Brutaler Übergriff im Regionalexpress: Nachdem ein 36-jähriger Zugbegleiter bei einem Angriff während der Ticketkontrolle getötet wurde, fordert die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG Maßnahmen gegen die täglichen Angriffe.
Ein Fahrgast in einem Regionalzug in Rheinland-Pfalz konnte kein Ticket vorweisen - bei der Kontrolle eskaliert die Situation, der Zugbegleiter wird zusammengeschlagen und schwer verletzt. Trotz Wiederbelebungsversuchen noch im Zug hat der 36-Jährige nicht überlebt.
Die Chefin der Deutschen Bahn, Evelyn Palla, zeigt sich getroffen und schrieb in einem Beitrag auf der Plattform LinkedIn, der Tod des Mitarbeiters mache sie "fassungslos und traurig".
"Wir alle bei der Deutsche Bahn verurteilen diesen schrecklichen Gewaltexzess und den völlig sinnlosen Tod des Kollegen aufs Schärfste. Wir alle müssen uns die Frage stellen, warum es immer wieder zu solchen Gewaltausbrüchen kommt", schrieb sie weiter. Es sei ein schwarzer Tag für alle Eisenbahnerinnen und Eisenbahner, ihr tiefes Mitgefühl gelte seinen Angehörigen, Freunden und Kollegen.
Auch die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft hat ihr Beileid bekundet und zu einer Schweigeminute aufgerufen. "Heute steht die Eisenbahnerfamilie still", sagte der Vorsitzender der EVG, Martin Burkert.
Politik fordert schärfere Strafen
"Und ab morgen erhöhen wir nochmal den Druck. Dieser brutale Überfall muss jetzt ein Umdenken einleiten", sagte Burkert weiter. "Wir erwarten, dass die Politik jetzt sofort Maßnahmen für mehr Sicherheit ergreift. So ein Fall darf sich niemals wiederholen."
"Es ist furchtbar, dass ein Kundenbetreuer bei der normalen Ausübung seiner Arbeit ums Leben kommt – getötet durch rohe und sinnlose Gewalt", heißt es aus dem Bundesverkehrsministerium.
Die Behörde fordert: "Wir müssen gemeinsam mehr tun für den Schutz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Züge und Bahnhöfe müssen sicher sein. Alle staatlichen Ebenen sind jetzt gefragt, der steigenden Gewaltbereitschaft Einhalt zu gebieten."
"Die steigende Gewalt gegenüber Mitarbeitern des öffentlichen Dienstes und anderen Dienstleistern wie den Mitarbeitern der Bahn braucht entschiedene Konsequenzen", so auch Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU). Er fordert, dass der Schutz deutlich verschärft werden müsse. "Der Strafrahmen muss ausgeweitet und die Mindeststrafen für Angriffe deutlich erhöht werden."
"Einem Menschen ist brutal das Leben genommen worden, nach allem, was wir wissen, nur deshalb, weil er seiner beruflichen Verantwortung nachgekommen ist. So eine Tat verstört zutiefst",erklärt auch Justizministerin Stefanie Hubig.
"Unser Rechtsstaat kennt auch bei den brutalsten Verbrechen keine Sprachlosigkeit", sagt sie weiter. "Auf die Tötung eines Menschen stehen in unserem Strafgesetzbuch schwere Strafen. Der Täter wird für diese Tat zur Verantwortung gezogen werden."
2025: Fast 3.000 Bahnmitarbeiter Opfer von Straftaten
Angriffe auf Bahnmitarbeiter und Beamte der Bundespolizei sind inzwischen Tagesgeschäft, wie aktuelle Zahlen des Innenministeriums zeigen. Eine entsprechende Anfrage stellte der Linke-Politiker Dietmar Bartsch für den Zeitraum Januar bis November 2025.
Pro Tag kam es demnach zu durchschnittlich fünf körperlichen Angriffen auf Beschäftigte der Deutschen Bahn im Dienst. Auch Bedrohungen ohne körperliche Auseinandersetzung sind an der Tagesordnung: sie kommen durchschnittlich viermal täglich vor.
Bei der Hälfte der Übergriffe ist das Zugpersonal im Regionalverkehr betroffen, wie der damalige Bahnchef Richard Lutz im vergangenen Jahr mitgeteilt hatte. Aber auch Reinigungskräfte oder Servicekräfte am Bahnhof oder Kundenberater oder Busfahrer seien angegriffen worden.
Seit 2024 stattet die Bahn ihre Mitarbeiter für den Kontakt mit Fahrgästen im Nahverkehr schrittweise und auf freiwilliger Basis mit Bodycams aus.
Wie das Innenministerium mitteilte, wurden von Januar bis Ende Oktober 2025 insgesamt 2.987 Beschäftigte der Deutschen Bahn Opfer von Straftaten. Darunter waren 1.148 Fälle von Bedrohung, 1.231 Fälle von Körperverletzung und 324 Fälle von gefährlicher Körperverletzung.