Heute tritt eine aktualisierte EU-Verordnung in Kraft. Sie nimmt Russland in die Liste der Hochrisiko-Länder auf, wegen unzureichender Bekämpfung von Geldwäsche sowie Terrorismusfinanzierung. Welche Auswirkungen hat das auf Unternehmen und in der EU lebende Russen?
Die EU hat Russland offiziell als Hochrisikoland für Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung eingestuft. Der entsprechende Beschluss wurde Anfang Dezember gefasst und trat nach der Zustimmung durch das Europäische Parlament und den Europäischen Rat in Kraft.
Zur Begründung verwiesen die Abgeordneten vor allem darauf, dass Russland den Krieg gegen die Ukraine mithilfe von Korruption finanziere, um internationale Sanktionen zu umgehen. Zudem verwiesen sie auf das hohe Maß an Korruption und organisierter Kriminalität im Land, die eng mit staatlichen Strukturen verflochten seien.
In einem veröffentlichten Dokument begründete die EU ihre Entscheidung wie folgt:
"Im Rahmen der Bewertung wurden mehrere strategische Schwachstellen festgestellt, insbesondere im Hinblick auf die russischen Rechtsvorschriften und Strategien zur Unabhängigkeit der Finanzfahndungsstelle und deren Fähigkeit zur Zusammenarbeit mit entsprechenden Stellen anderer Länder, auf die Transparenz von Informationen über wirtschaftliche Eigentümer, auf die Verfügbarkeit und Genauigkeit von Daten sowie auf die Anwendung von Vorschriften zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung im Bereich von Kryptoanlagen. Diese Mängel setzen den Binnenmarkt erheblichen Risiken aus, die es zu minimieren gilt."
Nicht identisch mit der FATF-Schwarzen Liste
Die EU-Liste ist nicht mit der schwarzen Liste der Financial Action Task Force (FATF) identisch. Russland steht bislang nicht auf dieser Liste der weltweit einflussreichsten Organisation zur Bekämpfung von Geldwäsche. Ein wesentlicher Grund dafür ist der Widerstand Chinas, Indiens, Saudi-Arabiens und Südafrikas.
Russland ist seit 2003 Mitglied der FATF, seine Mitgliedschaft wurde jedoch 2023 infolge des groß angelegten Krieges gegen die Ukraine ausgesetzt. Seitdem drängt Kyjiw darauf, Moskau wegen seiner Bedrohung der globalen Finanzsicherheit sowie seiner engen Beziehungen zum Iran und zu Nordkorea – beide seit Langem auf der schwarzen Liste – vollständig zu sanktionieren.
Die schwarze Liste der EU wurde zuletzt am 5. August 2025 aktualisiert. Neu aufgenommen wurden Algerien, Angola, Côte d’Ivoire, Kenia, Laos, Libanon, Namibia, Nepal, Venezuela sowie das Fürstentum Monaco. Zu den ersten gelisteten Staaten gehörten bereits 2016 Nordkorea, Afghanistan, Iran und Syrien. Seit 2023 steht auch Südafrika auf der EU-Liste, obwohl es weiterhin Vollmitglied der FATF ist.
Folgen für Unternehmen und Privatpersonen
Als Hochrisikoland wird Russland künftig einem deutlich stärkeren wirtschaftlichen Druck ausgesetzt sein. Es ist zu erwarten, dass die EU ihre Sanktionen weiter verschärft und wirtschaftliche Beziehungen noch stärker einschränkt.
Für Finanzinstitute bedeutet die Entscheidung insbesondere deutlich strengere Kontrollen. Wie Politico berichtet, sind Banken künftig verpflichtet, sämtliche Transaktionen mit Russland einer verstärkten Sorgfaltspflicht zu unterziehen. Konkret heißt das: Alle Transaktionen mit Bezug zu Russland werden von europäischen Banken zusätzlich geprüft. Die Eröffnung von Konten, grenzüberschreitende Zahlungen und die Abwicklung von Transaktionen werden dadurch erheblich komplizierter und zeitaufwendiger.
Bislang galten Finanzbeschränkungen nur für einzelne, ausdrücklich sanktionierte Organisationen. Nach der neuen Regelung müssen in der EU ansässige Finanzinstitute nun sämtliche Transaktionen mit russischen Unternehmen und Privatpersonen melden und besonders sorgfältig prüfen – selbst dann, wenn sie über Drittländer abgewickelt werden. Bei Unklarheiten über die wirtschaftlich Berechtigten können Banken detaillierte Nachweise verlangen oder Transaktionen vollständig verweigern.
Auswirkungen auf Handel und Energieimporte
Die erschwerten Finanztransaktionen könnten den EU-Ausstieg aus russischen Energieimporten weiter beschleunigen. Nach Einschätzung des polnischen Zentrums für Oststudien (OSW) stellt die verschärfte Prüfung von Finanzströmen ein erhebliches Hindernis für die Zusammenarbeit mit russischen Unternehmen dar und dürfte den Handel weiter schrumpfen lassen.
Bereits im dritten Quartal 2025 sank das Handelsvolumen zwischen der EU und Russland auf rund 13 Milliarden Euro – den niedrigsten Stand seit 2002. Der Anteil Russlands am EU-Außenhandel liegt inzwischen bei etwa 1 Prozent. Erdgas (3 Mrd. Euro) und Rohöl (0,9 Mrd. Euro) bleiben zwar die wichtigsten Importgüter, spielen insgesamt jedoch nur noch eine untergeordnete Rolle.
Folgen für Drittstaaten und russische Bürger
Die EU-Entscheidung erhöht auch die Risiken für Drittstaaten mit engen Wirtschaftsbeziehungen zu Russland. Banken aus Ländern wie China, Indien oder den Vereinigten Arabischen Emiraten könnten gezwungen sein, ihre Zusammenarbeit mit russischen Partnern einzuschränken, um keine Probleme mit europäischen Banken zu riskieren. Für Russland bedeutet dies höhere Transaktionskosten, längere Abwicklungszeiten und zusätzlichen Druck, alternative Zahlungssysteme – etwa auf Basis von Kryptowährungen – auszubauen.
Experten gehen davon aus, dass die Maßnahme vor allem die russische Bevölkerung treffen wird, insbesondere Menschen, die in der EU leben oder regelmäßig das europäische Finanzsystem nutzen. Bereits heute werden russischen Staatsbürgern häufig Konten gesperrt oder Dienstleistungen verweigert – offiziell aufgrund interner Bankrichtlinien, faktisch jedoch wegen des Status Russlands als Hochrisikoland.
Mit der Aufnahme auf die schwarze Liste werden die verschärften Kontrollen ausnahmslos alle Russen betreffen, darunter auch Oppositionelle, Journalisten und Personen, die seit vielen Jahren in der EU leben. Banken werden die Herkunft von Geldern intensiver prüfen, zusätzliche Dokumente anfordern und Transaktionen bis zur Klärung blockieren. Die Bearbeitung von Zahlungen wird langsamer, und einige Transaktionen könnten durch automatische Compliance-Systeme vollständig abgelehnt werden.
Auch Banken in Zentralasien, die derzeit häufig für Geldüberweisungen russischer Bürger genutzt werden, geraten zunehmend unter Druck. Sie müssen sich entscheiden, ob sie weiterhin mit russischen Kunden arbeiten oder das Risiko eingehen, Korrespondenzkonten in der EU zu verlieren.