Trotz mehrerer verdächtiger Explosionen im Iran kam es am frühen Sonntag zu keinem größeren Militärschlag. Angesichts der anhaltenden Diplomatie und der Gerüchte über mögliche Uranlieferungen an die Türkei sowie einer massiven US-Marinepräsenz ist nur eines klar: Es bleibt ungewiss, welche Maßnahmen Trump tatsächlich ergreifen wird.
Zu einem Zeitpunkt, an dem international mit einem möglichen US-Militärschlag gegen den Iran gerechnet wurde, blieb eine größere Eskalation zunächst aus. Gleichwohl wurden in mehreren iranischen Städten Explosionen gemeldet. Die schwerwiegendste ereignete sich in der südlichen Hafenstadt Bandar Abbas. Berichte deuteten darauf hin, dass eine Einrichtung des Korps der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) oder der regulären Streitkräfte betroffen gewesen sein könnte. Offizielle Stellen in Teheran wiesen diese Darstellung jedoch umgehend zurück.
Bereits wenige Wochen vor dem zwölftägigen Krieg im vergangenen Juni war eine schwere Explosion in Bandar Abbas von den Behörden ebenfalls als "Unfall" eingestuft worden.
Vor dem Hintergrund der verstärkten US-Marinepräsenz im Persischen Golf und wachsender Erwartungen an ein mögliches Eingreifen Washingtons scheinen diplomatische Initiativen aus der Region eine kurzfristige Entscheidung der US-Regierung erneut hinauszuzögern.
"Positive" Entwicklungen bei Verhandlungen verkündet
Katars Außenminister reiste zuletzt nach Teheran und traf dort mit Ali Laridschani, dem Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrates des Iran, zusammen. Laridschani sprach im Anschluss von positiven Entwicklungen im Dialog mit den Vereinigten Staaten.
Parallel dazu kursieren Berichte, wonach Teheran im Rahmen von Vermittlungsbemühungen des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan bereit sein könnte, angereichertes Uran vorübergehend in die Türkei zu überführen. Eine offizielle Bestätigung dafür liegt bislang nicht vor.
Israel wies unterdessen jede Beteiligung an der Explosion in Bandar Abbas zurück. Der israelische Generalstabschef erklärte, aus israelischer Sicht könne ein möglicher US-Angriff auf iranische Ziele in einem Zeitraum von zwei Wochen bis zwei Monaten erfolgen.
Unklar bleibt, welche strategische Linie US-Präsident Donald Trump letztlich verfolgt – und inwieweit Irans Oberster Führer Ali Khamenei weiterhin die maßgebliche Entscheidungsgewalt innehat. Verschiedene Einschätzungen deuten auf Spannungen innerhalb der iranischen Führung hin. Während Khamenei Berichten zufolge grundlegende Zugeständnisse gegenüber den Vereinigten Staaten ablehnt, sprechen sich andere einflussreiche Akteure für einen pragmatischeren Kurs aus.
Gleichzeitig ist offen, wie belastbar die jüngsten Drohgebärden aus Teheran sind. Iranische Abgeordnete traten zuletzt demonstrativ in Uniformen der Revolutionsgarden im Parlament auf und skandierten antiamerikanische Parolen. Der Parlamentspräsident warnte zudem, EU-Mitgliedstaaten sollen künftig als "terroristische Akteure" behandelt werden. Auch Khamenei richtete eine deutliche Warnung an Washington: Sollte es zu einem Angriff kommen, werde dieser unweigerlich zu einem regionalen Krieg führen. Zwar betonte er, der Iran strebe keine Konfrontation an, kündigte jedoch eine entschlossene Reaktion im Falle eines Angriffs an.
Unstimmigkeit bei Nachbarländern
Eine Schlüsselrolle kommt in dieser Phase den Nachbarstaaten Irans zu. Diese verfolgen offenbar unterschiedliche Ansätze im Umgang mit der Krise. Während Saudi-Arabien und Katar Berichten zufolge nicht abgestimmt agieren, positioniert sich die Türkei weiterhin als möglicher Vermittler zwischen Teheran und Washington.
Die kommenden Wochen dürften entscheidend sein. Klar ist bereits jetzt, dass die massive US-Marinepräsenz in der Region Teil eines strategischen Kalküls ist. Angesichts der hohen politischen und wirtschaftlichen Kosten einer offenen militärischen Intervention – insbesondere mit Blick auf die globalen Energiemärkte – gehen einige Analysten davon aus, dass Washington zunächst auf eine Strategie maximalen Drucks setzt. Dazu zählen unter anderem die Kontrolle der Straße von Hormus, gezielte Maßnahmen gegen den iranischen Handel sowie wirtschaftliche Abschottung.
Aus dieser Perspektive könnte eine langfristige militärische und wirtschaftliche Einkreisung des Iran für die US-Regierung als wirksames, vergleichsweise kostengünstiges Instrument erscheinen – nicht zuletzt vor dem Hintergrund möglicher erneuter Proteste innerhalb des Landes.