) bedeuten. Die Feuerpause war allerdings befristet und endete am Morgen um 9.00 Uhr Ortszeit (7.00 Uhr MEZ).
Die syrische Armee hatte am Donnerstag intensive Artillerieangriffe auf kurdische Stellungen im Norden Aleppos gestartet. Das Verteidigungsministerium gewährte den bewaffneten Gruppen eine sechsstündige Frist, um die umstrittenen Gebiete zu verlassen. Bewaffnete Gruppen wurden aufgefordert, die Viertel zu räumen; am Morgen sollen dafür Busse bereitgestanden haben.
Fluchtbewegung und zahlreiche zivile Opfer
Beide Seiten beschuldigen sich gegenseitig, die Kämpfe ausgelöst zu haben. Derzeit wird versucht, eine Vereinbarung zur Integration der kurdischen Verwaltung und Armee in die neue Regierung des Landes zu erzielen. Nach Angaben der syrischen Behörden wurden bei den Kämpfen am Dienstag mehr als 140.000 Menschen in die Flucht getrieben. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete von mindestens 43 Toten, darunter viele Zivilisten, und auch Kinder seien unter den Opfern.
Die syrischen Behörden beschuldigen die kurdischen Kräfte, die Regierungstruppen aus dicht besiedelten Vierteln heraus anzugreifen. Der Ministerpräsident der kurdischen Autonomieregion im Nordirak, Masrur Barzani, bezeichnete die Angriffe auf kurdische Stadtviertel in Aleppo jedoch als besorgniserregend.
Der Konflikt ist eine ernsthafte Bewährungsprobe für den syrischen Präsidenten Ahmed al-Sharaa, der versprochen hat, das Land nach 14 Jahren Bürgerkrieg zu vereinen. Die SDF kontrollieren große Teile des ölreichen Nordens und Nordostens Syriens und spielten eine Schlüsselrolle bei der territorialen Niederlage der Gruppe Islamischer Staat 2019 in Syrien.
Türkei signalisiert Unterstützung
Die Türkei hat angedeutet, dass sie bereit ist, die syrische Regierung zu unterstützen, wenn ein formelles Ersuchen gestellt wird. Ein Sprecher des türkischen Verteidigungsministeriums sagte am Donnerstag, Ankara unterstütze die Wahrung der territorialen Integrität und Souveränität Syriens.
Die Türkei betrachtet die von den USA unterstützten SDF als terroristische Organisation. Ankara begründet das damit, dass die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und ihr syrischer Ableger großen Einfluss auf die kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) hätten, die wiederum eine Schlüsselrolle in den militärischen und politischen Entscheidungen der SDF spielten.