Fertiggerichte aus der Mikrowelle wirken praktisch. Doch ein neuer Bericht zeigt, wie stark sie unsere Gesundheit und die Umwelt belasten können.
Fertiggerichte für die Mikrowelle sind an hektischen Tagen kaum zu schlagen. Doch sie könnten unsere Gesundheit und die Umwelt unbemerkt stark belasten, warnt ein neuer Bericht.
Die Analyse (Quelle auf Englisch) von Greenpeace International nimmt 24 aktuelle wissenschaftliche Studien zu den verborgenen Gesundheitsrisiken von in Plastik verpackten Fertiggerichten unter die Lupe.
Sie zeichnet ein düsteres Bild: Hunderttausende winzige Plastikpartikel gehen in unsere Nahrung über, zusammen mit gefährlichen Chemikalien, die weitreichende Folgen für die Gesundheit haben könnten.
„Viele Menschen glauben, sie treffen eine harmlose Wahl, wenn sie ein in Plastik verpacktes Gericht kaufen und in der Mikrowelle erhitzen“, sagt Graham Forbes, globaler Leiter der Plastik-Kampagnen bei Greenpeace USA.
„In Wirklichkeit sind wir einem Cocktail aus Mikroplastik und gefährlichen Chemikalien ausgesetzt, der in oder in der Nähe von Lebensmitteln nichts verloren hat.“
Und die Belastung endet nicht in unserem Körper. Plastikschalen und -folien verschmutzen entlang ihres gesamten Lebenszyklus – von der Förderung der fossilen Rohstoffe über die energieintensive Herstellung bis zur Entsorgung.
Wenn diese Einwegverpackungen im Müll landen, lassen sich ihre mehrschichtigen Materialien nur schwer recyceln. Zerfallen sie in Mikro- und Nanoplastik, sammeln sich die winzigen Fragmente in Böden, Flüssen und Meeren, schaden Tieren und gelangen wieder in unsere Nahrungskette.
Selbst wenn Kunststoffe im Kreislauf gehalten werden, verschlechtern sie sich in der Qualität und können gefährliche Zusatzstoffe erneut in neue Produkte einbringen.
Sind Fertiggerichte in Plastik sicher zum Aufwärmen und Essen?
Fertiggerichte mit dem Hinweis „mikrowellengeeignet“ vermitteln Verbraucherinnen und Verbrauchern womöglich eine trügerische Sicherheit, warnt der Bericht.
Der Aufdruck bezieht sich in der Regel nur darauf, dass der Behälter stabil bleibt – nicht darauf, ob er Mikroplastik oder chemische Zusätze an die Speisen abgibt.
Eine Studie stellte fest, dass bereits nach fünf Minuten in der Mikrowelle zwischen 326.000 und 534.000 Mikro- und Nanoplastikpartikel in sogenannte Lebensmittelsimulanzien übergingen. Nanoplastik ist so klein, dass es möglicherweise in Organe und den Blutkreislauf eindringen kann.
Kunststoffe enthalten zudem mehr als 4.200 gefährliche Chemikalien. Die meisten sind in Lebensmittelverpackungen kaum geregelt, einige stehen laut Bericht im Zusammenhang mit Krebs, Unfruchtbarkeit, hormonellen Störungen und Stoffwechselerkrankungen.
Mindestens 1.396 Chemikalien aus kunststoffbasierten Lebensmittelkontaktmaterialien wurden bereits in menschlichen Körpern nachgewiesen. Immer mehr Hinweise verknüpfen diese Belastung mit neuroentwicklungsstörungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Fettleibigkeit und Typ-zwei-Diabetes.
Hohe Temperaturen, längere Erhitzungszeiten, abgenutzte Behälter und fettreiche Speisen – sie nehmen besonders viele Stoffe auf – steigern laut Bericht deutlich die Menge an Plastikpartikeln und Zusatzstoffen, die in eine Mahlzeit übergehen.
Weltweit reichen die Vorgaben zu Mikroplastik aus Lebensmittelverpackungen bei weitem nicht aus, heißt es weiter. Die anhaltende Verharmlosung durch Teile der Industrie habe dazu beigetragen, dass strengere Regeln auf sich warten lassen.
Mikroplastik aus Lebensmittelverpackungen beschäftigt Europa zunehmend
In der Europäischen Union etwa werden Kunststoffe mit Lebensmittelkontakt über sogenannte Migrationsgrenzwerte für bekannte Chemikalien reguliert, auf Grundlage von Bewertungen der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). Für Mikroplastikpartikel gibt es bislang jedoch keine spezifischen Schwellenwerte.
In einer E-Mail an Euronews Green erklärt EFSA, sie sei sich der „wachsenden Besorgnis bezüglich der Migration von Mikroplastik aus Lebensmittelverpackungen“ bewusst und habe das Thema bereits 2021 als vordringlich eingestuft.
Seitdem weist die Behörde auf Wissenslücken in der Lebensmittelbranche hin – etwa auf den Bedarf an harmonisierten Testmethoden, umfassenden Expositionsdaten entlang der gesamten Lieferkette und belastbaren Bewertungen der Gesundheitsrisiken.
Sie betont außerdem, wie wichtig es ist zu verstehen, welchen Anteil Verarbeitung und Verpackung von Lebensmitteln an der Freisetzung von Mikro- und Nanoplastik haben.
Nach einer jüngsten Auswertung der wissenschaftlichen Literatur zu dem Thema verweist EFSA auf weitere Datenlücken. So müsse genauer untersucht werden, welcher Belastung durch Mikro- und Nanoplastik aus Lebensmittelkontaktmaterialien Menschen tatsächlich ausgesetzt sind, damit sichere Migrationswerte festgelegt werden können.
Auf Antrag des Europäischen Parlaments führt EFSA derzeit eine umfassende Bewertung der möglichen Gesundheitsrisiken von Mikroplastik in Lebensmitteln, Wasser und Luft durch. Ergebnisse werden Ende 2027 erwartet.
Plastikverschmutzung nimmt rasant zu
Die weltweite Kunststoffproduktion dürfte sich bis 2050 mehr als verdoppeln. Verpackungen machen einen großen Teil davon aus: Nach Analysen der Internationalen Energieagentur entfallen derzeit 36 Prozent aller Kunststoffe auf Verpackungsmaterial.
Schon heute hat der Markt für in Plastik verpackte Fertiggerichte einen Wert von mehr als 160 Milliarden Euro. Bis 2034 könnte er auf fast 300 Milliarden Euro anwachsen, schätzt die globale Unternehmensberatung Towards FnB – angetrieben vom anhaltenden Trend zur Bequemlichkeit.
Im Jahr 2024 wurden weltweit 71 Millionen Tonnen Fertiggerichte produziert. Das entspricht im Schnitt rund dreizehn Kilogramm pro Person, wie Marktdaten des Statistikportals Statista zeigen.
Greenpeace fordert, Kunststoffe mit Lebensmittelkontakt im geplanten UN-Globalabkommen zu Kunststoffen deutlich strenger zu kontrollieren. Gefährliche Zusatzstoffe sollten demnach schrittweise aus dem Verkehr gezogen werden, statt vor allem auf nachgelagertes Recycling zu setzen.
„Das Risiko ist offensichtlich, die Einsätze sind hoch, und gehandelt werden muss jetzt“, sagt Forbes.