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"Deutschland besonders verwundbar" – Ökonom warnt vor Trump-Schock

US-Präsident auf der Wiese des Weißen Hauses, Washington, D.C., 20. Januar 2026
US-Präsident auf der Wiese des Weißen Hauses, Washington, D.C., 20. Januar 2026 Copyright  AP Photo
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Von Laura Fleischmann
Zuerst veröffentlicht am
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Zölle, Drohungen, Machtspiele: Trump bringt Europa in Bedrängnis. Deutschland gilt als besonders anfällig. Experten warnen vor Handelskrieg und eskalierendem US-Druck.

Der Dealmaker hat die NATO erfolgreich in die Mangel genommen: Mit seinen Zolldrohungen erwirkte der US-Präsident eine Vereinbarung zu Grönland. Wochenlang schwebte das Trumpsche Damoklesschwert über Europa: Militärische Gewalt und Handelszölle aus Übersee schienen unabwendbar.

Ein Glücksfall für Deutschland, dass es nun doch anders gekommen ist. Denn wie der Ökonom Markus Jaeger Euronews erklärt, ist die Bundesrepublik deutlich "verwundbarer als die meisten anderen europäischen Länder". Jaeger lehrt an der Columbia University in New York und ist Associate Fellow der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP).

Das gehe zum einen auf die "hohe Exportorientierung" zurück und zum anderen auf die "wirtschaftliche Stagnation", so der Experte für US-Außenwirtschaftspolitik. Auch die verstärkte Konkurrenz aus China bereite Deutschlands Wirtschaft Schwierigkeiten.

US-Präsident Trump und Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) vor dem Weißen Haus, Washington, D.C. am 5. Juni 2025
US-Präsident Trump und Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) vor dem Weißen Haus, Washington, D.C. am 5. Juni 2025 Copyright 2025 The Associated Press. All rights reserved

Ob Handelsstreit mit der EU oder die Grönland-Frage: Zölle sind Trumps politisches Druckmittel Nummer eins, um Regierungen auf Linie zu bringen. Doch der Werkzeugkasten der US-Administration ist gut gefüllt: "Washington könnte drohen, Europa mit Hilfe von Exportkontrollen von kritischen Technologien abzuschneiden", warnt Jaeger.

Als Beispiel nennt der Ökonom "Cloud Computing", eine zentrale Technologie für die Online-Speicherung von Daten. Sie wird unter anderem von Dropbox oder Google Drive genutzt. Auch Streamer wie Netflix und Spotify setzen auf die Technologie.

Ebenfalls denkbar seien Finanzsanktionen, mit denen "europäische Unternehmen und Banken vom amerikanischen Finanzsystem" ausgeschlossen werden könnten, so Jaeger. "Das sei allerdings weniger wahrscheinlich neue Zolldrohungen oder diskriminierende Maßnahmen gegen europäische Unternehmen, die auch in den USA tätig sind."

Wie Europa zurückschlagen kann

Für jetzt scheint zumindest die Grönland-Gefahr gebannt. Doch nach der Zolldrohung scheint mittlerweile vor der Zolldrohung zu sein.

Im Falle weiterer Zolldrohungen ist das A und O für Europa: Stärke signalisieren. Deutschland und Europa sollten sich "entschlossen" dagegenstellen, fordert Jaeger. Europa sei in der Lage, den Vereinigten Staaten "empfindliche Kosten aufzuerlegen". In der Vergangenheit habe sich immer wieder gezeigt, dass die Trump-Administration "bereit ist, Drohungen und 'unfreundliche' Maßnahmen zurückzunehmen, wenn die Kosten für Amerika drohen, zu hoch zu werden."

Druck aufbauen könnte die EU, wenn es hart auf hart kommt, mit ihrem neuen Anti-Coercion-Instrument, so der Ökonom. Es erlaubt der EU "weitreichende handels- und investitionspolitische" sowie "regulatorische Vergeltungsmaßnahmen". Gleichzeitig müsse Kompromissbereitschaft ausgestrahlt werden.

Perspektivisch könnte es zu einem "unwiderruflichen Bruch in den transatlantischen Beziehungen kommen, sowohl was die sicherheitspolitischen als auch die wirtschaftspolitischen Beziehungen anbetrifft", so Jaeger. Amerikas Glaubwürdigkeit hätte seit Trumps zweiter Amtszeit gelitten.

Kritisch seien insbesondere die Präsidentschaftswahlen 2028, sagt Jaeger. "Sollte ein America First-Kandidat wie Vizepräsident J.D. Vance die Wahlen gewinnen, dann könnte sich Amerikas Rückzug aus der internationalen Politik beschleunigen."

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