Neue Dokumente und Zeugenaussagen haben das Interesse an der "Zorro Ranch" von Jeffrey Epstein wieder aufleben lassen. Der verurteilte Sexualstraftäter hatte mehrere Residenzen im US-Bundesstaat New Mexico.
Die Behörden im US-Bundesstaat New Mexiko haben ihre Ermittlungen zur Zorro Ranch wieder aufgenommen. Neue Dokumente deuten darauf hin, dass auf der abgelegenen Residenz, die einst dem Milliardär und verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein gehörte, schwerwiegende Staftaten begangen worden sein könnten.
Das weitläufige Anwesen, bekannt als Zorro Ranch, erwarb Epstein 1993 vom ehemaligen demokratischen Gouverneur Bruce King. Der Finanzmogul erbaute auf dem Gelände eine imposante, 2 480 Quadratmeter große Villa auf einem Hügel sowie eine private Landebahn, die einen diskreten Zugang zu der Residenz ermöglichte. Die Ranch befindet sich in einer abgelegenen Gegend Dutzende Kilometer außerhalb von Santa Fe und ist eine von fünf Immobilien, die Jeffrey Epstein in New Mexiko besaß.
Ausländische Minderjährige erwürgt und vor Ort begraben?
In den jüngsten Veröffentlichungen des US-Justizministeriums finden sich Tausende Hinweise auf die Ranch. Unter anderem wurde in einer anonymen E-Mail aus dem Jahr 2019 behauptet, dass zwei ausländische Minderjährige dort erwürgt und in den Hügeln in der Nähe des Anwesens vergraben worden seien. Diese Behauptungen haben Staatsanwälte und Strafverfolgungsbehörden alarmiert.
In den vom Justizministerium publik gemachten Dokumenten ist von Drohnen, Schusswaffengebrauch auf einem Schießstand der Ranch sowie medizinischen und genetischen Experimenten die Rede, ohne dass dafür Beweise vorgelegt werden. Es tauchen zudem zahlreiche Fotos auf. Mehrere Frauen, darunter Virginia Giuffre, die Hauptanklägerin von Prinz Andrew, berichten, sie seien auf der Ranch missbraucht worden.
Zu den VIP-Besuchern der Ranch sollen Woody Allen, Prinz Andrew und der französische Pianist Frédéric Chaslin gehören. In einer Mitteilung an französische Medien behauptet der inzwischen 63-jährige Musiker Chaslin, er sei nur ein einziges Mal zusammen mit seiner damaligen Freundin auf der Ranch in New Mexiko gewesen. Epstein habe ihn dort mit zwei volljährigen russischen Assistentinnen empfangen.
"Wahrheitskommission" soll Dokumente prüfen
Die Abgeordneten von New Mexico haben zudem einstimmig die Einsetzung einer parteiübergreifenden Kommission beschlossen. Die sogenannte "Wahrheitskommission" soll Zeugenaussagen von Überlebenden sammeln, Beweise prüfen und klären, ob es auf der Ranch zu sexuellem Missbrauch, Kinderhandel oder anderen kriminellen Aktivitäten gekommen ist. Offenbar gibt es Zweifel daran, dass in der Vergangenheit alles gründlich genug untersucht wurde.
Der Generalstaatsanwalt hat unzensierte Kopien von wichtigen E-Mails angefordert und arbeitet mit anderen Behörden zusammen, um das in den kürzlich entsiegelten Akten enthaltene Material zu untersuchen. Bislang war die Ranch nicht Gegenstand gründlicher bundesstaatlicher Ermittlungen. Dabei hatten viele Opfer traumatische Erlebnisse beschrieben, die sie in den Jahren erlitten, als Epstein die Ranch kontrollierte.
Nach Epsteins Tod in einer Gefängniszelle in New York im Jahr 2019, während er auf seinen Prozess wartete, blieb das Anwesen zunächst in den Händen seiner Erben. 2023 wurde die Ranch an die Familie von Don Huffines verkauft, einem Kandidaten der republikanischen Partei aus Texas. Der Erlös der Transaktion ging an die Gläubiger von Epsteins Nachlass.
Huffines erklärte auf X, das Anwesen sei in Ranch San Rafael umbenannt worden - nach einem Heiligen, der Heilung verspricht. Seine Familie plane, die Residenz in einen christlichen Rückzugsort zu verwandeln.