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NATO-Jahresbilanz: Hat Deutschland schon die stärkste Armee Europas?

NATO-Jahresbilanz: Hat Deutschland die stärkste Armee Europas?
NATO-Jahresbilanz: Hat Deutschland die stärkste Armee Europas? Copyright  AP Photo
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Von Diana Resnik
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Hat Deutschland bereits die stärkste Armee Europas? Der NATO-Jahresbericht 2025 zeigt Verteidigungsausgaben auf – doch wo liegt Deutschland aktuell im Vergleich zu seinen Nachbarn? Kanzler Merz will die Bundeswehr zur Nummer eins in Europas machen.

Der NATO-Generalsekretär Mark Rutte hat am Donnerstag in Brüssel den Jahresbericht des Verteidigungsbündnisses vorgestellt. Die Bilanz: Die NATO-Staaten haben eine Rekordsummen ausgegeben. Doch, wo liegt Deutschland im Vergleich?

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In seiner Jahreserklärung im Mai 2025 erklärte der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz, die Bundeswehr zur stärksten Armee in Europa ausbauen zu wollen. Doch, was sagen die aktuellen Zahlen?

Beim NATO-Gipfel 2025 in Den Haag verpflichteten sich die Alliierten, mit Ausnahme Spaniens, bis 2035 jährlich fünf Prozent des Brutttoinlandsproduktes (BIP) in die Verteidigung zu investieren. Davon 3,5 Prozent für direkte militärische Ausgaben und 1,5 Prozent für verteidigungsrelevante Infrastruktur. Damit reagierten die NATO-Mitgliedsstaaten auf die Forderungen von US-Präsident Donald Trump und die veränderte Sicherheitslage in Europa – die Bedrohung aus Russland und jetzt auch aus dem Iran.

Verteidigungsausgaben: Deutschland im oberen Bereich

Laut Bericht haben alle 32 NATO‑Mitglieder im Jahr 2025 mindestens 2 % ihres BIP für Verteidigung ausgegeben. Das entspricht dem langjährigen NATO‑Richtwert, der ursprünglich 2014 vereinbart wurde, um eine angemessene Verteidigungsbereitschaft sicherzustellen. Die NATO empfiehlt seit dem Wales-Gipfel 2014, mindestens 2 Prozent des BIP für Verteidigung auszugeben, mit langfristigen Zielen von 3,5 bis 5 Prozent.

Laut Bericht liegt Deutschland im oberen Bereich, aber noch nicht an der Spitze. Das Land hat seine Verteidigungsausgaben gegenüber 2024 deutlich gesteigert. Dabei hat Deutschland im vergangenen Jahr 2.39 Prozent des BIP für Verteidigung ausgegeben. Das entspricht etwa 95 bis 100 Milliarden Euro – eine Steigerung gegenüber 2024. Damals gab Deutschland noch 2,12 Prozent des BIP für Verteidigung aus (etwa 90.6 Milliarden Euro). Doch damit ist Deutschland noch immer nicht Spitzenreiter.

Polen ist Verteidigungs-Spitzenreiter

Die Spitzenausgaben in der Verteidigung hatten letztes Jahr Polen mit 4.30 Prozent, gefolgt von Litauen mit 4.00 Prozent, Lettland mit 3.74 Prozent und Estland mit 3.42 Prozent. Die vergleichsweise hohen Verteidigungsausgaben spiegeln die geopolitische Lage dieser Länder und ihre geografische Nähe zu Russland wider. Seit der russischen Annexion der Krim 2014 und insbesondere nach dem russischen Überfall auf die Ukraine haben vor allem diese europäischen NATO‑Staaten ihre Verteidigungsausgaben erhöht.

Am wenigsten für de Verteidigung haben Belgien (2.00 Prozent), Kanada (2.00 Prozent), Albanien (2.00 Prozent) sowie Spanien und Portugal (beide ebenfalls 2.00 Prozent) ausgegeben.

Verteidigungsausgaben als Anteil am BIP (%) (basierend auf Preisen und Wechselkursen von 2021)
Verteidigungsausgaben als Anteil am BIP (%) (basierend auf Preisen und Wechselkursen von 2021) NATO-Jahresbericht 2025

Deutschland bei Ausrüstung über dem NATO-Ziel

Doch, wie sieht es mit den Ausgaben für neue Ausrüstung aus? Die NATO empfiehlt, mindestens 20 Prozent der Verteidigungsausgaben für Ausrüstung auszugeben. Doch, wie viel investiert Deutschland in Modernisierung und neue militärische Fähigkeiten?

Die gute Nachricht: Deutschland liegt mit 28,6 Prozent deutlich über dem NATO-Ziel, ist im Vergleich aber nicht ganz so stark wie einige der NATO-Staaten.

