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Rede in Davos: Europäisches Land mit Gewalt zu erobern sei "nicht akzeptabel"

Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz spricht während der Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums in Davos über eine neue Weltordnung
Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz spricht während der Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums in Davos über eine neue Weltordnung Copyright  AP Photo/Markus Schreiber
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Von Maja Kunert
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Merz zeichnet in Davos das Bild einer rauer werdenden Welt, in der Druckpolitik zunimmt – und leitet daraus einen Vier-Punkte-Plan für Europa ab. Zugleich setzt er Richtung USA klare Grenzen: Gewalt-Drohungen gegen europäisches Territorium seien inakzeptabel und schadeten den Beziehungen.

Bundeskanzler Friedrich Merz hat seine Davos-Rede mit einer Diagnose eröffnet: Die von den USA geprägte Weltordnung löse sich zunehmend auf, die Welt sei in ein „Zeitalter der Großmachtpolitik“ eingetreten. Diese neue Welt werde, so Merz, auf Macht, Stärke und notfalls auch Gewalt gebaut.

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Zugleich betonte er aber, Europa sei dieser Entwicklung nicht ausgeliefert und könne sie mitgestalten. Der Kanzler richtet sich dabei ausdrücklich an die internationale Wirtschaftselite: Europa und Deutschland hätten „die Botschaft verstanden“ und müssten nun entschlossen handeln.

Merz begrüßt Trumps Einlenken - aber zieht rote Linien

In der Rede nahm Merz auch Bezug auf den zuletzt eskalierten Konflikt um Grönland und die Beziehungen zu US-Präsident Donald Trump. Zwar begrüßte erTrumps Einlenken nach einer ersten Einigung im Grönland-Konflikt („dies ist der richtige Weg“), machte aber unmissverständlich klar: Jede Drohung, europäisches Territorium mit Gewalt einzunehmen, sei nicht akzeptabel.

Ebenso deutlich war seine Warnung vor einer Zollspirale: Neue Zölle würden aus seiner Sicht die Grundlagen der transatlantischen Beziehungen untergraben – Europa werde darauf „geschlossen, ruhig, angemessen und stark“ reagieren.

Merz verknüpfte den Grönland-Komplex mit einem größeren sicherheitspolitischen Argument: In einer Welt, in der Großmächte Einflusszonen abstecken, müsse Europa seine Verteidigungsfähigkeit stärken, gleichzeitig aber das Bündnis mit den USA nicht leichtfertig aufs Spiel setzen.

Er warb dafür, die transatlantische Partnerschaft nicht „voreilig abzuschreiben“ und unterstrich die Rolle der NATO als Sicherheitsanker, der auf Vertrauen beruhe. Zugleich rückte er den „hohen Norden“ als strategischen Raum in den Fokus und kündigte an, Deutschland werde Dänemark und Grönland stärker unterstützen und gemeinsam mit den Bündnispartnern mehr zum Schutz vor russischen Bedrohungen beitragen.

Merz’ EU-Agenda: Selbstverteidigung, mehr Wachstum

Inhaltlich spannt Merz daraus eine europäische Arbeitsagenda auf: Die Ukraine müsse weiter unterstützt werden, damit ein „gerechter Frieden“ möglich werde. Europa müsse zudem in der Lage sein, sich selbst zu verteidigen – Merz verbindet das mit dem Anspruch, massiv in die eigene Sicherheit zu investieren.

Ein dritter Schwerpunkt: Abhängigkeiten reduzieren, die Europa verwundbar machen – eine Lehre aus den jüngsten Krisen, die von Energiefragen bis zu Lieferketten und kritischen Technologien reicht.

Viertens müsse die EU sicherstellen, dass ihre Wirtschaft das „volle Potenzial“ ausschöpfen kann; Merz formuliert das als Doppelstrategie, weil Wettbewerbsfähigkeit und geopolitische Gestaltungskraft für ihn zusammengehören.

Mercosur als Stresstest für Europas Handelspolitik

Deutlich wurde Merz auch beim Thema Freihandel: Er stellte das Mercosur-Abkommen als zentralen Hebel für mehr Wachstum dar und nannte es „fair und ausgewogen“. Gleichzeitig kritisierte er das Europäische Parlament, das eine rechtliche Prüfung durch den Europäischen Gerichtshof auf den Weg gebracht hat – aus seiner Sicht ein weiteres Hindernis, das Europa in einer Phase globaler Machtverschiebungen bremse.

Merz’ Botschaft an das Publikum in Davos: Europa werde sich von solchen Rückschlägen nicht aufhalten lassen, sondern aktiv nach neuen Partnerschaften suchen – er erwähnte in diesem Zusammenhang auch Gespräche Richtung Indien sowie weitere Abkommen etwa mit Mexiko und Indonesien.

„Weltmeister der Überregulierung“: Merz fordert Notbremse bei Bürokratie

Innenpolitisch setzte Merz einen der schärfsten Akzente beim Thema Regulierung: Deutschland und Europa hätten „unglaubliches Wachstumspotenzial“ verschenkt, weil Reformen verschleppt worden seien; die EU sei zum „Weltmeister der Überregulierung“ geworden.

