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Trügen „mikrowellengeeignet“-Label? Neuer Bericht warnt vor Risiken für Gesundheit und Umwelt

In Fertiggerichten aus der Mikrowelle steckt oft ein ganzer Chemiecocktail.
In Ihrem Mikrowellen-Fertiggericht steckt womöglich ein Chemie-Cocktail. Copyright  Canva
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Von Angela Symons
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Fertiggerichte aus der Mikrowelle sind praktisch. Ein neuer Bericht zeigt jedoch, wie stark sie unserer Gesundheit und dem Planeten schaden können.

Fertiggerichte für die Mikrowelle sind an hektischen Tagen kaum zu schlagen. Ein neuer Bericht warnt jedoch, dass sie unsere Gesundheit und die Umwelt massiv belasten könnten.

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Die Studie (Quelle auf Englisch) von Greenpeace International wertet vierundzwanzig aktuelle wissenschaftliche Arbeiten zu den versteckten Gesundheitsrisiken von in Plastik verpackten Fertiggerichten aus.

Das Bild ist düster: Hunderttausende winzige Plastikteile gelangen zusammen mit gefährlichen Chemikalien in unser Essen und könnten weitreichende Folgen für die Gesundheit haben.

„Viele Menschen glauben, sie treffen eine harmlose Entscheidung, wenn sie ein Gericht in Plastik verpackt kaufen und in der Mikrowelle erhitzen“, sagt Graham Forbes, globaler Leiter der Plastik-Kampagne bei Greenpeace USA.

„In Wirklichkeit setzen wir uns einem Cocktail aus Mikroplastik und gefährlichen Chemikalien aus, der in unserer Nahrung nichts zu suchen hat.“

Die Belastung endet nicht im menschlichen Körper. Plastikschalen und -folien verschmutzen entlang ihres gesamten Lebenszyklus: von der Förderung fossiler Brennstoffe über die energieintensive Herstellung bis zur Entsorgung.

Am Ende landen diese Einwegverpackungen im Müll. Ihre mehrschichtigen Materialien lassen sich nur schwer recyceln. Zerfallen sie zu Mikro- und Nanoplastik, sammeln sich die Partikel in Böden, Flüssen und Meeren an, schaden Tieren und kehren über die Nahrungskette auf unseren Teller zurück.

Selbst wenn sie im Kreislauf gehalten werden, verliert Plastik an Qualität und kann gefährliche Zusatzstoffe wieder freisetzen, die dann in neuen Produkten landen.

Sind Fertiggerichte in Plastikverpackungen sicher zum Erwärmen und Essen?

Fertiggerichte mit dem Hinweis „mikrowellengeeignet“ vermitteln Verbraucherinnen und Verbrauchern laut Bericht oft eine trügerische Sicherheit.

Die Kennzeichnung bezieht sich in der Regel nur auf die Stabilität des Behälters. Ob dabei Mikroplastik oder chemische Zusatzstoffe in das Essen übergehen, bleibt offen.

Eine der ausgewerteten Studien fand nach nur fünf Minuten in der Mikrowelle zwischen 326.000 und 534.000 Mikro- und Nanoplastikpartikel, die in Testlösungen übergingen. Nanoplastik ist so klein, dass die Teilchen möglicherweise in Organe und in den Blutkreislauf gelangen.

Kunststoffe enthalten zudem mehr als 4.200 gefährliche Chemikalien. Die meisten sind in Lebensmittelverpackungen nicht reguliert, einige stehen laut Bericht im Verdacht, Krebs zu begünstigen sowie Unfruchtbarkeit, Hormonstörungen und Stoffwechselerkrankungen zu fördern.

Mindestens 1.396 Chemikalien aus Lebensmittelkunststoffen wurden bereits im menschlichen Körper nachgewiesen. Immer mehr Studien bringen die Belastung mit neuroentwicklungsbedingten Störungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Fettleibigkeit und Typ-2-Diabetes in Verbindung.

Hohe Temperaturen, längere Erhitzungszeiten, abgenutzte Behälter und fettreiche Speisen, die besonders viele Chemikalien aufnehmen, erhöhen die Menge an Plastikpartikeln und Zusatzstoffen im Gericht deutlich, heißt es in dem Bericht.

Weltweit reichen die bestehenden Vorgaben zu Mikroplastik aus Lebensmittelverpackungen dem Bericht zufolge nicht aus. Das beharrliche Abwiegeln der Branche habe strengere Regeln immer wieder verzögert.

Mikroplastik aus Lebensmittelverpackungen ist in Europa ein wachsendes Problem

In der Europäischen Union etwa gelten für Kunststoffe mit Lebensmittelkontakt sogenannte Migrationsgrenzwerte für bekannte chemische Stoffe, auf Basis von Gutachten der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (ESFA). Konkrete Grenzwerte für Mikroplastikpartikel gibt es jedoch bisher nicht.

In einer E-Mail an Euronews Green erklärte die ESFA, sie sei „sich der wachsenden Sorge bezüglich der Migration von Mikroplastik aus Lebensmittelverpackungen bewusst“ und habe das Thema bereits 2021 als vordringlich eingestuft.

Seitdem weist die Behörde immer wieder auf Wissenslücken in der Lebensmittelbranche hin. Dazu zählen der Bedarf an harmonisierten Testmethoden, umfassenden Expositionsdaten entlang der gesamten Lieferkette und belastbaren Bewertungen der Gesundheitsrisiken.

Außerdem hebt sie hervor, wie wichtig es ist zu verstehen, welchen Anteil Verarbeitung und Verpackung von Lebensmitteln an der Freisetzung von Mikro- und Nanoplastik haben.

Nach einer jüngsten Auswertung der wissenschaftlichen Literatur zu dem Thema verweist die ESFA auf weitere Datenlücken. Unter anderem müsse die Belastung durch Mikro- und Nanoplastik aus Materialien mit Lebensmittelkontakt genauer untersucht werden, damit sichere Migrationsgrenzwerte festgelegt werden können.

Eine laufende Bewertung der möglichen Gesundheitsrisiken durch Mikroplastik in Lebensmitteln, Trinkwasser und Luft führt die ESFA derzeit im Auftrag des Europäischen Parlaments durch. Ergebnisse werden Ende 2027 erwartet.

Plastikverschmutzung nimmt rasant zu

Die weltweite Plastikproduktion dürfte sich bis 2050 mehr als verdoppeln. Verpackungen machen dabei einen großen Anteil aus. Nach Analysen der Internationalen Energieagentur entfallen derzeit 36 Prozent des global produzierten Plastiks auf Verpackungen.

Fertiggerichte in Plastikverpackungen haben schon heute einen Marktwert von mehr als 160 Milliarden Euro. Bis 2034 könnte dieser nach Berechnungen der globalen Beratungsfirma Towards FnB auf fast 300 Milliarden Euro steigen, weil viele Menschen weiterhin auf bequeme Lösungen setzen.

Im Jahr 2024 wurden weltweit 71 Millionen Tonnen Fertiggerichte produziert. Das entspricht im Schnitt 12,6 Kilogramm pro Person, zeigt eine Marktanalyse von Statista.

Greenpeace fordert, Kunststoffe mit Lebensmittelkontakt im geplanten UN-Plastikabkommen strenger zu regulieren. Gefährliche Zusatzstoffe sollten demnach schrittweise aus dem Verkehr gezogen werden, statt auf nachgelagertes Recycling zu setzen.

„Das Risiko ist eindeutig, die Folgen wären gravierend, und die Zeit zum Handeln ist jetzt“, sagt Forbes.

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