Teheran beschuldigt Washington, eine Shahed-ähnliche Drohne zu entwickeln, um arabische Länder anzugreifen. Zudem bezeichnete Außenminister Araghchi Russland und China als "strategische Partner" und erklärte, die Zusammenarbeit mit ihnen umfasse politische, wirtschaftliche und militärische Bereiche.
Der iranische Außenminister Abbas Araghchi betonte, dass der laufende Krieg zwischen seinem Land, den USA und Israel "nicht enden wird, solange Teheran nicht garantiert, dass er sich nicht wiederholt, und eine angemessene Entschädigung erhält".
Dem arabischsprachigen Nachrichtenportal The New Arab sagte er: "Wir haben diese Erfahrung im letzten Jahr gemacht, als Israel angegriffen hat und sich die Vereinigten Staaten angeschlossen haben, und dann sind sie zurückgekommen, um uns erneut anzugreifen, nachdem sie sich erneut ausgerüstet hatten."
In einem Interview mit dem Nachrichtensender MS NOW erklärte der Minister, dass sein Land sowohl von Russland als auch von China militärisch unterstützt wird. Er betonte gleichzeitig, dass der Iran die Blockade der Straße von Hormus fortsetzen wird, was er als "einen Hauptgrund für den starken Anstieg der Ölpreise weltweit" bezeichnete. Araghchi bezeichnete Russland und China als "strategische Partner" des Irans und erklärte, dass die Zusammenarbeit mit ihnen politische, wirtschaftliche und militärische Bereiche umfasse, lehnte es jedoch ab, dies näher zu erläutern.
Iranische Angriffe auf den Golf
In dem Gespräch verteidigte Araghchi die Angriffe des Irans auf seine Nachbarn am Golf, die nach Angaben der Vereinigten Arabischen Emirate, Katars, Kuwaits und Saudi-Arabiens auf zivile Gebiete gerichtet waren.
Er beschuldigte stattdessen die VAE, den USA zu erlauben, Angriffe von Städten wie Dubai und Ras al-Khaimah aus zu starten, die dicht besiedelte Gebiete sind, und bezeichnete dies als "gefährlich".
"Es ist klar, dass sie von den VAE aus gestartet werden, und es ist gefährlich, dicht besiedelte Gebiete für den Abschuss von Raketen gegen uns zu nutzen", so Araghchi.
Zudem erklärte er, dass Teheran "reichlich Beweise" dafür habe, dass US-Stützpunkte im Nahen Osten genutzt würden, um die Islamische Republik anzugreifen. "Wir haben Satellitenbilder und elektronische Überwachungen, die zeigen, dass US-Basen in der Region für Angriffe gegen uns genutzt werden", sagte er. Demnach sollen von den Vereinigten Arabischen Emiraten aus Raketen auf die iranische Ölinsel Kharg abgefeuert worden sein.
Der iranische Minister fügte hinzu, dass sein Land bereit sei, sich mit seinen Partnern in der Region zusammenzusetzen, um eine Untersuchungskommission zu bilden, die feststellen soll, welche Ziele angegriffen wurden und ob es sich um amerikanische Ziele handelt oder nicht.
Laut Araghchi deuteten jüngste Informationen darauf hin, dass die USA und Israel von bestimmten Punkten aus Raketen auf arabische Länder abschießen. Er warf den Amerikanern vor, eine Drohne entwickelt zu haben, die der iranischen Shahed-Drohne ähnelt und unter dem Namen Lucas bekannt ist. Sie würde für die Bekämpfung mehrerer Ziele in der Region eingesetzt werden.
Diese Schritte könnten darauf abzielen, die Beziehungen zwischen dem Iran und seinen arabischen Ländern in eine negative Richtung zu lenken, indem zivile Ziele angegriffen werden, sagte er.
