Drei Personen sind am Hangar mit dem Privatflugzeug von Bundeskanzler Friedrich Merz im nordrhein-westfälischen Arnsberg festgenommen worden. Polizei und Staatsanwaltschaft gehen davon aus, dass das Trio das Flugzeug "im Rahmen einer Protestaktion" beschädigen wollte.
Klimaaktivisten haben in der Nacht auf Donnerstag den Flugplatz Arnsberg‑Menden (Sauerland) betreten und damit einen Polizeieinsatz ausgelöst: Nach Angaben der Behörden besteht der Verdacht, dass sie das dort abgestellte Privatflugzeug von Bundeskanzler Friedrich Merz beschädigen wollten.
Merz ist als Hobby-Pilot bekannt und fliegt privat eine Diamond DA62.
Drei Verdächtige festgenommen
Die Polizei hat nach eigenen Angaben zwei Frauen und einen Mann im Alter zwischen 23 und 56 Jahren festgenommen, die dem Spektrum der Klimaaktivisten zuzuordnen seien.
„Aufgrund der Umstände des Antreffens ist davon auszugehen, dass sie beabsichtigten, ein derzeit abgestelltes Flugzeug zu beschädigen, welches im Besitz des Bundeskanzlers steht“, heißt es in der Mitteilung.
Zu einer konkreten Aktion sei es jedoch nicht mehr gekommen: „Etwaig beabsichtigte Protestaktionen haben nicht mehr stattgefunden.“ Damit bleibt bislang offen, welche konkrete Art der Beschädigung geplant gewesen sein soll und ob Material dafür mitgeführt wurde.
Ebenso ist zunächst unklar, ob die Ermittler von einer abgestimmten Aktion einer größeren Gruppe oder von einer Einzelinitiative ausgehen. Eine Gruppe namens „Widerstands-Kollektiv“ erklärte laut dpa später in einer Mitteilung, man habe bei einer Protestaktion versucht, das Privatflugzeug von Friedrich Merz „stillzulegen".
Kontrolle führte zum Zugriff
Ausgangspunkt war laut Polizei eine Verkehrskontrolle in der Nähe des Flugplatzes: Eine weitere Person sei dabei aufgefallen und habe angegeben, den Flugplatz zu suchen. Zu dieser Person hätten „polizeiliche Erkenntnisse aus dem Spektrum politisch motivierter Kriminalität“ vorgelegen, daraufhin seien Maßnahmen zur Überprüfung des Flugplatzes eingeleitet worden.
Die drei weiteren Personen seien dann auf dem Gelände angetroffen worden – nachdem sie sich zuvor „unrechtmäßig Zugang verschafft“ hätten. Ob die kontrollierte Person in direktem Zusammenhang mit den Festgenommenen steht, bleibt nach dem Wortlaut der Mitteilung zunächst offen.
Merz steht international im Fokus
Der Vorfall fällt zeitlich in eine Phase, in der Merz ohnehin stark international wahrgenommen wird: Am Vormittag hatte der Bundeskanzler beim Weltwirtschaftsforum in Davos eine Grundsatzrede zur neuen geopolitischen Lage gehalten.
Darin warb er für europäische Geschlossenheit, mehr Verteidigungsfähigkeit und wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit – und plädierte zugleich dafür, NATO und transatlantische Partnerschaft trotz Spannungen nicht vorschnell abzuschreiben.
Auch handelspolitisch setzte Merz Akzente, etwa beim Mercosur-Abkommen und der Kritik an zusätzlicher europäischer Verzögerung. In diesem Kontext trifft ihn der Vorfall zu einem Zeitpunkt, an dem er international Stabilität und Handlungsfähigkeit vermitteln will.
Politisch könnte die Aktion zudem Debatten über die Angemessenheit von Protestformen und deren Grenzen neu anheizen. Ob Merz oder die Bundesregierung noch am Donnerstag reagieren, ist zum jetzigen Stand offen.
Klimaproteste gegen Infrastruktur in der Vergangenheit
In Deutschland gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Protestaktionen von Klimaaktivisten, die sich gezielt gegen Verkehrsinfrastruktur richteten – darunter auch Aktionen an Flughäfen.
Auch Privatflugzeuge waren bereits Ziel von Protesten, etwa bei einer Farbattacke auf Sylt im Jahr 2023. Solche Aktionen sollen meist Aufmerksamkeit erzeugen, werden aber regelmäßig auch wegen Sicherheitsrisiken und Eingriffen in den Betrieb scharf kritisiert.
2024 kam es etwa an mehreren Flughäfen zeitweise zu Störungen, nachdem Aktivisten aufs Gelände gelangt waren und der Flugbetrieb beeinträchtigt wurde.
Sicherheitsbehörden und Betreiber reagieren darauf häufig mit der Debatte über bessere Absicherung von Zäunen, Kontrollpunkten und Rollfeldzugängen.