Als Gegenrezept wirbt Merz für eine Art Notbremse bei Bürokratie und Gesetzgebung sowie für einen modernisierten EU-Haushalt. Dazu hat er gemeinsam mit Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni Empfehlungen formuliert.

Er verwies auf einen EU-Sondergipfel am 12. Februar, bei dem die Staats- und Regierungschefs über Maßnahmen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit beraten sollen.

Merz nutzte seinen Auftritt beim Weltwirtschaftsforum in Davos, um Europas Kurs in einer unsichereren Welt zu markieren.
Merz nutzte seinen Auftritt beim Weltwirtschaftsforum in Davos, um Europas Kurs in einer unsichereren Welt zu markieren. Copyright 2026 The Associated Press. All rights reserved

Zum Ende seiner Rede stellte Merz eine Regierungslinie in Aussicht, die Sicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und europäische Geschlossenheit zusammen denkt.

Deutschland solle dabei eine Schlüsselrolle übernehmen und das „Schicksal der EU“ aktiv mitgestalten – ohne Alarmismus, aber mit dem Anspruch, auf die Zumutungen der neuen Zeit strukturiert und langfristig zu antworten. Seine Kernbotschaft bleibt damit: Die Welt wird härter, doch Europa kann handlungsfähig sein, wenn es militärisch, wirtschaftlich und politisch zugleich aufrüstet.

Direkt im Anschluss an seine Davos-Rede will Merz nach bisherigen Plänen zum EU-Gipfel nach Brüssel weiterreisen – dort soll unter anderem auch der Grönland-Konflikt weiter beraten werden.

Hier finden Sie weitere Details zu Merz’ Rede in Davos:

Live beendet

Merz beendet seine Rede – keine großen Überraschungen

Zum Schluss seiner Rede sagt Merz: „Meine Regierung wird ihre Hausaufgaben machen und eine Agenda erarbeiten – mit Blick auf Sicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und europäische Geschlossenheit.“

Deutschland wolle dabei eine Schlüsselrolle übernehmen und das Schicksal der EU aktiv mitgestalten, so Merz. In seiner Rede setzte der Bundeskanzler insgesamt auf Besonnenheit und betonte immer wieder Europas Stärke.

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Merz kritisiert Überregulierung deutlich

Deutschland und die Europäische Union hätten nach Worten von Merz Wachstumspotenzial verschenkt. Ein Grund dafür sei Überregulierung. Die Bürokratie in Europa müsse deutlich abgebaut werden.

Merz verweist in diesem Zusammenhang auf den Sondergipfel der EU-Staats- und Regierungschefs am 12. Februar, bei dem ein gemeinsamer Kurs vereinbart werden solle. Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und er hätten dazu bereits Empfehlungen formuliert. Die Verwaltung müsse verschlankt werden.

Auch bei der Kapitalmarktunion müsse es nach Ansicht von Merz vorangehen. Man könne nicht länger hinnehmen, dass „europäische Champions“ von Kapitalmärkten außerhalb Europas abhängen. Unternehmen sollten die Möglichkeit bekommen, in Europa zu wachsen – finanziert in Europa und an europäischen Börsen notiert.

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Ukraine wird am Rande erwähnt

Merz skizziert in Davos vier Baustellen für die EU: Erstens müsse Europa die Ukraine weiter unterstützen – mit dem Ziel eines „gerechten Friedens“.

Zweitens müsse die EU selbst verteidigungsfähig werden; Merz verbindet das mit höheren Investitionen in Sicherheit und verweist darauf, dass Deutschlands Verteidigungsausgaben inzwischen deutlich gestiegen seien.

Drittens gehe es darum, strategische Abhängigkeiten zu reduzieren, die Europa verwundbar machen – ein Punkt, der beim Weltwirtschaftsforum in Davos im Kontext von Lieferketten, Technologie und Energie breit diskutiert wird.

Viertens müsse die europäische Wirtschaft wieder ihr volles Potenzial ausschöpfen, weil Wettbewerbsfähigkeit und geopolitische Handlungsfähigkeit für Merz zusammengehören.

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Mercosur-Abkommen wird zum Thema

Nach den Passagen zu den USA und Grönland schwenkt Merz auf Wirtschaftspolitik um. Er macht sich für das Mercosur-Freihandelsabkommen stark und nennt es einen zentralen Hebel für mehr Wachstum in Europa. Das Abkommen sei „fair und ausgewogen“ und aus seiner Sicht ohne Alternative, wenn Europa wirtschaftlich zulegen wolle.

Kritik übt Merz am Europäischen Parlament: Er bedauere, dass es dem Abkommen „ein Hindernis“ in den Weg gestellt habe. Zugleich betont er: „Wir werden uns nicht aufhalten lassen.“ Merz plädiert dafür, Mercosur notfalls vorläufig anzuwenden.

Hintergrund ist ein Beschluss des EU-Parlaments, das Abkommen dem Europäischen Gerichtshof zur Prüfung vorzulegen. Das könnte die Ratifizierung deutlich verzögern. Theoretisch wäre eine vorläufige Anwendung jedoch schon vorher möglich, wenn die EU-Kommission entsprechend entscheidet.

