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Aufrüstung im Mittelmeer: Türkei verlegt F-16-Kampfjets nach Zypern

F-16, Archivbild
F-16, Archivbild Copyright  Copyright 2022 The Associated Press. All rights reserved
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Von Foteini Doulgkeri
Zuerst veröffentlicht am
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Zypern ist derzeit ein zentraler Schauplatz erhöhter militärischer Aktivitäten im östlichen Mittelmeer. Griechische und türkische F-16 sowie europäische Seestreitkräfte sind präsent. Doch wie stabil ist die Lage wirklich?

Zypern ist in den vergangenen Wochen verstärkt in den Fokus geopolitischer Entwicklungen im östlichen Mittelmeer gerückt. Die Krise im Nahen Osten hat die militärische Mobilität in der Region deutlich erhöht. Die Präsenz griechischer und türkischer Kampfflugzeuge auf der Insel sowie die Stationierung von Seestreitkräften mehrerer europäischer Staaten schaffen ein besonders dichtes militärisches Umfeld.

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Nach Einschätzung von Analysten führt dies jedoch nicht zwangsläufig zu unmittelbaren Spannungen zwischen Griechenland und der Türkei. Vor der Küste Zyperns sind derzeit Marineeinheiten aus Griechenland, Frankreich, Spanien und Großbritannien stationiert. London hat zudem seine militärische Präsenz auf den britischen Stützpunkten auf der Insel verstärkt.

Gleichzeitig verlegte die Türkei F-16-Kampfjets in die besetzten Gebiete im Norden der Insel – ein Schritt, der sowohl politisch als auch strategisch intensive Debatten ausgelöst hat. Angelos Syrigos, Professor für internationales Recht und Außenpolitik an der Panteion-Universität sowie Abgeordneter der Partei Nea Dimokratia, hält die Stationierung der türkischen Kampfflugzeuge jedoch nicht für eine grundlegende Veränderung des militärischen Gleichgewichts auf der Insel.

Türkische F-16 im Norden der Insel lösen politische Debatten aus

Er verweist darauf, dass im nördlichen, von der Türkei kontrollierten Teil Zyperns bereits seit Jahrzehnten eine erhebliche türkische Militärpräsenz besteht. "Derzeit befinden sich rund 35.000 türkische Soldaten, etwa 200 Panzer, rund 500 gepanzerte Mannschaftstransporter und etwa 200 bis 250 Selbstfahrlafetten auf dem Territorium der Insel", erklärt er. Diese Kräfte seien eine direkte Folge der anhaltenden Besetzung des nördlichen Teils Zyperns.

Die Verlegung von sechs türkischen F-16 in die besetzten Gebiete bewertet Syrigos daher eher als politischen denn als militärischen Schritt. "Es macht militärisch kaum einen Unterschied, ob die Türkei sechs F-16 dort stationiert, da Zypern nur einen Steinwurf vom türkischen Festland entfernt ist. Die Entscheidung wurde vor allem aus innenpolitischen Gründen getroffen", sagt er.

Gleichzeitig stehe der Schritt auch im Zusammenhang mit den Reaktionen in der Türkei auf die verstärkte Präsenz europäischer und griechischer Streitkräfte auf der Insel. Besonders bemerkenswert sei aus seiner Sicht jedoch die vergleichsweise zurückhaltende Reaktion Ankaras auf die Anwesenheit griechischer Kampfflugzeuge auf Zypern. "Erstaunlich ist, dass die Türken kein Wort über die Stationierung von vier griechischen F-16 verloren haben, die inzwischen dauerhaft auf dem Flughafen von Paphos stationiert sind. Historisch gesehen ist so etwas in den vergangenen 66 Jahren noch nie vorgekommen", sagt er.

Nach Einschätzung von Syrigos hängt diese Zurückhaltung mit der allgemeinen Sicherheitslage in der Region zusammen. "Ich denke, das steht in direktem Zusammenhang mit den Entwicklungen im Nahen Osten. Da in der gesamten Region Krieg herrscht und Europa versucht, die Republik Zypern zu schützen, hat die Türkei derzeit keinen Raum, um eine neue Front zu eröffnen", erklärt er.

Gleichzeitig betont er, dass Zypern seit Jahrzehnten zu den am stärksten militarisierten Orten der Welt gehört. Vor diesem Hintergrund löse die Konzentration so vieler militärischer Kräfte auf der Insel unter Experten nicht zwangsläufig Besorgnis aus. Serhat Guvants, Professor für internationale Beziehungen an der Kadir-Has-Universität, interpretiert die Stationierung der türkischen Kampfjets hingegen etwas anders.

Seiner Ansicht nach ist der Schritt Ankaras vor allem eine Reaktion auf die Präsenz griechischer Seestreitkräfte im südlichen Teil Zyperns – aber auch auf innenpolitischen Druck auf die türkische Regierung. "Wenn etwas passiert und keine türkischen Militäreinheiten auf der Insel stationiert sind, gerät die Regierung schnell in eine schwierige Lage", sagt er.

Guvants betont zudem, dass die türkischen F-16 nicht primär als Reaktion auf eine mögliche ballistische Bedrohung stationiert wurden, sondern eher für andere Szenarien relevant sein könnten. "Sie sind keine Antwort auf eine ballistische Bedrohung, könnten aber etwa gegen Bedrohungen wie Drohnen eingesetzt werden. Da die Türkei eine bedeutende Militärpräsenz auf der Insel unterhält, hat der Schutz dieser Truppen und der türkischen Zyprioten Priorität", erklärt er.

Gleichzeitig schafft die Vielzahl militärischer Einrichtungen auf relativ engem Raum ein komplexes operatives Umfeld. Guvants warnt daher, dass es im Falle einer Krise zu einer erheblichen Überlastung des Luftraums über der Region kommen könnte. "Sollte es zu einer Krise oder einem Angriff auf die Insel kommen, könnte der Luftraum schnell überfüllt sein", sagt er.

Allerdings gebe es Mechanismen zur Koordinierung, um das Risiko von Zwischenfällen zu verringern. "Glücklicherweise sind alle beteiligten Parteien NATO-Mitglieder, und es existieren Verfahren, um Zusammenstöße in der Luft zu vermeiden", erklärt er. Zudem verweist er auf die Rolle der Vereinigten Staaten in der regionalen Sicherheitsarchitektur und ihren Einfluss auf die Entscheidungen Athens und Ankaras.

"Jede Seite, die in diesem Konflikt eine Eskalation verursacht, würde von den Vereinigten Staaten wahrscheinlich beschuldigt, von den zentralen Bemühungen in der Region abzulenken. Deshalb können weder Athen noch Ankara eine mögliche feindselige Haltung Washingtons riskieren. Beide Seiten werden daher vorsichtig bleiben", betont er.

Hinzu kommt die Präsenz der britischen Militärbasen auf Zypern, von denen ebenfalls Kampfflugzeuge operieren. "Wir dürfen nicht vergessen, dass es auf der Insel britische Hoheitsstützpunkte gibt und Großbritannien dort Typhoon-Kampfjets stationiert hat", sagt er. Trotz der verstärkten Militärpräsenz und der komplexen Lage sind sich die Experten weitgehend einig, dass die Situation auf Zypern derzeit unter Kontrolle bleibt. Das militärische Gleichgewicht sowie die diplomatische Überwachung durch die USA und die NATO wirken weiterhin als wichtige Abschreckungsfaktoren.

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