Steigende Temperaturen setzen Akkus in E-Autos stärker zu. Die schnellere Alterung kann für Unentschlossene über den Umstieg entscheidend sein.
Der Klimawandel bringt die Umstellung auf Elektrofahrzeuge in eine Zwickmühle, doch Fortschritte bei der Batterietechnik könnten den steigenden Temperaturen einen Schritt voraus sein.
Aus Sorge um die Umwelt sind in den vergangenen Jahren viele Menschen auf Elektroautos umgestiegen. Nach Daten des Europäischen Automobilherstellerverbands (ACEA) überholten reine Stromer in der EU im Dezember 2025 erstmals die Verkaufszahlen von reinen Benzinern.
Obwohl die EU ihre Abgasvorgaben für Neuwagen ab 2035 etwas abgeschwächt hat, wurden im vergangenen Jahr auch mehr Hybridfahrzeuge zugelassen. Bis Ende 2025 gingen Neuzulassungen von Benzinern um 18,7 Prozent zurück, alle großen Märkte verzeichneten Rückgänge.
Ein entscheidender Hinderungsgrund bleibt aber die Frage, wie gut Elektroautos mit extremen Wetterbedingungen klarkommen.
Bremsen die steigenden Temperaturen den Absatz von Elektroautos?
Das Jahr 2025 war weltweit und in Europa das drittwärmste seit Beginn der Aufzeichnungen. Die globale Durchschnittstemperatur lag bei 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau.
Nach Angaben des Copernicus-Wetterdienstes liegt das vor allem an der Anreicherung von Treibhausgasen in der Atmosphäre und den steigenden Meeresoberflächentemperaturen, beides verstärkt durch menschliche Aktivitäten.
Eine Studie des britischen Magazins What Car? (Quelle auf Englisch) aus dem Jahr 2025 ergab, dass Elektroautos bei Temperaturen zwischen 32 und 44 Grad bis zu 44 Prozent ihrer angegebenen Reichweite einbüßen können.
Der Elektroautohersteller Polestar betont, dass die Temperatur einen großen Einfluss auf den Verschleiß der Batterien hat, weil sie die chemischen Reaktionen im Inneren verändert.
„Kälte bremst alle Vorgänge, hohe Temperaturen beschleunigen sie. Dadurch können unerwünschte Reaktionen entstehen, die die Batterie schneller altern lassen“, so das Unternehmen.
Eine Studie der Universität Michigan kommt jedoch zu dem Schluss, dass jüngste Fortschritte bei der Batterietechnik den durch den Klimawandel verursachten Verschleiß bereits mehr als ausgleichen könnten.
Das Forschungsteam verglich die Lebensdauer älterer Batterien aus den Jahren 2010 bis 2018 mit neuen Modellen aus dem Zeitraum 2019 bis 2023.
In einem Szenario, in dem sich die Erde im Schnitt um zwei Grad erwärmt, würde die Lebensdauer dieser älteren Batterien um bis zu 30 Prozent sinken.
Bei den neueren Batterien stellten die Forschenden dagegen fest, dass die durchschnittliche Lebensdauer nur um rund drei Prozent abnimmt, im Extremfall um höchstens zehn Prozent.
Mehr Vertrauen in Elektroautos, aber nicht überall
„Durch die technischen Fortschritte sollten Verbraucherinnen und Verbraucher mehr Vertrauen in die Batterien ihrer Elektroautos haben, selbst in einer wärmeren Zukunft“, sagt Haochi Wu, Hauptautor der Studie, die im Fachjournal Nature (Quelle auf Englisch) erschienen ist.
Seniorautor Michael Craig weist jedoch auf einen wichtigen Vorbehalt hin: Das Team arbeitete nur mit zwei repräsentativen Modellen, einem Tesla Model 3 und einem Volkswagen ID.3.
„In Regionen wie Europa und den USA glauben wir, die dort eingesetzte Batterietechnologie gut zu kennen“, sagt Craig.
„In Städten in Indien oder in Subsahara-Afrika kann die Fahrzeugflotte jedoch ganz anders aussehen - und das ist sehr wahrscheinlich auch so. Für diese Regionen könnten unsere Ergebnisse daher zu optimistisch sein.“
Viele dieser Regionen werden die Folgen des Klimawandels besonders stark zu spüren bekommen. Das zeige, so die Forschenden, wie die Erderwärmung bestehende Ungleichheiten noch verschärft.