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"Transatlantische Partnerschaft nicht vorzeitig abschreiben"

Zwischenzeitlich wechselt der Kanzler vom Englischen ins Deutsche. Trotz der Frustration der vergangenen Wochen wirbt er für eine Wiederbelebung der transatlantischen Beziehungen – auch die USA seien darauf angewiesen. „Autokratien mögen Untertanen haben. Demokratien haben Partner und verlässliche Freunde.“

Merz hebt hervor, dass die Verteidigungsausgaben in Deutschland auf fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts gestiegen seien. Er erwähnt zudem Investitionen in die eigene Sicherheit und das Ziel, die Wirtschaft wieder wettbewerbsfähig zu machen. „Wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und das Gestalten globaler Politik sind zwei Seiten derselben Medaille“, so Merz.

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Wolodymyr Selenskyj zu Treffen mit Trump in der Schweiz eingetroffen

In Davos will er am Weltwirtschaftsforum teilnehmen und US-Präsident Donald Trump treffen. Das bilaterale Gespräch ist nach aktuellem Plan gegen 13.00 Uhr (MEZ) angesetzt.

Um 14.30 Uhr soll Selenskyj zudem eine Rede auf Englisch halten. Außerdem nimmt er an einem Panel zur wirtschaftlichen Erholung der Ukraine teil und trifft Vertreter von Energieunternehmen.

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Merz begrüßt Trumps Einlenken und hebt Bedeutung der NATO hervor

Das sei der richtige Weg, denn eine Drohung europäisches Land mit Gewalt zu erobern sei nicht akzeptabel.

Neue Zölle würden die Grundlagen der transatlantischen Beziehungen untergraben.

Merz’ Aussagen zielen auf den eskalierten Streit um Grönland und die damit verknüpften US-Zolldrohungen: US-Präsident Donald Trump hatte zuletzt seinen Anspruch auf Grönland bekräftigt und auch militärische Mittel nicht ausgeschlossen, was europäische Regierungen als unvereinbar mit dem Prinzip territorialer Integrität zurückweisen. Trump hatte im Grönland-Streit damit gedroht, ab dem 1. Februar zusätzliche Strafzölle von 10 Prozent auf Waren aus mehreren europäischen Ländern zu erheben.

"Wir haben einen klaren Kurs", so Merz. Europa müsse in einer „neuen Ära der Großmächte“ entschlossen auftreten, aber am sicherheitspolitischen Fundament – der NATO – festhalten.

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Mehr Schutz im hohen Norden gegen Russlands Bedrohung

"Als NATO-Bündnispartner müssen wir mehr tun, um den hohen Norden zu schützen", betonte der Bundeskanzler. Dies sei ein geteiltes transatlantisches Interesse. Deutschland tue genau das bereits. Zugleich stellte er in Aussicht, dass Deutschland noch mehr tun wird, um Dänemark und Grönland zu unterstützen.

Merz macht deutlich: "Unsere Nachbarn und Partner in Europa, einschließlich Dänemark und die Grönländer, können auf unsere Solidarität bauen." Man werde den hohen Norden vor den Bedrohungen aus Russland schützen.

Kritisch gegenüber den USA äußerte sich Merz an dieser Stelle nicht. Er sagte jedoch, dass die NATO-Bündnispartner enger zusammenarbeiten müssten.

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Merz: "Eine Welt in der nur Macht zählt, ist eine gefährliche Welt"

Bundeskanzler Friedrich Merz spricht zu Beginn seiner Rede über die Weltordnung, die sich in seinen Augen stark verändert habe. Washington reagiere darauf laut Merz mit einer radikalen Veränderung der Außenpolitik. Damit adressiert er auch US-Präsident Donald Trump.

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Mögliches Thema neben Grönland: Mercosur-Streit in Brüssel

Neben der geopolitisch aufgeladenen Grönland-Debatte könnte Merz in Davos auch die Handelspolitik als zweites großes Thema setzen. Denn in Brüssel sorgt das Mercosur-Abkommen gerade für neue Unruhe.

 

Das Europäische Parlament hat beschlossen, das Mercosur-Abkommen vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) überprüfen zu lassen. Merz nannte die Entscheidung „bedauerlich“ und drängt darauf, das Abkommen vorläufig anzuwenden, weil die Bundesregierung von der Rechtmäßigkeit überzeugt sei.

Der Kanzler argumentiert damit in einer Phase, in der die EU angesichts eines weniger verlässlichen US-Handelspartners verstärkt nach neuen Freihandelsoptionen sucht – und genau diesen Punkt dürfte er auch in Davos betonen.

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Merz beim Weltwirtschaftsforum in Davos

Guten Morgen aus Berlin.

Heute spricht Bundeskanzler Friedrich Merz auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Wir werden Sie über die die Entwicklungen und Schlüsselmomente seiner Rede auf dem Laufenden halten.

Die Rede soll planmäßig um 9:30 Uhr beginnen.

(Symbolbild)

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