"Leonardo" ist der nächste Sturm in einer langen Unwetterkette auf der Iberischen Halbinsel. Nach fünf Toten und Hunderten Verletzten in Portugal in der vergangenen Woche bringt das neue Tief erneut Starkregen und Überschwemmungen – Tausende müssen ihre Wohnungen verlassen.
Die durch Sturm "Leonardo" ausgelösten Überschwemmungen haben die Iberische Halbinsel hart getroffen. In Portugal und Spanien mussten Tausende Menschen ihre Häuser verlassen. Schulen blieben geschlossen, der Zugverkehr wurde teils eingestellt.
In Portugal starb ein Mann in seinen 60ern. Nach Angaben des nationalen Katastrophenschutzes wurde er von der Strömung mitgerissen, als er versuchte, mit dem Auto durch ein überflutetes Gebiet im Südosten des Landes zu fahren. "Ein Fahrzeug wurde mit einem Insassen gefunden, es gibt also einen Toten", sagte ein Sprecher. Der Vorfall ereignete sich demnach nahe eines Staudamms in der Gemeinde Serpa.
Spanien: Alarmstufe Rot in Andalusien
In Spanien setzte der staatliche Wetterdienst AEMET Teile Andalusiens wegen "außergewöhnlichen" Regens auf die höchste Warnstufe Rot. Die Behörden warnten vor Überschwemmungen und Erdrutschen.
Andalusiens Katastrophenschutzchef Antonio Sanz bezeichnete die Lage in der Bergregion um Grazalema als "sehr besorgniserregend".
In Grazalema fielen innerhalb von 24 Stunden mehr als 40 Zentimeter Regen. Zum Vergleich: Das entspricht in etwa der Niederschlagsmenge, die in manchen Regionen Deutschlands in mehreren Monaten zusammenkommen kann.
Rund 3.500 Menschen wurden in Andalusien evakuiert. Hunderte Soldaten unterstützten die Rettungsdienste. Die Schulen blieben in fast der gesamten Region geschlossen, Ausnahmen gab es nur im äußersten Osten.
Auch der Verkehr war stark betroffen: Zahlreiche Straßen wurden gesperrt, vielerorts fielen Vorort-, Regional- und Fernzüge aus. Ersatzbusse konnten teilweise nicht fahren, weil die Straßenverhältnisse zu gefährlich waren.
Portugal: Noch geschwächt von Sturm "Kristin"
In Portugal verschärft "Leonardo" eine ohnehin angespannte Lage. Erst in der vergangenen Woche hatte Sturm "Kristin" das Land getroffen. Dabei kamen mindestens fünf Menschen ums Leben, Hunderte wurden verletzt. Zehntausende Haushalte waren zeitweise ohne Strom.
Der Katastrophenschutz meldete seit Sonntag mehr als 3.300 Einsätze, vor allem wegen Überschwemmungen, umgestürzter Bäume und Erdrutschen. Insgesamt waren demnach mehr als 11.000 Einsatzkräfte im Einsatz. In Zentralportugal wurden am Mittwoch rund 200 Bewohner vorsorglich evakuiert.
In Alcácer do Sal, südlich von Lissabon, trat der Fluss Sado über die Ufer. Das Wasser überflutete unter anderem eine zentrale Straße in der Stadt.
Weitere Verschärfung erwartet
Umweltministerin Maria da Graça Carvalho sagte am Mittwochnachmittag, man sei sehr besorgt über die Entwicklung am kommenden Tag. Dann werde eine "Extremsituation" erwartet. Laut Prognosen des portugiesischen Wetterdienstes könne sich das Wetter am Wochenende weiter verschlechtern. Zudem kündigte Carvalho für Beginn der kommenden Woche einen weiteren "Höhepunkt" der Unwetterlage an.
Am stärksten betroffen sind nach derzeitiger Lage die Region Lissabon und die Algarve im Süden.