VAE: Haben das Recht, uns gegen "terroristische Aggression" zu verteidigen
In einer offiziellen Erklärung, die auf X veröffentlicht wurde, verurteilten die VAE die Äußerungen Araghchi mit den Worten: "Die VAE haben das Recht, sich angesichts dieser terroristischen Aggression, die ihnen auferlegt wurde, zu verteidigen, aber sie werden weiterhin der Vernunft und der Logik den Vorrang geben, während sie sich zurückhalten und einen Ausweg für den Iran und die Region suchen."
In einem längeren Interview mit Euronews in Abu Dhabi sagte die Staatsministerin der VAE, Lana Nusseibeh, dass die VAE seit Beginn des Krieges die Hauptlast der iranischen Raketen- und Drohnenangriffe in der Region zu tragen hätten. Sie betonte, dass es dem Land gelungen sei, die Stabilität aufrechtzuerhalten und das Leben nach vierzehn herausfordernden Tagen wieder fast normal verlaufen sei.
Nusseibeh fügte hinzu: "Wir sind seit zwei Wochen in diesen Konflikt verwickelt, in den wir nicht hineingezogen werden wollten. Wir haben uns vor dieser Eskalation sehr um diplomatische Bemühungen bemüht, um einen Konflikt in der Region zu vermeiden."
US-Angriffe auf die Insel Kharg
Der iranische Außenminister spielte die Auswirkungen des jüngsten US-Angriffs auf militärische Einrichtungen auf der Insel Kharg herunter und betonte, dass sein Land bereit sei, auf jeden Angriff auf seine Ölinfrastruktur zu reagieren.
"Ich denke, unsere Streitkräfte haben bereits deutlich gemacht, dass sie reagieren werden, wenn unsere Öleinrichtungen und Energieinfrastrukturen angegriffen werden und dass sie alle Energieeinrichtungen in der Region angreifen werden, die sich im Besitz eines US-Unternehmens befinden oder an denen die USA beteiligt sind", sagte er. Die Antwort werde eindeutig sein.
US-Präsident Donald Trump kündigte gestern an, dass die US-Streitkräfte "jedes militärische Ziel" auf der Insel Kharg, dem strategischen Ölexportzentrum des Iran im nördlichen Golf, angegriffen hätten. Zugleich warnte er, dass die Ölinfrastruktur der Insel ins Visier genommen werden könnte, falls die Meerenge geschlossen bleibt.
Die Insel Kharg gilt als Rückgrat des iranischen Ölexportsystems: Über sie laufen 90 bis 95 Prozent der iranischen Ölexporte.
Nach Schätzungen von Reuters pumpt der Iran täglich etwa 3,3 Millionen Barrel Rohöl sowie 1,3 Millionen Barrel Kondensat und andere Flüssigkeiten, insgesamt rund 4,5 % der weltweiten Produktion.
Oberster Führer
Araghchi wies zudem die Behauptungen des US-Verteidigungsministers Pete Hegseth zurück, wonach der neue Oberste Führer des Iran, Modschtaba Chamenei, infolge der israelischen und US-amerikanischen Angriffe, bei denen sein Vater Ajatollah Ali Chamenei, seine Frau und sein Sohn getötet wurden, verletzt und entstellt worden sei.
"Es gibt kein Problem mit dem neuen Obersten Führer. Das System funktioniert und alles ist unter Kontrolle", sagte er.
In einer weiteren Erklärung betonte der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Esmail Baghaei, diese Anschuldigungen seien Teil einer Medienkampagne und psychologischen Kriegsführung, die auf der Verbreitung von Fehlinformationen beruhe. "Ich kann mit Zuversicht sagen: Modschtaba Chamenei, ist am Leben und bei voller Gesundheit. Die USA und Israel folgen einem einheitlichen Muster, um ihre Angriffe zu rechtfertigen: Sie beginnen mit der Diskreditierung von Ländern und rechtfertigen dann Angriffe auf Zivilisten."
CNN berichtete jedoch, dass Modschtaba Chamenei, am ersten Tag der US-amerikanischen und israelischen Bombenkampagne, bei der sein Vater und ranghohe iranische Militärs getötet wurden, einen gebrochenen Fuß, ein geprelltes linkes Auge und kleinere Risswunden im Gesicht erlitten habe.