Südlich von Kreta und rund um Gavdos häufen sich die Notrufe: Binnen zwei Tagen wurden dort Hunderte Menschen aus überfüllten Booten gerettet, teils mit Unterstützung von Frontex. Allein am Freitag erreichten fast 400 Migranten über die Route aus Libyen das Seegebiet vor Griechenland.
Die Zahl der Menschen, die über das Mittelmeer nach Griechenland gelangen, ist in den vergangenen Tagen deutlich gestiegen. Besonders südlich von Kreta und rund um die Insel Gavdos häufen sich derzeit Rettungseinsätze.
Die griechische Küstenwache ist dort nahezu durchgehend im Einsatz, teils unterstützt von der EU-Grenzschutzagentur Frontex.
Rettungsserie am Freitag
Seit Freitagmorgen wurden binnen weniger Stunden mehrere Boote entdeckt und Menschen aus Seenot gerettet. Gegen 4.20 Uhr beteiligte sich ein Frontex-Schiff an der Rettung von 55 Personen südlich von Gavdos. Kurz darauf nahm ein Frachter unter der Flagge von Antigua und Barbuda 60 weitere Menschen an Bord.
Wenig später brachten Einsatzkräfte erneut 57 Personen mit Unterstützung von Frontex in Sicherheit, weitere 32 wurden von der griechischen Küstenwache gerettet. Noch vor Sonnenaufgang waren damit insgesamt 209 Menschen aus Seenot geborgen.
Am Morgen setzte sich die Serie fort: Gegen 7 Uhr rettete die Küstenwache weitere 55 Personen, einige Stunden später nochmals 54. Kurz vor 8 Uhr entdeckte Frontex ein weiteres Boot. Daraufhin brachte die Küstenwache 48 Menschen südlich von Kales Limeni in Sicherheit. Kurz nach 9 Uhr wurden vor Agia Galini weitere 39 Personen gerettet, ebenfalls unter Beteiligung von Frontex.
Insgesamt erreichten am Freitag damit fast 400 Migranten über die Route von Libyen nach Griechenland das Seegebiet südlich von Kreta.
Mehr als 200 Menschen bereits am Donnerstag gerettet
Schon am Donnerstag hatte es mehrere Einsätze gegeben. Am Mittag informierte die zentrale Such- und Rettungsleitstelle die Hafenbehörden von Kales Limeni und Agia Galini: Ein Boot mit Migranten an Bord war rund 55 Seemeilen südlich von Kales Limeni in Seenot geraten.
Insgesamt wurden 106 Menschen gerettet, darunter 99 Männer, eine Frau und sechs Minderjährige. Sie wurden zunächst nach Kales Limeni gebracht und anschließend unter Begleitung von Küstenwache und Polizei nach Heraklion überstellt. Dort sollten sie von den zuständigen Behörden registriert werden.
Nach Angaben der Geretteten waren sie am Abend des 3. März 2026 aus der Region um Tobruk in Libyen gestartet. Für die Überfahrt hätten sie jeweils zwischen 11.000 und 13.000 libysche Dinar bezahlt.
Hohe Preise für die Überfahrt
Ein weiteres Rettungsschiff entdeckte am frühen Morgen ein Boot etwa 41 Seemeilen südlich von Gavdos. Ein Containerschiff unter Hongkong-Flagge nahm 47 Männer an Bord. Zur gleichen Zeit sichtete ein Frachter unter liberianischer Flagge ein weiteres Boot und rettete 26 Männer. Sie wurden nach Kali Limenes gebracht und anschließend ebenfalls nach Heraklion überstellt, wo ihre Registrierung erfolgen sollte.
Nach Angaben dieser Gruppe waren sie in den frühen Morgenstunden des 4. März 2026 ebenfalls aus der Region Tobruk gestartet. Die Kosten für die Überfahrt hätten bei etwa 15.000 libyschen Dinar pro Person gelegen.
Am Donnerstagmittag retteten schließlich ein Frontex-Schiff und ein Tanker unter libyscher Flagge weitere 59 Menschen, 58 Männer und eine Frau. Sie wurden auf ein Patrouillenboot der griechischen Küstenwache gebracht und in den Hafen von Agia Galini transportiert. Von dort aus wurden sie mit einem Bus zu einer vorläufigen Unterkunft in der Region gebracht.