Am meisten gibt Luxemburg für Ausrüstung aus – mit 55.0 Prozent. An zweiter Stelle folgt Polen mit 50,7 Prozent an Ausgaben, gefolgt von Litauen mit 45.7 Prozent und Spanien mit 44.2 Prozent.

Unter dem von der NATO empfohlenen Wert liegen Belgien (13.4 Prozent), Albanien (17.5 Prozent) und Estland 19.1 Prozent).

Anteil der Ausgaben für Ausrüstung an den Verteidigungsausgaben (in %)
Anteil der Ausgaben für Ausrüstung an den Verteidigungsausgaben (in %) NATO-Jahresbericht 2025

Wofür wird das Geld ausgegeben?

Doch wie verteilen sich die gesamten Verteidigungsausgaben prozentual auf die verschiedenen Kategorien? Der Bericht unterscheidet zwischen Personal, Ausrüstung, Betrieb und Wartung, sowie Infrastruktur.

Der Bericht zeigt: Deutschland ist zwar gut aufgestellt, aber Merz' Ziel, die stärkste Armee in Europa aufzubauen, dürfte noch Zeit und zusätzliche Investitionen in Anspruch nehmen. Laut Bericht gibt Deutschland 25.2 Prozent für Soldaten aus - ein relativ niedriger Anteil im Vergleich zu vielen anderen NATO-Staaten. Die Ausgaben für Ausrüstung erfüllen, wie bereits erwähnt, das NATO-Ziel. Am meisten gibt Deutschland für Betrieb und Wartung, also für die Einsatzbereitschaft seiner Truppen, aus (40.7 Prozent). Und am wenigsten investierte Deutschland in Infrastruktur, also Bauprojekte und Basen (4.6 Prozent).

Besser schneidet Polen ab: Laut Bericht setzt das Land auf aggressive Modernisierung, fokussiert sich auf neue Systeme und zeigt eine gute Einsatzfähigkeit. Das Land ist klar auf schnelle Aufrüstung ausgerichtet.

Auch Frankreich weist eine starke Kombination aus Personal, Technik und Einsatzfähigkeit auf. Mit 38.0 Prozent sind die Investitionen in das Personal und die Aufrüstung (30.0 Prozent) relativ hoch.

Hauptkategorien der Verteidigungsausgaben (%) (Anteil an den gesamten Verteidigungsausgaben)
Hauptkategorien der Verteidigungsausgaben (%) (Anteil an den gesamten Verteidigungsausgaben) NATO-Jahresbericht 2025

Bilanz

Die bittere Bilanz: Trotz einer Rekordsumme von 498 Milliarden Euro (574 Milliarden USD)sind viele Länder, darunter auch Deutschland, von den von US-Präsident Donald Trump geforderten Zielen immer noch weit entfernt. Europa und Kanada haben ihre Ausgaben 2025 von 19,4 Prozent (2024) auf 19,6 Prozent (2025) zwar deutlich gesteigert. Doch trotz einer Rekordsumme von insgesamt 498 Milliarden Euro (574 Milliarden USD)sind viele Länder, darunter auch Deutschland, von den von US-Präsident Donald Trump geforderten Zielen immer noch weit entfernt.

NATO Europa und Kanada – Verteidigungsausgaben (jährliche reale Veränderung, basierend auf Preisen und Wechselkursen von 2021)
NATO Europa und Kanada – Verteidigungsausgaben (jährliche reale Veränderung, basierend auf Preisen und Wechselkursen von 2021) NATO-Jahresbericht 2025

Deutschland liegt zusammen mit den anderen europäischen NATO-Verbündeten und Kanada insgesamt unter den Ausgaben der USA: Obwohl die Verteidigungsausgaben der USA um 1,4 Prozent gesunken sind, betrugen diese 2025 immer noch 729 Milliarden Euro (838 Milliarden USD).

Verteidigungsausgaben (Milliarden US-Dollar, basierend auf Preisen und Wechselkursen von 2021),
Verteidigungsausgaben (Milliarden US-Dollar, basierend auf Preisen und Wechselkursen von 2021), NATO-Jahresbericht 2025

Deutschland: noch nicht die stärkste Armee Europas

Der NATO-Jahresbericht zeigt: Während Länder wie Frankreich und Polen sowohl hohe Ausrüstungsanteile als auch starke Personal- und Betriebsressourcen aufweisen, bleibt Deutschland im Verhältnis stärker auf Einsatzbereitschaft und Wartung fokussiert, wodurch die absolute Schlagkraft und die offensive Schlagfähigkeit noch ausgebaut werden müssten, um wirklich als stärkste Armee Europas gelten zu können.

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