In Akrotiri auf Zypern wurde am Freitagmorgen erneut Alarm ausgelöst. Die Behörden stellen die Bevölkerung darauf ein, dass solche Warnungen künftig häufiger kommen könnten. Dahinter steht ein proaktives Frühwarnsystem.
Am Freitagmorgen wurde im Gebiet der britischen Basen in Akrotiri auf Zypern erneut Alarm ausgelöst: Sirenen ertönten, und die Behörden aktivierten die Warnprotokolle für die Bewohner. Kurz darauf wurde Entwarnung gegeben.
Begleitet wurde die Entwicklung von einer gemeinsamen Erklärung der britischen Basen und der zyprischen Regierung. Darin heißt es, dass Alarme in der kommenden Zeit häufiger auftreten könnten. Zugleich wurde betont, dass dies keine unmittelbare Gefahr für ganz Zypern bedeutet, sondern Teil eines vorsorglichen Warnmechanismus ist – als Reaktion auf mögliche Bedrohungen aus der weiteren Region.
Der Alarm am Morgen und die Botschaft an die Bevölkerung
Um 09:58 Uhr wurden die Sirenen in der Region Akrotiri erneut ausgelöst und setzten die Alarmsysteme in Gang. Akrotiri ist eine der beiden britischen "Sovereign Base Areas" auf Zypern – also britisch verwaltete Militärgebiete aus der Kolonialzeit, die bis heute bestehen.
Nach Angaben des Bürgermeisters von Kourion, Pantelis Georgiou. Kourion ist eine Gemeinde im Bezirk Limassol; der Name ist vielen auch durch die nahegelegene antike Ausgrabungsstätte bekannt. Dabei erhielten die Bewohner des Bezirks Akrotiri zeitgleich eine Nachricht der britischen Basen mit Verhaltenshinweisen.
In der Mitteilung war von einer möglichen Sicherheitsbedrohung die Rede. Die Bürger wurden aufgefordert, bis zu weiteren offiziellen Informationen in ihren Häusern zu bleiben. Dazu gehörte auch die Empfehlung, sich von Fenstern fernzuhalten und hinter oder unter stabilen Möbeln Schutz zu suchen.
Kurze Zeit später gaben die Behörden das Ende der Warnung bekannt; auch Reisebeschränkungen wurden wieder aufgehoben.
Vorsorgewarnung und Luftraumüberwachung
Die zyprischen Behörden haben in den vergangenen Tagen mehrfach erklärt, dass viele Warnungen vorsorglicher Natur sind. Frühwarnsysteme werden demnach bereits dann aktiviert, wenn Radar fliegende Objekte in großer Entfernung erfasst – auch wenn sich später herausstellt, dass diese nicht auf Zypern zusteuern.
In diesem Zusammenhang wird betont, dass Sirenen nicht automatisch eine akute Bedrohung bedeuten, sondern Teil eines umfassenderen Überwachungs- und Präventionssystems sind.
Nach Angaben des Bürgermeisters von Kourion wurden zudem direkte Kommunikationskanäle eingerichtet, etwa über Viber (ein in Zypern weit verbreiteter Messenger-Dienst) sowie per SMS. So sollen Informationen bei neuen Warnungen schneller übermittelt werden können.
Christodoulides: Angriffe zielen auf britische Stützpunkte
Der Präsident der Republik Zypern, Nikos Christodoulides, erklärte am Freitag im Vorfeld eines Treffens mit der Führung des britischen Auslandsgeheimdienstes MI6, dass die bislang verzeichneten Angriffe nicht auf die Republik Zypern selbst, sondern auf die britischen Basen auf der Insel zielten.
In einem Interview mit dem griechischen Fernsehsender SKAI sagte er, die registrierten Vorfälle hätten offenbar ihren Ursprung im Libanon. Er stehe in ständigem Kontakt mit dem libanesischen Präsidenten, um die Lage eng zu verfolgen.
Zudem verwies Christodoulides darauf, dass Zypern über eigene, deutlich aufgerüstete Verteidigungssysteme verfüge – ergänzt durch zusätzliche Sicherheit, die sich aus der Präsenz der britischen Basen sowie aus Kooperationsabkommen mit europäischen Staaten ergebe.
Europäischer "Sicherheitsschirm"
Der Präsident hob insbesondere die Entsendung griechischer Fregatten und Kampfflugzeuge nach Zypern hervor und bezeichnete dies als eine der wichtigsten Entwicklungen in der Geschichte des Landes. Die Entscheidung sei nach einem Ersuchen um Verstärkung in bestimmten Bereichen gefallen – nach Gesprächen mit dem griechischen Premierminister sowie nach Abstimmungen zwischen den Verteidigungsministerien beider Länder.
Christodoulides betonte außerdem, es sei das erste Mal, dass die Europäische Union so direkt reagiere – sowohl auf Ebene der Institutionen als auch durch konkrete Maßnahmen einzelner Mitgliedstaaten.
Kontrolle von Schutzräumen und Stärkung des Katastrophenschutzes
Im Zuge der in den letzten Tagen getroffenen Maßnahmen finden derzeit landesweite Kontrollen von Zivilschutzunterkünften statt. Auslöser waren auch Beiträge in sozialen Medien, in denen Bürger den schlechten Zustand einzelner Schutzräume dokumentierten.
Die Sprecherin des Innenministeriums, Margarita Kyriakou, teilte mit, dass rund 90 Personen in spezialisierten Teams im Einsatz sind. Dazu gehören Mitarbeiter des Zivilschutzes, des Jagddienstes sowie der Provinzverwaltungen.
Ziel der Inspektionen ist es festzustellen, welche Schutzräume noch verfügbar und funktionstüchtig sind, und den Eigentümern Anweisungen zur Reinigung und Instandhaltung zu geben. Schutzräume, die für andere Zwecke umgebaut wurden, sollen aus der "SAFE CY"-Anwendung gestrichen werden. Dabei handelt es sich um eine offizielle App, über die unter anderem Informationen zu Notfallinfrastruktur abrufbar sind.
Neue Systeme zur Warnung der Bevölkerung
Als Teil des Frühwarnsystems für Notfälle soll in nächster Zeit außerdem ein neuer Test zum Versand von Textnachrichten an die Bevölkerung durchgeführt werden. Kyriakou zufolge ist dies als zusätzliche Informationsmaßnahme gedacht – parallel zu Sirenen, Apps lokaler Behörden, Updates des Zivilschutzes und in einzelnen Fällen sogar Hausbesuchen.
Ein neues Warnsystem soll voraussichtlich ab Juni einsatzbereit sein: Es soll den geografischen Standort über das Mobilfunksignal erfassen und Warnungen gezielt an Personen senden, die sich in Gebieten mit potenzieller Gefahr befinden.