In Indien steht die Stadt mit der weltweit stärksten Luftverschmutzung, wie der neue Weltluftqualitätsbericht von IQAir zeigt.
Nur vierzehn Prozent der Städte weltweit atmen noch gesundheitlich unbedenkliche Luft – im Jahr davor waren es noch siebzehn Prozent.
Das Schweizer Luftqualitätsunternehmen IQAir hat Daten aus 9.446 Städten in 143 Ländern, Regionen und Territorien ausgewertet, für den nun erschienenen Weltluftqualitätsbericht 2025 (Quelle auf Englisch).
Die Analyse zeigt: Die Luftqualität verschlechtert sich weltweit, vor allem wegen des menschengemachten Klimawandels. Ausschlaggebend für die schlechten Werte im Jahr 2025 waren vor allem Rauch von Waldbränden, Staubstürme und andere Extremwetterereignisse, die durch die Verbrennung von fossilen Brennstoffen verstärkt werden.
Im schlimmsten Waldbrandjahr seit Beginn der EU-Aufzeichnungen brannten Feuer quer durch Europa. Ihren Rekordhöhepunkt erreichten sie im August, als sie Felder, Wälder und Wohnhäuser zerstörten. Extremwetter verursachte europaweit kurzfristige wirtschaftliche Schäden von mindestens 43 Milliarden Euro – ausgelöst durch tödliche Hitzewellen, Überschwemmungen und Dürren.
Die Weltgesundheitsorganisation WHO setzt Grenzwerte für PM2,5, also Feinstaubpartikel, wegen ihrer erheblichen Gesundheitsrisiken. Wegen ihres geringen Durchmessers von weniger als 2,5 Mikrometern dringen diese winzigen, einatembaren PM2,5-Partikel tief in die Lunge ein und gelangen in den Blutkreislauf. Sie stehen im Zusammenhang mit Atemwegserkrankungen, Herz-Kreislauf-Leiden und langfristigen Krankheiten wie Krebs.
Nur drei europäische Staaten liegen noch innerhalb der sicheren WHO-Richtwerte.
Wo in Europa ist die Luft am saubersten – und wo am schmutzigsten?
In Europa haben nur Andorra, Estland und Island im Jahr 2025 den jährlichen WHO-Richtwert für PM2,5 von 5 Mikrogramm pro Kubikmeter (µg/m³) eingehalten.
Sie gehören zu lediglich 13 Staaten und Territorien weltweit, die innerhalb der sicheren Grenzen geblieben sind. Zu den übrigen zählen Australien, Barbados, Bermuda, Französisch-Polynesien, Grenada, Neukaledonien, Panama, Puerto Rico, Réunion und die Amerikanischen Jungferninseln.
Das heißt: 130 der 143 untersuchten Länder – also 91 Prozent – verfehlten die sicheren Richtwerte.
Die fünf am stärksten belasteten Länder sind Pakistan (67,3 µg/m³), Bangladesch (66,1 µg/m³), Tadschikistan (57,3 µg/m³), Tschad (53,6 µg/m³) und die Demokratische Republik Kongo (50,2 µg/m³).
Alle 25 Städte mit der weltweit höchsten Luftverschmutzung liegen in Indien, Pakistan und China, wobei Indien drei der vier am stärksten belasteten Städte stellt – darunter die traurige Nummer eins.
Die Stadt Loni im nordindischen Bundesstaat Uttar Pradesh verzeichnete eine jährliche durchschnittliche PM2,5-Konzentration von 112,5 µg/m³ – fast 23 Prozent mehr als 2024 und mehr als das Zweiundzwanzigfache des WHO-Richtwerts. Eine Umfrage aus dem Jahr 2024 nennt vor allem Verkehr, Industrieemissionen, Straßenstaub und wilde Müllkippen als wichtigste Verschmutzungsquellen.
Nieuwoudtville in Südafrika war der am wenigsten verschmutzte Ort in der Liste, mit einer jährlichen durchschnittlichen PM2,5-Konzentration von 1,0 µg/m³. Nieuwoudtville liegt im weiten, zerklüfteten Namaqualand der Karoo und ist wegen seiner jährlichen Blütenpracht ein beliebtes Ziel für Blumenfreundinnen und -freunde.
Wo ist die Luft in Europa am stärksten verschmutzt?
In ganz Europa stieg 2025 in 23 Ländern die jährliche durchschnittliche PM2,5-Belastung, in 18 Ländern ging sie zurück, ein weiteres kam neu hinzu.
Die PM2,5-Verschmutzung nahm in der Schweiz und in Griechenland um mehr als 30 Prozent zu, ausgelöst durch Rauch von nordamerikanischen Waldbränden und Saharastaub aus Afrika. Malta verzeichnete mit fast 24 Prozent den stärksten Rückgang. Dazu trugen die seit Langem laufende Umstellung der Stromerzeugung von Schweröl auf erneuerbare Energien und Maßnahmen gegen Verkehrsemissionen bei.
IQAir veröffentlicht außerdem Live-Ranglisten, die auf Echtzeitmessungen der Luftqualität beruhen. Zum Zeitpunkt der Auswertung gehörte Paris zu den fünf weltweit am stärksten verschmutzten Städten – neben Peking, Dhaka, Wuhan und Seoul. London lag ebenfalls in den Top Ten.
Am vergangenen Donnerstag (19. März) warnte der Atmosphärenüberwachungsdienst Copernicus (CAMS) der EU vor hohen PM2,5-Werten in Europa. Auslöser seien saisonale Ammoniakemissionen aus Düngemitteln in der Landwirtschaft, steigende Konzentrationen bestimmter Pollen und stabile Wetterlagen ohne Luftaustausch.
Eine anhaltende Hintergrundbelastung durch die Verbrennung von fossilen Brennstoffen – besonders in Teilen Osteuropas und auf dem Balkan – verschlechtert die Luftqualität zusätzlich, erklärte Copernicus.
Deutschland, Frankreich, die Niederlande, Belgien, das Vereinigte Königreich und Irland zählten zu den Ländern, die in den folgenden Tagen betroffen sein sollten.
Luftqualitätsdaten bleiben lückenhaft
Im neuen Weltluftqualitätsbericht stieg die jährliche durchschnittliche PM2,5-Belastung in 54 Ländern, in 75 ging sie zurück, in zwei blieb sie unverändert.
Zwar umfasst der Bericht in diesem Jahr zwölf zusätzliche Länder, die zuvor nicht erfasst waren. Große Datenlücken bestehen jedoch weiter. Nach Angaben von IQAir hat nur ein kleiner Teil der Weltbevölkerung Zugang zu sehr lokalen Echtzeitinformationen über die Luftqualität.
Und mancherorts verschlechtert sich die Lage. Im März 2025 schaffte die Regierung Trumpdas weltweite Programm des US-Außenministeriums zur Überwachung der Luftqualität ab und entzog damit Millionen Menschen den Zugang zu Daten.
Das in Finnland ansässige Centre for Research on Energy and Clean Air (CREA) berichtete, dass die Überwachung in 44 Ländern geschwächt wurde und sechs Staaten nun ganz ohne Messnetz dastehen.
„Ohne Messungen können wir nicht vollständig verstehen, was in der Luft ist, die wir atmen“, sagt IQAir-Global-CEO Frank Hammes. „Ein breiterer Zugang zu Echtzeitdaten stärkt die Handlungsmöglichkeiten der Menschen vor Ort. Wenn wir Emissionen senken und den Klimawandel bekämpfen, können wir die Luftqualität weltweit spürbar und dauerhaft verbessern.“