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Vom Strand auf die Olympia-Eisbahn: Wie Jamaika im Bob Geschichte schrieb

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jamaika team bobsledding Copyright  Copyright 2022 The Associated Press. All rights reserved
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Von Giorgia Orlandi
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Der jamaikanische Bob, der 1988 in Calgary zum ersten Mal an den Start ging, hat sich zu einer der berühmtesten Geschichten der Winterspiele entwickelt. In Mailand Cortina 2026 kehrt Jamaika zurück, um zwischen dem 15. und 22. Februar im Monobob der Frauen und den Trials der Männer anzutreten.

Die Tage von Calgary 1988 sind lange vorbei. Doch Jamaika ist bis heute das tropische Land mit der größten Präsenz bei Olympischen Winterspielen. Die Geschichte begann mit Michael White als Bremser, Dudley Stokes als Fahrer sowie Devon Harris und Chris Stokes – dem Team, mit dem Jamaika sein Debüt im Viererbob gab.

Einige von ihnen wurden nach einer sorgfältigen Auswahl unter Athleten rekrutiert, die sich eigentlich auf die Sommerspiele 1988 in Seoul vorbereiteten. Andere kamen aus den Reihen der Armee.

Hinter diesem ungewöhnlichen Projekt stand George Fitch, damals Handelsattaché an der US-Botschaft in Kingston. Er gilt bis heute als Initiator des Bobsports in "tropischer" Variante.

So außergewöhnlich wie die Idee selbst waren auch die Profile der Athleten: White war Mannschaftssprinter der Armee, Harris lief die 800 Meter, Dudley Stokes war ursprünglich Hubschrauberpilot.

Zwar qualifizierte sich das Quartett nicht für den vierten Lauf. Doch allein der Einstieg in die olympische Welt des Wintersports – und die individuellen Geschichten der Beteiligten – hinterließen Spuren. Sie inspirierten sogar den Disney-Film "Cool Runnings", der in der italienischen Fassung unter dem Titel "Quattro sottozero" erschien.

Und es blieb nicht bei diesem einen Auftritt: Die karibischen Athleten nahmen seither an neun Olympischen Winterspielen teil – auch für die Spiele 2026 in Mailand-Cortina ist Jamaika qualifiziert. Ihr Beispiel ermutigte andere Länder mit ähnlichen klimatischen Bedingungen, etwa Mexiko, Puerto Rico und Brasilien, eigene Bobteams zu gründen.

Alles begann mit einem Straßenkart-Rennen

Obwohl das Team heute in Evanston im US-Bundesstaat Wyoming trainiert, fanden die ersten Versuche in Jamaika statt – mit improvisierten Straßenkarren.

Als die beiden US-Geschäftsleute George Fitch und William Maloney ein traditionelles Kartrennen beobachteten, kamen sie auf die Idee, ein jamaikanisches Bobteam zu gründen. Sie wollten die naheliegendste Stärke der einheimischen Athleten nutzen: ihre Schnelligkeit.

Auswahl für die Olympischen Spiele

Die ersten Trainingseinheiten unter Leitung des US-Trainers Pat Brown, die in den USA und in Österreich stattfanden, verliefen holprig. Dennoch fiel das sportliche Potenzial der vier Athleten dem internationalen Verband auf, der dem Team schließlich die Teilnahme an den Winterspielen in Calgary ermöglichte.

Kurz vor dem Wettkampf verletzte sich Allen Caswell, ursprünglich als viertes Teammitglied vorgesehen. Für ihn rückte Chris Stokes nach, ebenfalls Sprinter, der eigentlich nur angereist war, um seinen Bruder Dudley anzufeuern.

Das Ergebnis ist bekannt: Das Duo Stokes und White belegte Rang 30. Das Rennen des Viererbobs endete im vorletzten Lauf mit einem schweren Sturz.

Mailand-Cortina 2026

Bei den Spielen 2026 in Mailand-Cortina wird Jamaika sowohl im Frauen- als auch im Männerbob vertreten sein. Im Frauenbob tritt Mica Moore an, eine ehemalige britische Athletin, die sich entschieden hat, für Jamaika zu starten.

Im Männerbereich geht das Team mit zwei Schlitten ins Rennen. Im Viererbob starten Shane Pitter, Andrae Dacres, Junior Harris und Tyquendo Tracey. Im Zweierbob übernimmt Shane Pitter die Rolle des Fahrers; der Bremser wird aus Joel Fearon, Junior Harris und Nimroy Turgott ausgewählt.

Die kommenden Rennen

Das bislang beste jamaikanische Ergebnis bleibt Rang 14 im Zweierbob der Männer bei den Winterspielen 1994 in Lillehammer.

In den vergangenen Jahren hat sich die Disziplin weiterentwickelt – insbesondere durch die Einführung des Frauenbobs. Das eröffnet neue Perspektiven und erlaubt es dem Team, mit einem strukturierteren und langfristig angelegten Projekt anzutreten.

Die nächsten Wettkämpfe finden zwischen dem 15. und 22. Februar auf der Bahn von Cortina d’Ampezzo statt. Den Auftakt macht der Monobob der Frauen am 15. und 16. Februar. Es folgen der Zweierbob der Männer am 16. und 17. Februar sowie der Viererbob am 21. und 22. Februar.

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