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Iranischer Exilwissenschaftler erhält Wasser-Nobelpreis

Mit 44 Jahren ist Professor Kaveh Madani der jüngste Träger des Stockholm-Wasserpreises sowie der erste UN-Beamte und frühere Politiker mit dieser Auszeichnung.
Mit 44 Jahren ist Professor Kaveh Madani der jüngste Träger des Stockholmer Wasserpreises. Er ist zugleich der erste UN-Beamte und Ex-Politiker, der diese Auszeichnung erhält. Copyright  City College of New York
Copyright City College of New York
Von Angela Symons
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Der Stockholm Water Prize geht an Kaveh Madani. Die Auszeichnung würdigt herausragende Beiträge zum nachhaltigen Umgang mit und zum Schutz von Wasserressourcen.

Kaveh Madani wuchs im Teheran nach der Revolution auf. Von klein auf erlebte er Wasserknappheit und eine vom Krieg gezeichnete Infrastruktur.

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Dass er nun im Alter von nur vierundvierzig Jahren den renommierten Stockholm Water Prize (Quelle auf Englisch), der als „Nobelpreis des Wassers“ gilt, erhält, wirkt fast wie eine Fügung.

Er ist der bislang jüngste Preisträger, doch seine Laufbahn ist lang und verschlungen. Madani gab eine angesehene akademische Karriere in Europa auf, um in den Iran zurückzukehren. Dort trat er das Amt des stellvertretenden Leiters des Umweltministeriums an und landete bald darauf als angeblicher Staatsfeind im Exil.

Früher als „Wasserterrorist“ diffamiert, leitet er heute das United Nations University Institute for Water, Environment and Health (UNU-INWEH), den „Wasser-Thinktank der UN“, und teilt sein Wissen mit Regierungen in aller Welt.

Madani ist der erste UN-Beamte und der erste ehemalige Politiker, der die Auszeichnung in ihrer 35-jährigen Geschichte erhält.

„Wasser-Bankrott“: Systemversagen in der globalen Wasserversorgung offenlegen

Über seine persönliche Geschichte hinaus gilt der Begriff „Wasser-Bankrott“ als Madanis wohl wichtigste Leistung für die globale Wasserforschung. Diesen Ausdruck prägte er als Ersatz für den gebräuchlicheren Begriff Wasserkrise.

Seine Argumentation ist differenziert, aber zentral: Eine Krise klingt nach einem vorübergehenden Schock, von dem man sich erholen kann. Ein Bankrott beschreibt dagegen ein strukturelles Scheitern und womöglich einen Punkt ohne Rückkehr.

In einem wegweisenden UN-Bericht vom Januar 2026 erklärte Madani, der Planet sei in das Zeitalter des globalen Wasser-Bankrotts eingetreten. Viele Flusseinzugsgebiete und Grundwasserleiter haben ihre Fähigkeit verloren, zu früheren Zuständen zurückzukehren.

Vom „Wasserterroristen“ zum Träger des „Wasser-Nobelpreises“

Seine deutliche Kritik an systemischen Fehlentwicklungen im Iran brachte Madani jedoch selbst in Schwierigkeiten.

Die massive Fehlsteuerung der Wasserressourcen im Land ist politisch heikel. Wasserintensive Anbaukulturen gelten unter den Bedingungen internationaler Sanktionen als Frage der nationalen Sicherheit.

Wegen seines Umweltengagements geriet er 2018 in den Strudel einer Kampagne des Islamic Revolutionary Guard Corps (IRGC), das damals hart gegen iranische Umweltexpertinnen und -experten vorging.

Regierungsnahe Medien beschimpften ihn als „Wasserterroristen“ und „Bioterroristen“ und warfen ihm vor, Wasser- und Umweltprojekte als Tarnung für ausländische Spionage zu nutzen.

Madani musste im selben Jahr von seinem Regierungsamt zurücktreten und das Land verlassen. Sein Kollege, der Naturschützer Kavous Seyed-Emami, starb unter ungeklärten Umständen in Haft.

Die Verantwortlichen schlugen seine Warnungen in den Wind, und der Iran steckt heute in einer sich verschärfenden Wasserkrise. Anfang dieses Jahres führten Wasserabschaltungen und neue Proteste die Dramatik noch einmal vor Augen. Der einsetzende Krieg gegen den Iran verschärft die Katastrophe zusätzlich: Schadstoffe sickern in Gewässer, und Entsalzungsanlagen in der gesamten Region geraten in Gefahr.

„Der weltweit meistbeachtete Wasserforscher“

Mit fast einer Million Followern in den sozialen Medien findet Madanis Stimme weltweit Gehör.

Mit Dokumentarfilmen, viralen Online-Kampagnen und verständlich erzählten Geschichten übersetzt er komplexe hydrologische Daten in Inhalte, die eine Generation jüngerer Klimaaktivistinnen und -aktivisten mobilisiert haben.

Die Überzeugung, dass ganz normale Menschen Teil der Lösung sein müssen, prägt auch seinen wissenschaftlichen Ansatz.

Die meisten Modelle zur Wasserbewirtschaftung gehen davon aus, dass Landwirte, Regierungen und Projektentwickler kooperieren und den fairsten Ausgleich suchen. Madani ist überzeugt, dass die Realität meist anders aussieht.

Ist sich eine Bäuerin oder ein Bauer zum Beispiel nicht sicher, ob die Nachbarn ihren Wasserverbrauch wirklich senken, fehlt der Anreiz, selbst weniger zu verbrauchen. Am Ende nehmen beide mehr Wasser, als sie brauchen, und die gemeinsame Ressource bricht zusammen.

Indem Madani die Spieltheorie, „die Mathematik von Kooperation und Konflikt“, wie er sie einmal in einem Reuters-Interview nannte, auf die Wasserpolitik anwendet, bilden seine Modelle dieses Verhalten ab und werden für politische Entscheidungsträger in realen Nutzungskonflikten deutlich hilfreicher.

Als UN-Beamter wirbt Madani auf höchster Ebene dafür, Wasser zu einer zentralen Säule der globalen Klimaverhandlungen zu machen. Für ihn bildet Wasser das Rückgrat von Frieden, Sicherheit und Nachhaltigkeit.

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